Mario Czaja (CDU) rechnet mit Merz-Regierung ab: „Es war ein verlorenes Jahr für Deutschland“
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Ralf SchulerEr war der erste CDU-Generalsekretär von CDU-Chef Friedrich Merz. Mario Czaja spricht bei „Schuler! Fragen, was ist“ über sein Aus als CDU-Generalsekretär und geht mit seiner Partei hart ins Gericht. Das Rekordschuldenpaket von Schwarz-Rot hält der ehemalige Gesundheitssenator von Berlin für einen „großen Fehler“.
Hier geht es zum Interview im Video:
„Es war ein verlorenes Jahr für dieses Land“
Obwohl die Union aktuell im Bund regiert, nimmt der ehemalige CDU-Generalsekretär kein Blatt vor den Mund. Er und Merz hätten sich damals ganz bewusst getrennt. „Er wollte mehr von sich selbst haben und einen, der ihn verstärkt und ich hatte immer die Sorge, dass uns das nicht eine breitere Basis gibt“, erklärt Czaja zu seinem Abgang von der Unionsspitze. „Es fühlte sich aber immer richtig an, diese Trennung, weil ich merkte, Friedrich Merz will einen anderen Weg gehen.“

Czaja engagiert sich ehrenamtlich als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin
Doch der andere Weg wurde nicht gut genutzt, lässt Czaja durchklingen: „Es war ein verlorenes Jahr für dieses Land. Und die CDU setzt die Dinge, die wir zugesagt haben, nicht um. Und das Brechen des Versprechens der Schuldenbremse am Beginn dieser Wahlperiode mit einem Trick, den alten Bundestag noch zu rufen, das habe ich für so unfassbar falsch gehalten.“
Czaja stimmte als Einziger gegen die Rekord-Schulden
Mit dem alten Parlament verabschiedet, stimmte Czaja als einziger Abgeordneter der Unionsfraktion gegen das Rekord-Schuldenpaket. Fühlt er sich heute in seiner Entscheidung bestätigt? „Wir verlieren leider weiterhin 10.000 Industriearbeitsplätze im Schnitt pro Monat. Das Land deindustrialisiert“, sagt Czaja. Er kann keine Trendwende erkennen – höhere Investitionsquoten im Bundeshaushalt fehlen. „Im Gegenteil: Der Investitionsanteil im Bundeshaushalt ist gesunken“.

Rund 45 Minuten sprachen Czaja und Schuler über AfD-Verbote, die anstehenden Wahlen und auch über Berlins Bürgermeister Kai Wegner.
Czaja sieht sich in seiner These bestärkt: „Gebt Politikern nicht mehr Geld. Sie konsumieren es, weil der kurzfristige Nutzen über dem langfristigen Nutzen steht.“
Macht keinen Sinn, Politikern mehr Geld zu geben
„Es macht keinen Sinn, Politikern mehr Geld zu geben. Wir brauchen mehr Investitionen aus der Wirtschaft und von den Unternehmern und von all denen, die was leisten wollen in unserem Land – und nicht immer mehr Staatsanteil. Und das war ein großer Fehler“, ergänzt Czaja, der zuletzt sein Direktmandat gegen einen AfD-Politiker in seinem Berliner Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf knapp verlor. „Ich stelle mir für einen Moment vor, Angela Merkel hätte als Bundeskanzlerin oder als angehende Bundeskanzlerin in ihrer ersten Koalition mit der SPD diesen Vorschlag in der Fraktion eingebracht. Und ein junger Abgeordneter, damals Friedrich Merz, der hätte sie verfrühstückt, und zwar zu Recht.

Auch zu Daniel Günthers Äußerungen über NIUS hat Czaja eine klare Meinung.
Czaja ist mit dem Output seiner Partei unzufrieden: „Ich bin enttäuscht davon, wie meine Partei dieses Jahr regiert hat und wie wenig wir diese Chancen genutzt haben.“
Das ganze Interview mit Mario Czaja können Sie hier anschauen.
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Ralf Schuler
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