Münchens grüner OB verhängt bis zu 50.000 Euro Strafe für Wasserverschwendung: Doch die entscheidenden Daten fehlen
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Die Stadt München begründet drastische Wassersparmaßnahmen mit einem außergewöhnlich hohen Wasserverbrauch und historisch niedrigen Grundwasserständen. Doch ausgerechnet für den angeblich stark gestiegenen Verbrauch fehlen öffentlich nachvollziehbare Vergleichsdaten. Auch die Grundwassermessstellen zeigen seit Monaten weitgehend konstante Werte.
Die Stadt München hat wegen einer nach eigenen Angaben drohenden Wasserknappheit den Wasserverbrauch der Bürger eingeschränkt. Seit Dienstag gilt eine Allgemeinverfügung, die unter anderem das Befüllen privater Pools und Planschbecken, das Waschen privater Fahrzeuge außerhalb gewerblicher Waschanlagen sowie das Rasensprengen verbietet. Auch das Abpumpen von Wasser aus Seen und Flüssen ist untersagt. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.
Die Anordnung gilt nicht nur für das Stadtgebiet, sondern auch für die von den Stadtwerken München versorgten Gemeinden Aschheim, Garching, Neubiberg, Neuried, Oberschleißheim, Unterföhring und Unterhaching. Zunächst ist die Verfügung bis zum 1. August 2026 befristet, eine Verlängerung ist bei anhaltender Trockenheit möglich.

Stadt spricht von historischer Ausnahmesituation
Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) begründet die Maßnahmen mit einer außergewöhnlichen Belastung der Wasserversorgung. „Nach einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühling sind die vorhandenen Ressourcen der Wasserversorgung Münchens derzeit äußerst strapaziert“, erklärte er. Bereits Ende Juni hatte Krause von einer seit den frühen 1970er-Jahren „nicht dagewesenen Ausnahmesituation“ gesprochen und eine „Taskforce“ angekündigt, die die Wasserknappheit bekämpfen werde.
Auch das städtische Portal muenchen.de verweist auf zwei Ursachen: einen ungewöhnlich hohen Wasserverbrauch und niedrige Grundwasserstände in den Gewinnungsgebieten Mangfall- und Loisachtal. Demnach sei der tägliche Wasserverbrauch zuletzt auf über 400 Millionen Liter gestiegen, während der Durchschnitt bei rund 300 bis 350 Millionen Litern liege. Wegen der niedrigen Grundwasserstände könne gleichzeitig weniger Wasser gefördert werden.

Diese Grafik postete der Münchner Oberbürgermeisters Dominik Krause auf Instagram.
Hoher Verbrauch lässt sich nicht überprüfen
Wie außergewöhnlich der von der Stadt angeführte Wasserverbrauch tatsächlich ist, bleibt allerdings offen. Die Stadtwerke München veröffentlichen weder historische Tageswerte noch Vergleichsreihen oder Angaben zu Netzverlusten. Damit lässt sich nicht nachvollziehen, wie sich der aktuelle Verbrauch im Vergleich zu früheren Sommern entwickelt hat oder welchen Anteil mögliche Leitungsverluste haben. Auf eine NIUS-Anfrage erklärte ein Sprecher der Stadtwerke, entsprechende Vergleichsdaten könne man „aus dem Stegreif“ nicht liefern. Ob diese Daten nachgereicht werden, blieb offen.
Niedrige Grundwasserstände – aber kaum Veränderungen
Auch bei der zweiten Begründung ergeben sich Fragen. Tatsächlich zeigen mehrere Grundwassermessstellen im Münchner Stadtgebiet und in den Wassergewinnungsgebieten niedrige Wasserstände. Allerdings handelt es sich dabei nicht um einen plötzlichen Einbruch während der aktuellen Hitzewelle. Die Messwerte bewegen sich seit Monaten auf einem ähnlichen Niveau.
Auch im Mangfalltal, aus dem ein Großteil des Münchner Trinkwassers stammt, zeigen die Messdaten des Bayerischen Landesamts für Umwelt seit vielen Monaten einen weitgehend konstanten Verlauf. Im vergangenen Herbst stieg der Pegel sogar dauerhaft leicht an. Ein zusätzlicher Einbruch, der den aktuellen Sparappell erklären würde, ist bislang nicht erkennbar.

Aktuelle Messwerte aus dem Mangfalltal.
Zwischen Fluss und Grundwasser besteht in diesem Gebiet eine enge hydraulische Verbindung. Wenn die Stadt einerseits auf eine seit Jahren unzureichende Grundwasserneubildung verweist, andererseits aber weder der Flusspegel noch die Grundwassermessstellen einen kurzfristigen außergewöhnlichen Rückgang erkennen lassen, bleibt erklärungsbedürftig, weshalb die Situation gerade jetzt so kritisch sein soll.
Die verfügbaren Messdaten legen vielmehr nahe, dass die niedrigen Grundwasserstände bereits lange vor der aktuellen Hitzeperiode bestanden. Ob hier wirklich ein gestiegener Wasserverbrauch der Münchner eine entscheidende Rolle spielt, lässt sich anhand der bislang veröffentlichten Daten nicht beurteilen. Gerade dafür fehlen die historischen Verbrauchsdaten der Stadtwerke.
Dass der aktuelle Wasserverbrauch tatsächlich außergewöhnlich hoch ist, erscheint auch im historischen Vergleich nicht selbstverständlich. So lag der Münchner Trinkwasserverbrauch der Stadt am 16. Mai 1966 bei 527,4 Millionen Litern an einem einzigen Tag – und damit deutlich über den derzeit von den Stadtwerken genannten rund 370 Millionen Litern. Damals hatte München rund 1,22 Millionen Einwohner und damit sogar 400.000 weniger als aktuell.
Auch die Stadt spart Wasser
Parallel zu den Einschränkungen für die Bürger hat München eigene Sparmaßnahmen beschlossen. Der Wasserverbrauch in Schulschwimmbädern wurde reduziert. Zehn der insgesamt 150 Zierbrunnen – darunter der Fischbrunnen am Marienplatz – wurden abgeschaltet. Bei weiteren 56 Brunnen wurden die Betriebszeiten verkürzt, um den Verbrauch um rund 30 Prozent zu senken und sie dennoch während der heißesten Tagesstunden zur Abkühlung der Bevölkerung betreiben zu können. Auch bei der Reinigung städtischer Fahrzeuge und Gebäude sowie bei Übungen der Feuerwehr soll künftig weniger Wasser verbraucht werden.
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Janina Lionello
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