Wie sich Donald Trump immer öfter mit seinen Verbündeten anlegt
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Mit seiner direkten, zuweilen durchaus ungehobelten Art verprellt Donald Trump auch Menschen, die sicher nicht zu seinen Feinden zählen. Zuletzt traf es Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die aber humorlos zurückkeilte und feststellte, dass ein gutes Verhältnis zu ihm der Popularität eher abträglich ist.
Donald Trump teilt gern aus. Gegen politische Gegner sowieso. Am Sonntag verkündete er auf seiner Onlineplattform Truth Social schon vor Keir Starmers Erklärung am Tag darauf das Aus des britischen Premierministers: „Keir Starmer wird als Premierminister des Vereinigten Königreichs zurücktreten.“ Und nannte auch gleich den Grund dafür: Der Premier habe „bei zwei sehr wichtigen Themen kläglich versagt – Einwanderung und Energie“. Schon vor einiger Zeit hatte er über Starmer gesagt, dieser sei „kein Churchill“, eine für Trumps Verhältnisse eher zurückhaltende Schmähung.
US-Präsident Joe Biden nannte er „Sleepy Joe“, Elizabeth Warren „Pocahontas“ (wegen ihrer indigenen Herkunftsbehauptung) und Ron DeSantis „Ron DeSanctimonious“ (der Scheinheilige). Ob innen- oder außenpolitische Widersacher, alle bekamen ihr Fett weg. In seiner Impulsivität schoss Donald Trump immer mal wieder über das Ziel hinaus und legte sich auch mit politischen Weggefährten an, meist ohne Not. Trump kann überschwänglich loben, solange man ihm bedingungslos folgt, aber auch übelnehmen, wenn ein Verbündeter nicht so will wie er.
Eine „Bromance“ zerbricht
Insbesondere in seiner zweiten Amtszeit stieß er so manchen vor den Kopf. Zum einen ist das Teil seines Politikstils, Themen zu setzen, maximalen Druck aufzubauen, Konzessionen zu erzwingen, und am Ende einen guten „Deal“ abzuschließen. Andererseits kosten öffentliche Demütigungen Vertrauen, und zuweilen vergrault er eigentlich loyale Leute, wie etwa John Bolton oder Mike Pence, für immer. Auch mit dem MAGA-Ideologen Steve Bannon überwarf er sich zwischenzeitlich.
Nach den knapp anderthalb Jahren, die seit seinem zweiten Amtsantritt vergangen sind, hat sich Donald Trump mit Elon Musk, Papst Leo XIV., Benjamin Netanjahu und jetzt auch Giorgia Meloni angelegt.
Elon Musk („Ich liebe Donald Trump so sehr, wie ein heterosexueller Mann einen anderen Mann lieben kann“) war einer der wichtigsten Unterstützer Trumps bei der Wahl 2024: Er spendete über 290 Millionen Dollar, organisierte Wahlkampf-Events, führte nach der Wahl das „Department of Government Efficiency“ (DOGE) und half bei Personalentscheidungen. Trump feierte Musk öffentlich als „genial“ und „wichtigsten Unterstützer“.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Elon Musk und Donald Trump vorm Weißen Haus.
Aber als Musk das „One Big Beautiful Bill“ (ein großes Steuer- und Ausgabengesetz) kritisierte und von der Überlegung sprach, eine eigene „America Party“ für die politische Mitte zu gründen, reagierte Trump wütend und enttäuscht. Musk habe „den Verstand verloren“. Dieser meinte daraufhin trocken, Trump sei „undankbar“, ohne ihn hätte dieser die Präsidentschaftswahlen verloren.
Dem Papst von der Politik abgeraten
Papst Leo XIV. (eigentlich Robert Prevost), der erste US-amerikanische Papst, kritisierte Trumps Politik zu Immigration, KI und vor allem dem Iran-Krieg, sodass Trump auch das Oberhaupt der katholischen Kirche angriff. Leo solle „dankbar sein“, denn: „Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan. Leider ist Leo schwach in Sachen Kriminalität und furchtbar in der Außenpolitik.“ Er solle „aufhören, sich dem radikalen Linken anzudienen, und sich darauf konzentrieren, ein großer Papst zu sein, nicht ein Politiker“.
In der Sache hatte Trump durchaus recht („Ich will keinen Papst, der es für in Ordnung hält, dass der Iran eine Nuklearwaffe hat“), allerdings trug er auch diese Meinungsverschiedenheit in aller Öffentlichkeit – über Social Media und in Interviews – aus, was seinem Vize JD. Vance, der zum Katholizismus konvertierte, unangenehm gewesen sein dürfte.

Trump über Papst Leo XIV.: „Ich mag seinen Bruder Louis viel lieber als ihn.“
Vor wenigen Wochen kam es sogar zu Spannungen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Die beiden galten lange als enge Verbündete. Trump verlegte die US-Botschaft nach Jerusalem, schloss die Abraham Accords und ging sogar gemeinsam mit Israel gegen das iranische Atomprogramm vor. Jetzt aber strebte der US-Präsident ein (vorzeitiges) Kriegsende und ein Abkommen mit dem Mullah-Regime an. Da kam ihm die israelische Offensive gegen die vom Iran gesteuerte libanesische Hisbollah-Miliz sehr ungelegen.
„Du bist verdammt noch mal verrückt“
Hundert Tage nachdem sie gemeinsam in den Krieg gezogen waren, um Irans Atomwaffenprogramm zu stoppen, seine Industrie für ballistische Raketen massiv zu schwächen, seine Unterstützung für die Terrorarmeen Hisbollah und Hamas zu beenden und die Voraussetzungen für den Sturz des Regimes zu schaffen, erreichte die US-israelische Allianz einen Tiefpunkt: In einem Telefonat forderte Trump von „Bibi“ Netanjahu, es solle besser nicht mit einem harten Schlag gegen die Hisbollah-Infrastruktur auf einen iranischen Raketenangriff reagieren.
Das Medienportal Axios berichtete unter Berufung auf US-Beamte, der Präsident habe den Premier in Jerusalem wüst beschimpft: „Du bist verdammt noch mal verrückt. Ohne mich wärst du im Knast. Ich rette dir den Arsch. Jetzt hassen dich alle. Wegen dieser Sache hassen alle Israel.“ Eine zweite Quelle berichtete, Trump sei „stinksauer“ gewesen und habe Netanjahu an einer Stelle angeschrien: „Was zum Teufel machst du da?“

Unterschiedliche Interessen: Netanjahu muss im Libanon handeln, Trump will einen Deal mit dem Iran.
Netanjahu, stets darauf bedacht, sich das Wohlwollen der USA zu sichern, soll auf eine harsche Replik verzichtet haben, obwohl er sonst immer darauf besteht, Entscheidungen, die die Sicherheit seines Landes betreffen, nicht von anderen abhängig zu machen.
„Donald Trumps Äußerungen sind komplett erfunden“
Zuletzt traf es Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni. Sie wird, wie zuvor schon Ungarns inzwischen abgewählter Ministerpräsident Viktor Orbán, in Washington eigentlich als Gegengewicht zu linken EU-Staats- und Regierungschefs und somit als „starke Verbündete“ (Trump) betrachtet. Das änderte sich mit dem Beginn des Iran-Krieges. Rom verweigerte den USA die Nutzung italienischer Luftwaffenstützpunkte für Angriffe auf Iran und begründete das mit italienischer Souveränität und bilateralen Abkommen, die eine parlamentarische Zustimmung erfordern.
Trump sah dies als mangelnde Unterstützung der USA im Kampf gegen Irans Nuklearprogramm. In einem Interview mit der italienischen Zeitung Corriere della Sera meinte Trump, er sei „schockiert“ von Melonis Haltung zum Iran, nannte sie „unakzeptabel“ und warf ihr mangelnden Mut vor.
Jetzt behauptete Trump in einem italienischen TV-Interview, beim G7-Gipfel im französischen Évian-les-Bains habe Giorgia Meloni „immer und immer wieder“ um ein Foto mit ihm gebettelt. In einem Video wies die Ministerpräsidentin das zurück: „Donald Trumps Äußerungen sind komplett erfunden und völlig aus der Luft gegriffen. Ich bin ehrlich gesagt erstaunt. Ich weiß nicht, warum der US-Präsident sich so gegenüber seinen Verbündeten verhält. [...] Weder ich noch Italien betteln jemals.“ Sie warf Trump vor, Verbündete härter zu attackieren als Feinde des Westens.
Streitfall Iran-Krieg
Trump daraufhin: „In Italien steht sie in der Beliebtheitsskala schlecht da, möglicherweise weil sie sich gegen die Vereinigten Staaten gestellt hat [...], als es darum ging, den Iran daran zu hindern, eine Atomwaffe zu erwerben oder zu entwickeln. Jetzt, nachdem die Vereinigten Staaten den Iran militärisch besiegt haben, möchten sie wieder Freundschaft schließen, um ihre ‚Zahlen zu verbessern‘. Nein, danke!!!“
Bei X und Instagram konterte Meloni: „Präsident Trump, diese ständigen, unprovozierten Angriffe sind sinnlos. Was meine Popularität betrifft: Freundschaft mit Ihnen hat ihr sicher nicht geholfen [...] Meine Popularität hängt davon ab, die nationalen Interessen Italiens zu verteidigen – und das habe ich immer getan. In jedem Fall ist meine Popularität nicht Ihr Anliegen. Ich schlage vor, Sie kümmern sich um Ihre eigene.“
Tatsächlich hat sich die Regierung Meloni als für italienische Verhältnisse sehr stabil erwiesen, dort hält sich ein Kabinett im Durchschnitt 13 Monate, und Meloni hat schon jetzt die zweitlängste Amtszeit seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Trump selbst hingegen steht fünf Monate vor den Zwischenwahlen in Umfragen gar nicht gut da.

Bettelte sie um ein Foto mit ihm? Trump und Meloni beim G7-Gipfel.
Verlangen nach unbedingter Loyalität und Bewunderung
So manche Differenzen mögen beigelegt werden, manches angeknackste Verhältnis wieder einrenken. Und gewiss hat der Präsident immer wieder Grund, sich auch über Verbündete zu beschweren. Andererseits: Sein „America First“ ist Netanjahus „Israel zuerst“ und Melonis „Italien zuerst“, sie machen, wie er, in erster Linie Politik für das eigene Land, womit Trump sich offenbar schwertut. Sein ausgeprägtes Ego verlangt nach unbedingter Loyalität und Bewunderung.
Trumps Neigung, vermeintlich illoyale Mitstreiter coram publico verbal anzugehen, auch auf die Gefahr hin, Beziehungen zu belasten, zeigt jedenfalls: Selbst enge ideologische oder persönliche Verbündete sind nicht sicher, wenn sie nicht voll auf Linie bleiben. Das hat Donald Trump schon früher einige ehemalige Unterstützer gekostet – und wird es wohl auch weiter tun. Trumps einfache Sprache und sein Pfeifen auf diplomatische Verrenkungen mögen immer wieder erfrischend sein, aber er selbst hat nicht so viele Verbündete, als dass er es sich leisten könnte, auch noch sie zu verprellen.
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