München verweigert Zahlen zur Wasser-Verordnung mit Verweis auf „öffentliche Sicherheit“
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Die Stadt München begründet ihre weitreichenden Wasserbeschränkungen – darunter Verbote für das Befüllen privater Pools sowie Einschränkungen bei der Gartenbewässerung – mit einem außergewöhnlich hohen Wasserverbrauch und historisch niedrigen Grundwasserständen. Ob diese Begründung trägt, lässt sich anhand der bislang veröffentlichten Daten allerdings kaum überprüfen, die entscheidenden Vergleichswerte fehlen. Auf mehrere NIUS-Anfragen hin mauern Stadt und Stadtwerke.
Um beurteilen zu können, ob die vom Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) genannten Verbrauchsspitzen von 370 Millionen tatsächlich außergewöhnlich hoch sind, müsste man sie mit Tageswerten aus den Sommermonaten der Vorjahre vergleichen – idealerweise unter Berücksichtigung des zwischenzeitlichen Bevölkerungswachstums. Genau diese Vergleichsdaten fragte NIUS bei den Stadtwerken München (SWM) an, an die uns das Referat für Klima- und Umweltschutz der Stadt verwies.

Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) warnte die Bürger Anfang Juli auf Instagram.
Jahresdurchschnittswerte sind nur eingeschränkt aussagekräftig
Die SWM antworteten darauf: „Die Beantwortung dieser Frage erfordert die Auswertung umfangreicher Betriebs- und Archivdaten und würde längere Zeit in Anspruch nehmen. Gerne können wir Ihnen heute bereits Vergleichsdaten für den Jahresdurchschnitt der vergangenen Jahre zur Verfügung stellen.“ Statt der angefragten Tages- oder Sommervergleichswerte übermittelten die Stadtwerke also lediglich Jahresdurchschnittswerte, die wegen des deutlich geringeren Wasserverbrauchs in den Wintermonaten jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig sind. Damit bleibt weiter unklar, ob die von der Stadt genannten Verbrauchsspitzen tatsächlich außergewöhnlich sind oder in heißen Sommern regelmäßig auftreten.
Die veröffentlichten Pegeldaten aus dem Haupt-Gewinnungsgebiet Mangfalltal zeigen seit Herbst 2025 insgesamt einen stabilen Verlauf. Kurzfristige Schwankungen treten nach Niederschlägen regelmäßig auf, ein außergewöhnlicher Rückgang unmittelbar vor Inkrafttreten der Wasserbeschränkungen lässt sich aus der Messreihe jedoch nicht ablesen.

Aktuelle Messwerte aus dem Mangfalltal
Auch die von der Stadt veröffentlichten Messdaten zu den Grundwasserständen beantworten die entscheidende Frage nicht. Zwar bewegen sich die Grundwasserstände seit vielen Monaten auf niedrigem Niveau. Aus den veröffentlichten Messreihen lässt sich jedoch kein abrupter Einbruch unmittelbar vor Erlass der Wasserbeschränkungen erkennen.
SWM verweigert Daten mit Verweis auf öffentliche Sicherheit
In der vergangenen Woche hatten wir die Stadtwerke auch gefragt, wie viel Wasser die beiden wichtigsten Gewinnungsgebiete Münchens – das Mangfalltal und das Loisachtal – unter den aktuellen Bedingungen tatsächlich liefern können. Die SWM teilten daraufhin mit, dass am 14. Juli 2026 im Mangfalltal durchschnittlich rund 2.600 Liter Wasser pro Sekunde aus den Quellen kamen und im Loisachtal aufgrund wasserrechtlicher Vorgaben höchstens 500 Liter pro Sekunde entnommen werden dürfen. Zusammen seien aus beiden Gewinnungsgebieten derzeit etwa 3.100 Liter pro Sekunde verfügbar. Zugleich erklärten die Stadtwerke, dass zusätzlich Wasser aus der Münchner Schotterebene gefördert werde. Deren aktuelle Förderleistung und damit die insgesamt für die Versorgung Münchens verfügbare Wassermenge nannten sie jedoch nicht.

Diese Grafik postete der Münchner Oberbürgermeisters Dominik Krause auf Instagram.
Auf die Nachfrage, wie viel Wasser das Münchner Versorgungssystem unter den aktuellen Bedingungen insgesamt bereitstellen könne, antworteten die SWM lediglich, eine solche Fördermenge lasse sich nicht als fester Wert angeben. Auf die weitere Nachfrage, ob den SWM zumindest eine aktuelle fachliche Bewertung der vertretbaren Fördermenge als konkreter Wert oder zumindest als Größenordnung vorliege, antworteten die Stadtwerke: „Wir bitten um Verständnis, dass wir zu sicherheitsrelevanten Details unserer Wassergewinnungs- und Versorgungsanlagen keine Auskünfte erteilen können. Die Trinkwasserversorgung ist Bestandteil der Kritischen Infrastruktur. Angaben, die Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit, Betriebsweise, Reserven oder Verwundbarkeit der Anlagen zulassen könnten, werden aus Gründen der Versorgungssicherheit und des Schutzes der öffentlichen Sicherheit grundsätzlich nicht veröffentlicht.“
Quellschüttung allein belegt keinen Versorgungsnotstand
Monatswerte der Quellschüttung – also der natürlichen Wassermenge, die aus den Quellen austritt – aus dem Mangfalltal zeigen, dass dort im Juni 2026 der niedrigste Juni-Wert der vergangenen Jahre gemessen wurde. Mit rund 2.200 Litern pro Sekunde lag die Quellschüttung rund 400 Liter pro Sekunde unter den Juni-Werten der Jahre 2022 und 2025. Für sich genommen ist dieser Wert jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig. Er beschreibt lediglich die Situation im wichtigsten Münchner Gewinnungsgebiet, nicht aber die Leistungsfähigkeit des gesamten Versorgungssystems. Ob der Rückgang im Mangfalltal durch andere Gewinnungsgebiete ausgeglichen werden kann und ab welchem Schwellenwert die Versorgung Münchens tatsächlich gefährdet ist, lässt sich aus den veröffentlichten Daten nicht erkennen.
Welche Rolle die übrigen Gewinnungsgebiete spielen, bleibt ebenfalls offen. Auf Nachfrage teilten die SWM mit, dass die natürliche Quellschüttung am 14. Juli 2026 durchschnittlich rund 2.600 Liter pro Sekunde betrug. Zudem nannten sie einen langjährigen Durchschnitt von 3.400 Litern pro Sekunde sowie einen bisherigen Tiefstwert von 1.400 Litern pro Sekunde. Wann dieser Wert erreicht wurde, teilten sie nicht mit.

Der prächtige Fischbrunnen, wie er aussah, als Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) ihn noch nicht vernagelt hatte.
Wirkung der Maßnahmen bleibt ebenfalls unklar
Keine neuen Erkenntnisse gibt es zudem zur Wirkung der Wasserbeschränkungen. Bereits auf die erste Anfrage hatten die SWM erklärt, sie hätten keinen systematischen Einblick in die konkrete Verwendung des Trinkwassers durch die Verbraucher und könnten deshalb nicht beziffern, welchen Beitrag einzelne Maßnahmen – etwa das Verbot von Poolbefüllungen oder Einschränkungen bei der Gartenbewässerung – tatsächlich zur Senkung des Wasserverbrauchs leisten.
NIUS hat die Stadt am Montag zudem gefragt, wie viele Liter Wasser durch die Abschaltung von zehn Zierbrunnen tatsächlich eingespart werden und auf welchen Messungen oder Berechnungen die öffentlich genannte Einsparung von 43 Prozent beruht. Eine Frist wurde auf Dienstag gesetzt. Eine inhaltliche Antwort liegt bislang jedoch nicht vor. So antwortete eine Sprecherin aus dem Baureferat der Stadt München zunächst: „Uns wurde Ihre Anfrage zur Beantwortung zugeleitet. Wir recherchieren bereits. Sobald uns die Informationen aus der Fachabteilung vorliegen, melden wir uns umgehend bei Ihnen.“ Nach einer erneuten Nachfrage hieß es dann am Donnerstag: „Wir bitten Sie nochmals um etwas Geduld. Eine abschließende Beantwortung Ihres Anliegens ist derzeit leider noch nicht möglich. Sobald uns alle erforderlichen Informationen vorliegen, werden wir uns umgehend bei Ihnen melden.“

Zehn Brunnen wurden abgeschaltet
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