Spin-Doktorinnen wollen Konrad-Adenauer-Stiftung beeinflussen: Das Anti-NIUS-Papier im Fall Günther
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„NIUS nutzt die Skepsis gegenüber Politik und Medien und treibt sie weiter an“; „NIUS’ Unterstellungen im Fall Günther tragen nicht zur Debatte bei, sondern reduzieren sie auf Skandalisierung“; „Indem NIUS Günthers ‚Ja‘ aus dem Zusammenhang gerissen hat, entstand Desinformation“: Mit diesen und weiteren als „Gegenargumente“ getarnten Behauptungen will die NGO „Zukunft Demokratie“ unter anderem Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) für den Anti-NIUS-Kampf wappnen.
Kommunikationspakete, Talking-Point-Papiere und Workshops: Damit will der Verein „Zukunft Demokratie“ gegen NIUS mobilisieren, nachdem sich die Redaktion gegen totalitäre Verbots-Fantasien von Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, zur Wehr setzte. Günther äußerte im Talk von Markus Lanz, er sei dafür, Medien wie NIUS zu verbieten. Bei der konservativen KAS wird ein aktuelles Papier herumgereicht, für den kommenden Donnerstag ist ein Online-Seminar angekündigt.
In dem Papier werden verschiedene „Talking Points“ genannt, die laut Beschreibung so formuliert sind, „dass sie sich direkt in einem Statement oder vor der Kamera verwenden lassen – aber auch gerne an die Sprache, Perspektive und Bedürfnisse der kommunizierenden Person oder Organisation angepasst werden können.“ Einer der Punkte lautet beispielsweise: „Der Shitstorm gegen CDU-Politiker Daniel Günther zeigt exemplarisch, wie Desinformationskampagnen funktionieren.“ Ein anderer: „NIUS führt seit längerem einen politischen Kulturkampf gegen den liberalen Flügel der CDU, der für klare Abgrenzung zur AfD steht.“
„Inhalte des Paketes gern als ‚Rohmaterial‘ verstehen“
Ein Passus zu Beginn des Leitfadens lässt darauf schließen, dass das Anti-NIUS-Dokument nicht der erste Versuch der inhaltlichen Einflussnahme ist, den „Zukunft Demokratie“ an die KAS adressiert. Dort heißt es: „Und wie immer der Hinweis: Die Inhalte des Paketes gern als ‚Rohmaterial‘ verstehen, was noch ans eigene Publikum angepasst werden muss.“
Die Konrad-Adenauer-Stiftung finanziert sich zu rund 99 Prozent aus öffentlichen Zuwendungen. Auf eine NIUS-Anfrage dazu, ob und wie hoch die Arbeit des Vereins entlohnt wird und in welchem Maße die transportierten Inhalte in die Arbeit der KAS einfließen, antwortete die Stiftung nicht.
Auch werden „Links zum Reposten“ angeführt, etwa ein Tweet des CDU-Politikers Ruprecht Polenz, in dem es heißt: „Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Kampagne gegen Daniel Günther von Nius, Cicero, Welt, Tichy, Bild und anderen vor allem diesen Grund hat.“ Polenz verwendet eine Umfrage zum Wahltrend für Schleswig-Holstein vom 22. Januar 2025 und gibt diese als aktuelle Erhebung mit Stand vom 11. Januar 2026 aus.

Brisant ist die Agitation von „Zukunft Demokratie“ auch vor dem Hintergrund, dass Daniel Günther im Talk von Markus Lanz NGOs förmlich zur Schlacht gegen NIUS aufrief: Um gegen die Redaktion vorzugehen, müsse man sich mit „zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenschließen, um uns gegen solche Exzesse auch zu wehren“.
Spin-Doktorinnen erarbeiten Strategien zur Kommunikation über Klima-Themen
Die Spin-Doktorinnen, die hinter dem Strategiepapier stecken, sind dabei keine unerfahrenen Aktivisten, sondern hochprofessionelle und erfahrene Expertinnen im Marketing-Bereich, die das Engagement in diversen NGOs verbindet.
Geschäftsführerin von „Demokratie Zukunft“ ist Kathrin Müller, gezeichnet ist der Leitfaden für die KAS von Anne Isakowitsch, die sich auf LinkedIn als „Campaigner and Fundraiser“ beschreibt, und Mitgründerin der Kampagne Boostcamp ist, einem Trainings- und Ausbildungsprogramm für NGOs und Aktivisten.
Sie hat an der London School of Economics and Political Science (LSE) studiert und ist leitende Mitarbeiterin beim Global Strategic Communications Council (GSCC), einem internationalen Netzwerk, das strategische Öffentlichkeitsarbeit zu Klima-, Energie- und Umweltfragen koordiniert. Es wird philanthropisch finanziert, und hat das Ziel, Narrative und öffentliche Debatten in diesen Themenfeldern gezielt zu beeinflussen.

Anne Isakowitsch beschreibt sich auf LinkedIn als „Campaigner and Fundraiser“.
Auch Jill Berger, Kommunikationsexpertin mit Schwerpunkt „Energie, Klima, grüne Transformation“, mischt beim aktuellen „Zukunft Demokratie“-Briefing der KAS mit und auch sie ist bei der internationalen Klima-Marketing-Schmiede GSCC tätig, arbeitete in der Vergangenheit unter anderem für die Werbeagentur Scholz & Friends und die European Climate Foundation und hat einen Master of Business Administration.

Jill Berger ist Kommunikationsexpertin mit Schwerpunkt „Energie, Klima, grüne Transformation“.
Warum Günthers Aussagen rechtswidrig sind, erklärt Rechtsanwalt Steinhöfel bei NIUS Live:
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Janina Lionello
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