Neues Kanzler-Video: Mehr Streit, mehr arbeiten, mehr Reformen. Irgendwann.
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Wir wissen nicht, was in den Social-Media-Abteilungen der Bundesregierung los ist. Eine Bauministerin klatscht tapsig auf einer Bank neben dem Reichstag in Vorfreude auf den Bau-Turbo, der Modernisierungs-Staatssekretär trägt sinnfrei ein Croissant durch sein Büro und Kanzler Friedrich Merz (CDU) meldet sich aus der Osterpause mit einem Clip zurück, der jetzt aber mal frischen Streit ankündigt, als hätte das Land ausgerechnet auf Streit in der Koalition gewartet!
Reihenweise Albernheiten! Botschaft? Fehlanzeige
„Ja, natürlich“, sagt Merz im jüngsten Video auf Instagram. „Jetzt wird gestritten, gerungen, jetzt werden Argumente ausgetauscht, für und wider.“ Dazu dröselt seltsame Musik im Hintergrund wie ein Trailer für ein neues Wirtschaftsmagazin im TV-Infokanal. Dazu gibt es Schnittbilder aus dem Kanzleramt.
„Wir müssen Reformen machen, wir müssen unser Land wieder fit machen. Wir müssen uns alle zusammen anstrengen (Schweißer-Funken springen ins Bild, ausgerechnet an einer Autokarosserie wird gewerkelt!), und am Ende muss die Botschaft dastehen: Diejenigen, die arbeiten, die fleißig sind, die sogar vielleicht bereit sind, ein bisschen mehr zu tun, für die wird am Ende des Monats auch etwas mehr übrigbleiben.“
Seit knapp einem Jahr ist Friedrich Merz jetzt im Amt, der Automobilindustrie brechen Gewinne ein und fallen Stellen weg, und der Kanzler hat weder das Verbrenner-Aus in Brüssel vom Tisch bekommen noch entfällt die von ihm selbst als ruinös bezeichnete CO2-Bepreisung. Während sich im Land immer mehr sorgen, überhaupt noch Arbeit zu haben, und die Spritpreise durch die Decke gehen, möchte Merz, dass am Monatsende für Fleißige mehr rausspringt. Wer hat ihm das aufgeschrieben? Wer hat vergessen, ihm zu sagen, dass die Energiepreise derzeit das drängendste Thema sind und sich Mehrarbeit nur für diejenigen lohnt, die kein Festgehalt bekommen, und für andere auch erst nach einer Steuerreform, an der angeblich hinter den Kulissen noch immer gebastelt wird.
Na, wenn das keinen Mut macht
Aber Vorsicht! Wer zu fleißig ist, den bestraft ausweislich der SPD-Steuerpläne Lars Klingbeil (SPD), weil starke Schultern ja bekanntlich mehr tragen müssen. Aber der Kanzler hat noch eine Botschaft:
„Darum geht es, dass wir alle zusammen dieses, unser Land fit machen. Und dass wir wieder wettbewerbsfähig werden auf der internationalen Bühne, Arbeitsplätze in der Industrie erhalten und dass wir ein wohlhabendes Land in Freiheit und Frieden bleiben. Dafür machen wir dann im Laufe dieses Jahres ganz konkret einige Reformen.“
Aha! Wir alle wollen dieses Land wieder fit machen, und die Regierung des Kanzlers wird „im Laufe des Jahres“ „ganz konkret“ „EINIGE Reformen“ machen. Irgendwas Nettes. Wird schon. Wann, ist noch nicht ganz klar, aber es wird „konkret“ sein, und mehrere Reformen sollen es auch werden.
Na, wenn das keinen Mut macht! Mach irgendwas auf Insta, werden sie ihm gesagt haben. Irgendwas Frisches. So mit Ärmel hochkrempeln und so. Und Reformen. Deutschland wieder fit machen, aber ganz konkret. Aufschwung, Frühling, Sonne.
Und ein Merz im April, der einen ratlos zurücklässt.
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Ralf Schuler
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