Prof. Eisenkopf über CO2-Ausgleichszahlungen: „Das ist ein klassischer Fall von Moralisierung“
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Ralf SchulerEr arbeitet an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen und hat den weiten Weg nach Berlin geschafft. Und wie er das geschafft hat, das hat er uns verraten. Mobilitätsexperte Prof. Alexander Eisenkopf sprach bei „Schuler! Fragen, was ist“ über die Mobilität von heute, von morgen und die moralische Aufladung von Klimaneutralität. Ergebnis: Klimapolitisch gibt es zwischen Fliegen und Bahnfahren kaum einen Unterschied.
Hier sehen Sie das Interview im Video:
Lohnt es sich, sein Flugticket zu kompensieren?
Im Gespräch mit NIUS-Politikchef Ralf Schuler spricht Eisenkopf auch über Klimaschutz als Teil des Produktangebots von Mobilität. So werde man heutzutage schon beim Kauf eines Flugtickets auf ein Angebot zum Ausgleich des CO2-Ausstoßes hingewiesen. Ist das Scharlatanerie? „Ein früherer Kollege von mir hat das mal als ‚Moralisierung der Märkte‘ bezeichnet“, erklärt der Verkehrsexperte. Man habe heute eine „moralische Aufladung – ganz stark bei allem, was mit Klima zu tun hat. Energiewende, Verkehrswende. Und da haben Sie den klassischen Fall von Moralisierung, also wenn Sie dort ausgleichen, zahlen Sie quasi ihre Sündenstrafe.“

In der Klimapolitik läuft einiges falsch, attestiert Prof. Eisenkopf. Das sieht man nicht nur bei der Mobilität, sondern auch etwa bei „grünem Stahl“.
Es sind klare Parallelen zum Ablasshandel der katholischen Kirche erkennbar. „Diese Kompensation – ‚Carbon Offset‘ wie wir das nennen in der Verkehrsökonomie – ist natürlich ein Instrument, was nicht geeignet ist, um Klimawandel sinnvoll zu bekämpfen“, sagt Prof. Eisenkopf.
Ein weiteres Problem sei die Intransparenz, wie denn durch diese Zahlungen genau das Klima geschützt oder gar verbessert werde. „Und den Leuten damit quasi ein schlechtes Gewissen einzureden, das ist schon mal gar Unfug.“

Deutschlandticket als Mobilitätswende? Eher nicht, sagt Prof. Eisenkopf und bezeichnet das Konzept als „sozialpolitisches Instrument“.
Luftverkehr ist vollumfänglich im Emissionshandel
Ist jemand, der permanent mit Bus und Bahn unterwegs ist, denn pauschal klimafreundlicher unterwegs? Eher nicht, sagt der Experte. Denn der Luftverkehr unterliege beispielsweise schon heute vollumfänglich dem Emissionshandel. „Das heißt: Alle CO2-Emissionen sind abgedeckt durch das Handelssystem und damit gedeckelt. Die Eisenbahn ist durch die Energie natürlich auch im Emissionshandel drin, durch die elektrische Energie und von daher gibt es eigentlich aus der klimapolitischen Perspektive keinen Grund, nicht zu fliegen.“
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