Instagram-Video von Merz-Besuch bei Klingbeil löst Fremdscham aus
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Was macht das Social-Media-Team des Bundeskanzlers eigentlich beruflich? Diese Frage stellt sich erneut, nachdem ein sinnfreier Video-Clip vom Treffen mit Lars Klingbeil online gegangen ist.
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Man nennt ihn Pinocchio – aber das könnte sich auch auf Friedrich Merz’ hölzernes Auftreten beziehen. Im Vergleich zu seinem Vorgänger im Amt, Olaf Scholz („Scholzomat“), kommt Friedrich Merz noch steifer rüber. Je lockerer er sich geben will, desto verkrampfter wirkt er. Eine PR-Offensive, die den Sauerländer als coole Socke darstellen will, muss zwangsläufig scheitern.
Vorläufiger Höhepunkt der faktischen Schuss-in-den-Ofen-Kampagne ist ein etwa 45-sekündiges Video, das Friedrich Merz zeigt, wie er seinen Finanzminister und „Vizekanzler“ Lars Klingbeil in dessen niedersächsischem Wahlkreis Walsrode trifft. Der Gruß im Posting des Bundeskanzler-Accounts: „Schön bei dir, @minister.larsklingbeil“. Lars ist bekanntlich sensibel, man sollte ihm lieber etwas Schleimiges sagen.
Ort des Geschehens: das Vier-Sterne-Hotel Forellenhof in Walsrode. Merz steigt aus dem Dienstwagen, zieht erst einmal die Hose hoch – eine Szene, die jeder PR-Profi als Erstes herausschneiden würde. Das Beinkleid sitzt schließlich wie damals bei dem Komiker Oliver Hardy deutlich zu hoch.

Hose hoch, und dann geht’s los.
Was die wohl machen, am 1. Mai?
Doch es ist nicht Oliver Hardy, an den Merz’ Auftritt erinnert. Vielmehr denkt man unwillkürlich an Bernd Stromberg, den stets Fremdscham auslösenden Versicherungs-Abteilungsleiter aus der gleichnamigen TV-Serie. Ist das hier vielleicht ein Trailer zu einem dritten „Stromberg“-Film?
„Wir wollten uns doch hier privat treffen“, sagt Merz, der sich von den Kameraleuten und Fotografen begleiten lässt, und geht in serviler Haltung auf Klingbeil zu, die beiden schütteln sich die Hand. Neulich, beim Reformgipfel in der Villa Borsig, soll es noch nicht so harmonisch zugegangen sein. „Das ist nicht schlimm, wenn man mal angebrüllt wird“, hatte der Soze hinterher gesagt, während Merz beteuerte: „Ich will auch noch mal klarstellen: Ich brülle niemanden an.“
Am PR-Unfallort in Walsrode demonstrieren sie Geschlossenheit, duzen sich, plaudern bemüht locker miteinander. „Die haben hier selbstgebrautes Bier“, sagt Klingbeil, und Merz kommentiert: „Sehr schön!“ Dann Smalltalk mit den Betreibern des Hotels. „Wir haben gerade ein Groß-Event. Am 1. Mai erwarten wir hier fünftausend Gäste, ungefähr.“
Merz, erstaunt: „Fünftausend?! Was machen die denn hier?“ – „Feiern!“ – „Feiern … Party?“ – „Den Mai begrüßen.“

Fünftausend Leute? Merz ist baff.
Lieber in Walsrode bleiben
Merz scheint überrascht. Seit wann gibt es denn hier was zu feiern? Und sollten die nicht lieber arbeiten gehen? Das verkneift er sich aber, flüchtet stattdessen in die Binse: „Und es wird ja bärenstarkes Wetter. Oder? Das wird doch supergut.“ Da das Drehbuch Lockerheit und Kumpelei mit Lars vorsieht, wendet er sich an diesen: „Wollen wir hierbleiben?“ Klingbeil lacht. Natürlich würde Merz lieber nicht zurück nach Berlin, wo er es so schwer hat und so fies angefeindet wird.

Der Kanzler beliebt auch mal zu scherzen.
Dass es mit der Lockerheit nicht weit her ist, zeigt allerdings schon Merz’ Körpersprache: Den Großteil der 45 Sekunden steht er mit verschränkten Armen herum oder vergräbt die Hände tief in den Hosentaschen. Das kann lässig aussehen, tut es aber im Fall Merz nicht. Ob er sich selbst daran hindern will, die Hände zur Raute zu formen? Auch nützt es nichts, die Krawatte abzulegen, und sei es auch nur, weil Merz sonst daran herumgenestelt hätte wie Stromberg.
Dann geht’s rein in die gute Stube. Klingbeil: „Das ist der Blick auf die Sauna …“ Merz: „Okay …“ Klingbeil: „Aber das ist weit genug weg.“ Jetzt will Merz originell sein: „Weit genug weg, gut – für die oder für uns?“ Tja – für wen wäre es peinlicher, gesehen zu werden? Für die Nackten oder für die beiden, die politisch blank sind? Doch sehen wir es positiv: Es hätte schlimmer kommen können. Immerhin ist uns der Sauna-Gang der beiden erspart geblieben. Der Lars schwitzt ja auch ohne.

Saunierer und Politiker: Für wen ist es besser, wenn man die anderen nicht sieht?
Aber dann fesselt der Blick durchs Fenster die Aufmerksamkeit des Bundeskanzlers, Merz tritt an die Scheibe: „So, guck mal hier, ein Schwimmteich. Das ist ja schön.“ Wieder diese Stromberg-Vibes, fehlte nur noch ein „Och!“ oder „Boah!“ Der Clip endet damit, dass die beiden Politiker auf die Terrasse hinausgehen, sich vor dem Teich positionieren, den Rücken der Kamera zugewandt, und miteinander reden. Ob Lars ihm sagt, dass er den Teich auch schon gesehen hat?

Der Bundeskanzler macht eine Entdeckung.
Zum Scheitern verurteilte Charmeoffensive
Die Ein-Herz-und-eine-Seele-Nummer kauft den beiden angesichts des Dauer-Zoffs in der Koalition niemand ab. Was also sollte diese inhaltsleere Inszenierung? Niemand glaubt an die gespielte Männerfreundschaft, ebenso wenig wie an die immer wieder angekündigten Reformen. Sollte Merz mal bürgernah rüberkommen? Das Gegenteil ist der Fall, er wirkt hier besonders selbstgefällig und abgehoben. Und warum treffen sich die beiden, die das Leben der Deutschen immer teurer machen, ausgerechnet in einem Wellness-Hotel – und preisen die dort angebotenen Facilities?
Man fühlt sich an einen Merz-Satz erinnert, den der damalige Oppositionsführer an Olaf Scholz richtete: „Einfach respektlos“ sei es, „wenn ein Bundeskanzler mit einer so niedrigen Zustimmungsrate keinerlei Anzeichen gibt, an seiner Kommunikation, seiner Politik, seinem Führungsstil etwas zu ändern.“ Die gerade mal zwei Wochen alte Meldung, dass Merz derzeit „der unbeliebteste Regierungschef der Welt“ ist, macht diese Aussage nur umso pikanter. Politik, Kommunikation und Führungsstil sind ohnehin die drei Hauptprobleme des Kanzlers, der alle Fehler seines Vorgängers wiederholt und sogar noch auf die Spitze treibt.
Wenn Charmeoffensiven so aussehen wie in diesem Video, müsste jeder verantwortungsvolle PR-Berater schleunigst zum Rückzug blasen. Mit den Händen in den Taschen und verschränkten Armen symbolisiert man ganz gewiss nicht das von den Bürgern geforderte „Anpacken“. Und diese nonchalante „Lass das mal den Papa machen“-Attitüde eines Bernd Stromberg sollte man sich auch tunlichst nicht zu eigen machen, wenn man politisch nichts auf die Kette bekommt, weil man den „Vize“ die Politik bestimmen lässt, nur um nominell Regierungschef zu bleiben. Jeder weiß, dass Klingbeil Merz in der Hand hat, weil der sich jede Alternative zu ihm verbaut hat.
Was immer uns Merz und sein PR-Team mit dieser Peinlich-Inszenierung sagen wollten: Es ist in die Hose gegangen. Da kann man sie so hochziehen, wie man will, selbst bis unter die Achseln.
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