CDU-Mittelstands-Chef Bastian Atzger über Merz: „Ich fühle mich getäuscht“
Ein Beitrag von
Ralf Schuler„Man hat zu lange die deutsche Wirtschaft und gerade den Mittelstand als Melkkuh betrachtet“, sagt Bastian Atzger. Er ist Chef der Mittelstandsunion in Baden-Württemberg und stellt dem Bundeskanzler ein schwaches Zwischenzeugnis aus. Bei „Schuler! Fragen, was ist“ erklärt der Unternehmer, warum er keineswegs eine Trendwende der Wirtschaft erkennen kann.
Hier geht's zum ganzen Interview im Video:
Über Merz: „Ich fühle mich getäuscht“
In Baden-Württemberg wird bald gewählt, aber für Zurückhaltung ist bei den Unternehmern keine Zeit mehr. Bastian Atzger vertritt für die Mittelstandsunion im Autoland Baden-Württemberg die Interessen von rund 3000 Mitgliedern. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagt er über Friedrich Merz. „Die Enttäuschung, der Begriff kommt ja davon, dass man getäuscht wurde. Und ich fühle mich getäuscht, weil ich eine Agenda mitgetragen habe, einen Wahlkampf mitgetragen habe, wo es um Leistung, um Innovation, um Stärke ging und natürlich auch gegen einen gewissen linken Zeitgeist.“
Und dann wurden gleich am Tag nach der Wahl andere Allianzen geschmiedet. Atzger ist sauer: „Die Versprechen, die uns gemacht wurden, wurden nicht eingehalten. Und natürlich ist man da persönlich auch sehr, sehr enttäuscht.“

Bastian Atzger ist selbst Unternehmer und war für das Interview aus Baden-Württemberg zugeschaltet.
Kehrtwende nicht erkennbar
Atzger erinnert sich an die Kernversprechen der Union im Wahlkampf: Es ging um Eigenverantwortung und um Leistung. „Da ist nichts passiert“, stellt der Unternehmer im Gespräch mit NIUS-Politikchef Ralf Schuler fest. Im Gegenteil. „Auch anstatt einer soliden finanziellen Aufstellung des Bundeshaushalts kam dann dieses Megapaket. Und das sind wirklich diese Fragezeichen, vor denen wir selber stehen“. Eine Kehrtwende jedenfalls will Atzger in der unionsgeführten Regierung jedenfalls nicht erkennen.

NIUS-Politikchef Ralf Schuler führte das Interview im Berliner Studio von NIUS, war per Videoschalte mit Atzger in Baden-Württemberg verbunden.
Kein Aufschwung der Wirtschaft
In der vergangenen Woche war überall vom Aufschwung die Rede. Merz erwähnte die positiven Zahlen sogar bei seiner Reise in Abu Dhabi. Ist das jetzt die Trendwende für die deutsche Wirtschaft? „Es wäre schön, wenn es die wäre. Man müsste sich jetzt im Detail angucken, welche Zahlen in diese Statistik eingeflossen sind. Nach der Übersicht, die ich habe – und ich sehe natürlich jetzt eher diejenigen im lokalen Mittelstand –, sehen wir noch keine Trendwende“, sagt Atzger.
Warum Atzger nicht mehr das Gefühl hat, dass mit Merz „da ein Macher am Ruder steht“, sehen Sie im ganzen Video-Interview.
Weitere Artikel zum Thema
Mario Czaja (CDU) rechnet mit Merz-Regierung ab: „Es war ein verlorenes Jahr für Deutschland“
Kult-Sängerin Julia Neigel über Gendern: „Mir kann keiner vorschreiben, welche Worte ich fürs Singen benutze“
Kult-Sängerin Julia Neigel: „Die Meinungsfreiheit ist im Moment ziemlich bedroht“
Philosoph Johannes Hartl: „Wir sind als Gesellschaft wirklich in Gefahr, Abschied von der Realität zu nehmen“
Prof. Eisenkopf über Subventionen für die Stahlindustrie: „Grüner Stahl ist nicht wettbewerbsfähig“
Prof. Eisenkopf über CO2-Ausgleichszahlungen: „Das ist ein klassischer Fall von Moralisierung“
Ralf Schuler
Autor
Artikel teilen
Kommentare