Verdi-Chef Frank Werneke: „Der Kanzler hat inhaltlich und im Stil komplett am Saal vorbeigeredet“
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In einem Interview mit dem Handelsblatt zum Thema Reformen sprach Verdi-Chef Frank Werneke auch über den Auftritt von Bundeskanzler Friedrich Merz beim DGB-Kongress im Mai.
Auf die Frage, ob ihm die vielen Gewerkschafter unangenehm waren, die Friedrich Merz ausgebuht haben, antwortete Werneke: „Nein. Der Kanzler hat inhaltlich und im Stil komplett am Saal vorbeigeredet. Da saßen Krankenpflegerinnen, Busfahrer oder Menschen aus der Industrie, deren Jobs gerade bedroht sind. Er hat nicht einmal versucht, eine Brücke zu deren Lebenswirklichkeit zu schlagen. Gemessen daran haben die Delegierten die Rede fast die ganze Zeit höflich ertragen. Es gab nur an zwei Stellen Unmutsbekundungen: bei den Themen Rente und Gesundheitsreform. Da gibt es aber nichts zu entschuldigen. Das muss der Kanzler abkönnen.“
Stehen die Gewerkschaften noch Seite an Seite mit der SPD?
„Für Verdi hat es ein widerspruchsfreies Seite-an-Seite-Verhältnis nie gegeben. Natürlich gibt es historische Wurzeln. Aber wir bemühen uns um einen guten Umgang mit SPD, Grünen, Linken und auch mit der Union. Unter Angela Merkel hat die Union allerdings stärker den Austausch gesucht als heute.“
Was er vom Treffen des Kanzlers am 10. Juni mit Arbeitgebern und Gewerkschaften erwartet
„Ich hoffe sehr, dass etwas herauskommt. Es ist das erste Treffen in dieser Formation, seit er Kanzler ist. Es bietet zumindest eine Möglichkeit, die jeweiligen Positionen verständlich zu machen. Absolute No-Gos für uns sind eine Erhöhung des Renteneintrittsalters, eine Absenkung des Rentenniveaus und eine Verlängerung der täglichen Höchstarbeitszeit allein per Direktionsrecht der Arbeitgeber. Entscheidend ist: Menschen über 55 haben auf dem Arbeitsmarkt weiterhin schlechte Vermittlungschancen, sie sind schlicht nicht gewollt. Eine Erhöhung des Eintrittsalters wäre daher für viele eine Rentenkürzung durch die Hintertür, weil sie sich nur mit Abschlägen in den Ruhestand retten können – und das bei ohnehin niedrigem Rentenniveau.“
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