Philosoph Johannes Hartl: „Wir sind als Gesellschaft wirklich in Gefahr, Abschied von der Realität zu nehmen“
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Die ARD bezeichnet Johannes Hartl als „hippen Missionar“, doch was ist damit gemeint? Bei „Schuler! Fragen, was ist“ spricht der Theologe und Philosoph, der das Gebetshaus Augsburg gegründet hat, über den Glauben an Gott und den Zusammenhalt der Gesellschaft.
Alljährlich füllt Hartl bei seiner „Mehr-Konferenz“ ganze Messehallen mit mehreren tausend Menschen. Denn Hartl möchte den Glauben wieder attraktiv machen. Missionare sind für ihn alle Menschen, die von irgendetwas begeistert sind – egal ob Thermomix oder Fußballklub. Und für ihn als Missionar steht fest: Es gibt „nicht beliebig viele Wahrheiten“. Er glaube, „dass wir als Gesellschaft wirklich in Gefahr sind, an vielen Stellen Abschied von der Realität zu nehmen.“
Sehen Sie hier das Interview in voller Länge:
Digitalisierung entfernt von der Realität
Ein Problem sei etwa die Digitalisierung, die immer mehr den Kontakt zur Realität trennt. „Ich habe mit dem Gebetshaus Augsburg und auch mit dem, was ich tue, die Sehnsucht danach, Menschen Kontakt zu vermitteln – zu einem Gott, der sie bedingungslos liebt, zu einer Form von Glauben, die frei macht. Das ist nicht der Gegensatz zu Freiheit, sondern eine Bedingung von Freiheit, die lebenspendend ist. Und unsere Gesellschaft krankt daran, dass wir das aus dem Blick verloren haben.“

Hätte er seine Frau nicht kennengelernt, wäre Johannes Hartl wahrscheinlich Mönch geworden, berichtet der Augsburger im Gespräch mit Ralf Schuler.
„Pluralität ist, wenn man gewaltfrei verschiedene Behauptungen ausdiskutieren kann“
Wichtig für den Pluralismus sei aber auch, dass man mit seinem Glauben nicht automatisch „die Wahrheit gepachtet“ habe, betont Hartl. „Aber wenn ich gar nicht mehr glaube, dass es einen Unterschied zwischen wahr und falsch, gut und böse gibt, dann ist auch Toleranz obsolet.“ Für den Philosophen sei Pluralität, wenn man gewaltfrei verschiedene Behauptungen ausdiskutieren könne.

Mehr als 12.000 Menschen besuchten zuletzt seine „Mehr“-Konferenz in der Messe Augsburg.
Gibt es Gott wirklich? Natürlich gebe es im Glauben darauf eine wahre und eine falsche Antwort. Hartl: „Natürlich sage ich als Christ nicht: Es ist völlig egal, was du über diese Themen denkst. Natürlich habe ich einen Anspruch.“ In sein Gebetshaus kommen entsprechend alle Menschen – Christen und Muslime – zusammen und debattieren. „Erstmal ist für mich jeder Mensch gleich. Jeder Mensch ist gleich in seiner Gottes Ebenbildlichkeit, in seiner Sehnsucht nach dem wahren Guten und Schönen“, sagt Hartl.
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