Prof. Eisenkopf über Subventionen für die Stahlindustrie: „Grüner Stahl ist nicht wettbewerbsfähig“
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Ralf SchulerBei „Schuler! Fragen, was ist“ sprach der Mobilitätsexperte Prof. Alexander Eisenkopf über die Nachhaltigkeit des Flugzeugs als Verkehrsmittel, den Klimaschutz als Einfluss auf den internationalen Wettbewerb und die Utopie von „grünem Stahl“.
Hier sehen Sie das Interview im Video:
„Grüner Stahl ist mitnichten wettbewerbsfähig“
Bisher war das Argument von Klimaschützern und etwa den Grünen, dass der Rest der Welt ja auch Klimaschutz betreiben will – also reißen sich die Leute um die effizienten E-Autos und um den grünen Stahl. Stimmt das gar nicht? Prof. Alexander Eisenkopf erklärt: „Der grüne Stahl ist mitnichten wettbewerbsfähig. Ich meine, sie subventionieren die großen Stahlproduzenten mit Milliarden und die wollen sie jetzt gar nicht mehr haben. Die gehen dann lieber ins Ausland, weil sie sagen: ‚Wir können unter diesen Bedingungen nicht sinnvoll produzieren.‘ In Duisburg werden Hochöfen stillgelegt, Salzgitter entfernt sich schrittweise davon. Da sind schon die Rückzugsgefechte im Gange.“
Die Nachahmer-These bestätigt sich bisher also nicht, attestiert der Experte. Heißt: Nur weil Deutschland angeblich so erfolgreich Klimaschutz betreibe, zieht aktuell trotzdem keiner nach, insbesondere, wenn man in Richtung USA oder China schaut.

„Aus der klimapolitischen Perspektive gibt es keinen Grund, nicht zu fliegen“, sagt Prof. Alexander Eisenkopf.
CO2-System „im Verkehrssektor sozusagen außer Kraft gesetzt“
Theoretisch müsste ein Automobilhersteller, wenn er ein effizienteres Auto anbietet, doch automatisch Nachfrage generieren und zum Klimaschutz beitragen. Denn als Kunde denkt man sich: „Prima, dann spare ich an der Tankstelle.“ Warum gibt es dann noch den Zertifikatehandel? Genau das sei die nicht-marktwirtschaftliche Komponente an dem System, erklärt Prof. Eisenkopf. Der Zertifikatehandel ist also keinesfalls ein „marktwirtschaftliches Instrument“, wie viele Politiker behaupten. Denn es gibt eine Obergrenze, welche eingehalten werden muss und ständig reduziert wird.

In der Theorie „würde es an der Stelle für die Leute nicht wirklich teurer werden, wenn ihre Fahrzeuge effizienter werden. Das ist ja die Intention, die Unternehmen dazu zu ermuntern, CO2-sparende Technologien zu entwickeln und langfristig einzusetzen und auch Innovationen dann zu generieren. Momentan ist das System im Verkehrssektor aber außer Kraft gesetzt.“ Es werde einfach nur zur Generierung von Einnahmen genutzt. „Die Steuerungsgröße ist ja eine andere: Das sind die Flottengrenzwerte“, erklärt Eisenkopf. „Das ist ein sehr komplexes, unübersichtliches Regelwerk. Aber um es mal auf den Punkt zu bringen: Es gibt einfach eine Obergrenze für eure Flotte, mehr dürft ihr nicht ausstoßen.“
Und die Hersteller begegnen dem nicht mit Innovation, sondern mit mehr Elektroautos auf dem Markt, welche „per se mit null angesetzt werden. Also was aus dem Auspuff herauskommt. Dass irgendwo in der Kette sehr viel CO2 emittiert wird, interessiert ja keinen.“
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Ralf Schuler
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