Neue Zahlen zum grünen Ausnahmezustand: Münchens Quellen liegen nur 15 Prozent unter bisherigem Juni-Tiefstand
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Münchens grüner Oberbürgermeister Dominik Krause hat weitreichende Notmaßnahmen verhängt, die er mit „Wasserknappheit“ begründet. Eine zentrale Datengrundlage dafür blieb bislang unter Verschluss. Erst infolge der kritischen Berichterstattung von NIUS liegen nun historische Vergleichswerte vor, anhand derer sich das Ausmaß des Tiefstands zumindest teilweise öffentlich nachvollziehen lässt.
Auf Anfrage liegt NIUS nun die vollständige Messreihe der von den Freispiegelwerken im Mangfalltal geförderten Wassermengen von 2001 bis Juni 2026 vor. Diese decken nach Angaben der Stadtwerke im Normalbetrieb etwa 75 Prozent der Grundlast der Münchner Wasserversorgung.
Die Stadtwerke kennzeichneten die Messreihe als „vertraulich“. NIUS veröffentlicht daraus die gerundeten historischen Vergleichswerte, die erforderlich sind, um die öffentlich behauptete Außergewöhnlichkeit des Tiefstands zu überprüfen.
Nur 15 Prozent unter den bisherigen Juni-Tiefständen
Die neuen Zahlen zeigen: Die von den Freispiegelwerken gewonnene Wassermenge erreichte tatsächlich einen neuen Juni-Tiefstand. Einen extremen Einbruch oder gar einen Wassernotstand belegt die Messreihe jedoch nicht. Der aktuelle Wert liegt nur rund 15 Prozent unter den bisherigen Juni-Tiefständen der Jahre 2022 und 2025. Damals lieferten die Freispiegelwerke jeweils rund 2.600 Liter Wasser pro Sekunde, was etwa 400 Liter mehr als im Juni 2026 sind. Vergleichbare Einschränkungen – wie mit hohen Bußgeldern bewehrte Verbote, tagsüber Rasenflächen zu bewässern oder Autos außerhalb dafür vorgesehener Waschanlagen zu waschen – wurden damals nicht verhängt.

Die FFP2-Maske der Wasserpolitik? Der zugenagelte Fischbrunnen soll den Ausnahmezustand sichtbar machen.
Kritischer Schwellenwert bleibt unbekannt
Die Stadtwerke erklären im Münchner Merkur inzwischen, dass die zusätzlichen Brunnen in der Münchner Schotterebene seit eineinhalb Jahren nahezu durchgehend genutzt würden und die Wasserentnahme an ihre Grenzen stoße. Welche Fördermengen dort aktuell erzielt werden, legen sie jedoch nicht offen. Ob die Differenz von rund 400 Litern pro Sekunde durch die übrigen Gewinnungsanlagen ausgeglichen werden kann, bleibt öffentlich nicht nachvollziehbar.
Hinzu kommt: Seit Februar steigt die gewonnene Wassermenge kontinuierlich. Von Januar bis Juni nahm sie insgesamt um rund 25 Prozent zu. Die Messreihe zeigt bei den Freispiegelwerken somit keinen fortschreitenden Rückgang, sondern eine Erholung, allerdings auf niedrigem Niveau. Die Tendenz zeigte bereits nach oben, als die Grünen durchgriffen.
Zwischenfazit: Die neuen Daten belegen einen neuen Tiefstand im wichtigsten Münchner Gewinnungsgebiet. Für sich genommen belegen sie jedoch keinen Notstand des gesamten Versorgungssystems. Um einen solchen nachvollziehbar zu begründen, müsste die Stadt offenlegen, welche Grundwasserreserven zur Verfügung stehen, wie stark die übrigen Gewinnungsanlagen ausgelastet sind und vor allem, ab welchem konkreten Schwellenwert die Versorgung gefährdet ist. Diese entscheidenden Angaben fehlen.
Auf der bislang öffentlich nachvollziehbaren Zahlenbasis ist daher nicht überprüfbar, ob weitreichende Verbote, hohe Geldstrafen und das Vernageln des Fischbrunnens erforderlich und verhältnismäßig sind.

Der prächtige Fischbrunnen, wie er aussah, als Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) ihn noch nicht vernagelt hatte.
Messreihe bestätigt NIUS-Verdacht
Die Kommunikation der Stadt war dramatischer, als es die vollständige Messreihe rechtfertigt. Oberbürgermeister Dominik Krause hatte erklärt, die gegenwärtig gewonnenen Wassermengen entsprächen lediglich 60 bis 70 Prozent des langjährigen Mittelwerts.
NIUS hatte kritisiert, dass der Vergleich mit einem Durchschnitt ein verzerrtes Bild vermitteln könne, weil besonders hohe Einzelwerte den Mittelwert nach oben ziehen. Dieser Einwand hat sich bestätigt: Betrachtet man die vollständigen Daten, relativiert sich das Ausmaß des Tiefstands deutlich. Einzelne Juni-Werte der vergangenen Jahre lagen in einer ähnlichen Größenordnung. Zugleich flossen besonders hohe Werte in den Mittelwert ein – rund 5.000 Liter pro Sekunde im Juni 2013 sowie jeweils rund 4.000 Liter in den Jahren 2006 und 2019.
Grundsätzlich gilt: Statistische Ausreißer gibt es in jeder langjährigen Messreihe. Deshalb darf eine Abweichung vom Durchschnitt nicht vorschnell zum Beleg für einen Notstand erklärt werden.
Auf diese Argumentation gehen die Stadtwerke nicht ein. Stattdessen erweitern sie ihre Begründung nun um Verbrauchsspitzenwerte von mehr als 400 Millionen Litern täglich und den nahezu dauerhaften Einsatz zusätzlicher Brunnen in der Münchner Schotterebene. Auch der Münchner Merkur stützt seine Bewertung maßgeblich auf diese ergänzenden Angaben.
Vielen Menschen sitzen der dreijährige Corona-Ausnahmezustand und die damit verbundenen tiefgreifenden, teils schädlichen Maßnahmen noch in den Knochen. Unter Berufung auf einen Notstand kann der Staat drastisch in den Alltag der Bürger eingreifen. Gerade deshalb ist vollständige Datentransparenz unverzichtbar. Infolge der NIUS-Berichterstattung wurde sie nun zumindest teilweise hergestellt. Sie hätte jedoch bereits vor Erlass der ersten Maßnahmen bestehen müssen.
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