Das neue Normal: Wie Gruppenvergewaltigungen zu einem Massenphänomen wurden
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Ein Anstieg um 26 Prozent und erstmals eine dreistellige Anzahl von Fällen: Die Antwort des Senats auf eine Anfrage der Berliner AfD, die publik machte, dass es 2023 zu 111 Gruppenvergewaltigungen gekommen war, hat es in sich: jeden dritten Tag ein sexueller Missbrauch mit Beteiligung von mehr als einem Täter.
Montag, Donnerstag, Sonntag – immer wieder Gruppenvergewaltigungen, da draußen, irgendwo in Berlin. Bundesweit sind es mehr als zwei Gruppenvergewaltigungen am Tag. Die Zahlen folgen dabei einem Trend, der sich nicht in der Hauptstadt feststellen lässt, sondern im ganzen Bundesgebiet: Gruppenvergewaltigungen empören nicht nur immer wieder Nutzer in Sozialen Medien, sondern finden auch tatsächlich immer öfter statt.
2022 verzeichneten Sicherheitsbehörden 789 Vergewaltigungen, so viele wie in keinem Jahr zuvor. In sieben der vergangenen zwölf Jahre war die Zahl der Gruppenvergewaltigungen geringer als 600, in drei der letzten vier Jahre stets oberhalb von 700. In Berlin kommt erschwerend hinzu, dass lediglich 106 Tatverdächtige ermitteln werden konnten, was bei 111 Delikten mit mehr als einem Täter eine Ermittlungsquote von weit weniger als 50 Prozent darstellen dürfte. Der Ausländeranteil in der Hauptstadt lag bei rund 50 Prozent. Bundesweit ist diese Zahl ähnlich; dort stellen Syrer (72), Afghanen (52) und Iraker (51) die größten Tatverdächtigen nach Deutschen (471).
Tatverdächtiger ist Deutscher – braucht aber Dolmetscher
Doch auch diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen. Als im Sommer 2023 zwei junge Männer ein junges Mädchen am Berliner Schlachtensee vergewaltigten, zeigten sich viele auch angesichts der Tatsache fassungslos, dass der 18-jährige Tatverdächtige Islam El-M. vor Gericht als Tatverdächtiger als Deutscher erschien. Während der Hauptverdächtige Mehmet K. dem Opfer den Tampon herauszog, sie vaginal und anal penetrierte und schließlich in sie ejakulierte, so ist in der Anklageschrift zu lesen, hielt El-M. das Opfer an den Armen fest. Vor Gericht stellte sich heraus: Islam El-M. ist zwar Deutscher, braucht aber vor dem Richter einen Dolmetscher. Nach Informationen von NIUS besuchte er noch vor wenigen Jahren eine DaF-Förderklasse. DaF steht für „Deutsch als Fremdsprache“ – und wird für gewöhnlich für geflüchtete Kinder angeboten.

Idylle und Schauplatz eines Martyriums: der Berliner Schlachtensee.
Fälle wie die Gruppenvergewaltigung vom Schlachtensee sind dabei öffentlicher Zündstoff. Kommentatoren wie der holländische Migrationsforscher Ruud Koopmans verweisen dabei auf die Überrepräsentation von nicht-deutschen Straftätern – und einen Zusammenhang mit ihrer Sozialisierung. „Viele Täter kommen aus stark patriarchalen, vorwiegend islamischen Ländern, mit total verfehlten Vorstellungen über Frauen und Sexualbeziehungen. Frauen, die sich nicht bedecken, betrachten sie als Freiwild“, sagte Koopmans der Neuen Zürcher Zeitung. Zudem sehe er in den Gruppenvergewaltigungen keine gewöhnlichen „Triebtaten“, die heimlich begangen würden. „Die Täter haben kein schlechtes Gewissen, ihr Verhalten wird durch die Normen der Gruppe legitimiert.“
Zweieinhalb Stunden Martyrium im Busch
Deutlich wurde das im Oktober 2018 in Freiburg – ein Fall, der heute nahezu in Vergessenheit geraten ist. Damals vergewaltigte eine Gruppe mit bis zu 15 Personen eine 18-Jährige. Als Tatverdächtige festgenommen wurden schließlich sieben Syrer, ein Deutscher. Nach Auswertung der DNA-Spuren nahm die Polizei vier weitere Männer fest – zwei Syrer, einen Algerier und einen Deutschen. Die Gruppenvergewaltigung fand auf einem Clubareal an einem belebten Samstagabend statt. Das Opfer wurde in ein Gebüsch gezerrt und war dem Martyrium über zweieinhalb Stunden ausgesetzt. Mehrere Täter hinterließen ihr Sperma an der 18-Jährigen, wodurch sie schließlich identifiziert werden konnten. Verhaltensmuster wie dieses offenbaren, dass Täter weder Angst davor haben, gestört zu werden – noch Ächtung erwarten zu müssen. Der Haupttäter, Majd H., galt als Intensivtäter, der 2014 nach Deutschland kam; die meisten der Männer wurden in einer Flüchtlingsunterkunft festgenommen.

Prozess gegen ein Dutzend Männer in Freiburg – fast alle von ihnen sind Migranten.
Es ist auch die Häufung von Vergehen wie diesen, die die Menschen hierzulande empört. Ebenso wie Machetendelikte sind Gruppenvergewaltigung ein Phänomen der Migrationsgesellschaft, das in den hiesigen vorherigen Jahrzehnten Seltenheitswert hatte. Auch aus Ermittlungskreisen ist zu hören, dass das Phänomen relativ atypisch und neu sei – und es keine größeren Erfahrungswerte bei dem Erstkontakt mit Opfern und der Ermittlungsarbeit gebe. In den 90er- und Nullerjahren waren Gruppenvergewaltigung Ausnahmefälle, sagt ein Ermittler gegenüber NIUS. Ein anderer verweist auf Gruppendynamiken hinter den Delikten. Gerade im Frühling und Sommer gehen den Taten oft größere Zusammenkünfte von Feiernden voraus. In dieser Gemengelage entwickeln sich Situationen, in denen bei Frauen aus Freiwilligkeit schnell Unfreiwilligkeit wird – und diese dann in schrecklichen Taten wie am Schlachtensee mündet. Doch in einer Sache sind sich auch diese beide Ermittler sich einig: Gruppenvergewaltigung sind ein migrantisches Problem
„Fake News aus der rechten Ecke“ nach Urteilsspruch?
Und noch etwas anderes fällt auf: Das Thema der Gruppenvergewaltigungen wird so gut wie gänzlich der AfD überlassen. Alice Weidel postete mehrfach zu den Sachverhalten – auf deklariert die Taten als scheinbar neue Normalität. Nahezu alle relevanten Anfragen im Zusammenhang mit dem Thema werden von der rechten Partei gestellt, sowohl auf Bundes- wie auf Landesebene. Alle anderen Parteien, mit Ausnahme einzelner Wortmeldungen von der Union, scheinen das Thema ausschweigen zu wollen. „Ist das Desinteresse der anderen (oder das bewusste Ignorieren des Problems?) wieder der Angst geschuldet, dem politischen Gegner in die Hände zu spielen?“, schrieb die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Nina Scholz. „Wie ohne Wissen Lösungen zum Schutz von Mädchen und Frauen und gezielte Präventionsstrategien aussehen sollen, wäre dann die nächste Frage.“
Zudem spielt auch die Rolle der Justiz eine entscheidende Bedeutung. Immer wieder entsteht der Eindruck, dass Gruppenvergewaltigungen nicht hart genug bestraft werden – und Täter ungeschoren davonkommen. In der Beweisaufnahme kommen Gerichte oft zu dem Schluss, dass mildernde Umstände zu berücksichtigen seien: der Alkoholpegel und Drogenkonsum von Opfer und Täter; der scheinbar erweckte Eindruck, Frauen handelten in Einvernehmen mit ihren Peinigern; der Verstärkungseffekt einer jungen Gruppe von Männern.

Die Richterin Anne Meier-Göring verurteilte die Täter einer Hamburger Gruppenvergewaltigung zu Strafen, die viele als sehr milde empfanden.
Dabei entkoppelt sich die Rechtssprechung, die Beteiligte solcher Gruppenvergewaltigung mit milden Urteilen versieht, von dem Rechtsempfinden der Bevölkerung. Deutlich wurde dies beim Urteilsspruch der Gruppenvergewaltigung in Hamburg, als neun Männer eine 15-Jährige in mehreren Touren sexuell missbrauchten, sie dabei beklauten und das Geschehen filmten – und überwiegend Bewährungsstrafen erhielten. Das Unverständnis auf sozialen Medien war groß – und im Anschluss der Aufregung um diesen Urteilsspruch sagte Anne Meier-Göring dem Spiegel im Exklusivinterview: „Wir müssen uns gegen das Gift und die Fake News aus der rechten Ecke lauter zur Wehr setzen. Aber wir müssen auch zeigen, dass wir zuhören und selbstkritisch sind und die Urteile der Justiz den Menschen noch besser erklären.“
Manch einer wünschte sich, das Unverständnis gegenüber vornehmlich zugewanderten Sexualtätern wäre so groß wie das gegenüber Hasskommentaren im Internet.
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Jan A. Karon
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