Das Schweigen der Manager: Warum die Dax-Vorstände nicht gegen die Ampel-Politik aufbegehren
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Die deutsche Wirtschaft befindet sich im freien Fall. Während der Mittelstand gegen die Ampel-Politik aufbegehrt, schweigen die meisten Manager der DAX-Konzerne. NIUS-Kolumnist Markus Brandstetter macht vor allem zwei Gründe aus: Political Correctness und die Sehnsucht nach Subventionen.
Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Beginn der Corona-Pandemie in einer tiefen Krise. Bis auf das ZDF, das hartnäckig Durchhalteparolen verkündet („nicht alles ist schlecht“), weiß das jeder. Die Bürger sowieso, aber auch eine Anzahl von Medien und Forschungsinstituten, die nicht im Verdacht der Radikalität stehen.
Da wäre etwa das Handelsblatt, das erklärt: „Warum die deutsche Wirtschaft tief in der Krise steckt.“ Oder das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, das errechnet hat, dass der deutschen Wirtschaft durch die Dauerkrise 545 Milliarden Euro fehlen, weshalb wir zukünftig Probleme haben werden, „Herausforderungen wie Digitalisierung, Fachkräftemangel oder Klimawandel“ zu bewältigen. Oder der angesehene britische Economist, der Deutschland wirtschaftlich auf dem Weg vom „Anführer zum Nachzügler“ sieht. Nur eine Gruppe weiß nichts von Krisen, Rezession, Kapitalflucht, Investitionsausfällen, Insolvenzen, Entlassungen und Exportrückgang: die Vorstände der Dax-Unternehmen und ihre Vorstandsvorsitzenden. Dabei sollten genau die es am allerbesten wissen.
Ohrenbetäubendes Schweigen der DAX-Vorstände
Die Dax-Vorstände lenken die 40 größten deutschen Unternehmen, die an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Neben Bruttoinlandsprodukt und Inflationsrate ist der Kurs des DAX’ der wichtigste Indikator für den Zustand der deutschen Wirtschaft. Die Chefs der DAX-Unternehmen befinden sich im Zentrum der deutschen Wirtschaft. Durch eine Vielzahl an internen und externen Statistiken, Analysen und Prognosen, die ihnen täglich in Form von Executive-Bulletins präsentiert werden, wissen sie ganz genau, wo ihr Konzern steht und wie es in ihren Märkten zugeht. Aber merkwürdig: Genau die Leute, die seit Jahren im Auge des Taifuns leben, sagen kaum jemals ein Wort zur deutschen Wirtschaftskrise. Oder zum Verfall der deutschen Infrastruktur. Oder zur Misere an den deutschen Schulen. Oder zu Habecks ruinösem Heizungsgesetz. Oder zur Schwäche der deutschen Geschäftsbanken. Oder zu den absurden deutschen Energiepreisen.
Dieses ohrenbetäubende Schweigen der Kapitäne der deutschen Großkonzerne sticht auffällig von der engagierten, leidenschaftlichen, mitunter verzweifelten, aber ständig lauter und deutlicher werdenden Kritik ihrer Kollegen aus dem Mittelstand ab.
Da haben wir zum Beispiel Martin Herrenknecht, einen der bekanntesten deutschen Mittelständler. Der stellt mit seiner Herrenknecht AG im Badischen Schwanau an den Abhängen des Schwarzwaldes Tunnelbohrmaschinen her. Das sind riesengroße Maschinen, die Tunnel und Schächte durch Bergmassive bohren, U-Bahn-Röhren unter Städten graben oder Fundamente für Windkraftanlagen in Felsböden 1000 Meter unter den Meeresspiegel absenken. Der Unternehmer Herrenknecht, der 1975 als Einmann-Ingenieurbüro begann, erwirtschaftet heute mit 5000 Mitarbeitern einen Umsatz von weit über einer Milliarde Euro.

Mittelständler Martin Herrenknecht nimmt kein Blatt vor den Mund.
Herrenknecht ist seit Jahrzehnten auf der ganzen Welt erfolgreich, er weiß, wovon er spricht, und er hat eine klare Meinung zur Politik der Ampel. Die ist nicht schmeichelhaft, trotzdem sagt er laut und deutlich, was er denkt: Zum Beispiel, dass wir unsere Infrastruktur auf Vordermann bringen und die Verteidigung stärken müssen. Oder dass wir mit Bürgergeld, Vierstundenwoche, Lohnerhöhungen um zwölf Prozent und einem Bahnstreik nach dem anderen nirgendwo hinkommen.
„Die Regierungszeit des Kanzlers sind zwei verlorene Jahre“
Ein anderer, der sagt, was er denkt, ist Siegfried Russwurm, der Chef des deutschen Industrieverbands. Der bezeichnet Olaf Scholz’ Regierungszeit als „zwei verlorene Jahre“ und sagt: „Vom Kanzler hören wir zuletzt häufig das Zitat: Die Klage ist das Lied des Kaufmanns.“
Von solcher Kritik sind die DAX-Vorstände meilenweit entfernt. Von denen hört man entweder gar nichts – oder politkorrektes Geflüster. Klar, es gibt Ausnahmen wie den BMW-Chef Oliver Zipse, der das Verbrenner-Aus und die grüne Industriepolitik jüngst scharf kritisierte. Aber meistens schweigen sie vor sich hin und tun so, als würde sie das wirtschaftliche, soziale und politische Umfeld nichts angehen. Als wären ihre Weltkonzerne von Staat und Gesellschaft unabhängig. Als würden sie in luftleeren Reinräumen agieren.
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In Wahrheit ist das nicht so. Unsere byzantinische Bürokratie, die ewig langen Bearbeitungszeiten bei Ämtern und Behörden, deren explizite Industriefeindlichkeit, die miese schulische Ausbildung, die kaputten Straßen, Brücken und Autobahnen, die marode Bahn, die andauernde Diskussion darüber, wie wir für mehr Geld weniger arbeiten können und das Dauergerede von unbedingtem Grundeinkommen und Bürgergeld für alle – all das zerstört den Industriestandort Deutschland jeden Tag ein bisschen mehr. Und diese sozioökonomische Ruinenlandschaft ist auch von den Manufaktur-Ledersitzen eines Mercedes-Maybach trotz der dunklen Scheiben gut zu sehen.
Nieten in Nadelstreifen?
Aber von all dem reden die DAX-Vorstände nie. So, als ginge sie das alles nichts an. Aber warum? Nicht aus mangelndem Wissen. Nicht weil sie, wie ein alter Bestseller des Wirtschaftsjournalisten Günter Ogger einmal nahelegte, Nieten in Nadelstreifen wären. Denn natürlich sind diese Leute weder dumm noch unwissend noch ignorant noch blind für die Realität. In ihren täglichen Bulletins werden Ursachen und Auswirkungen der deutschen Dauerkrise sorgfältig aufgelistet, analysiert und ihre Konsequenzen bewertet.
Nein, der Grund dafür, dass DAX-Vorstände die Politik schon lange nicht mehr kritisieren, liegt einmal am Zwang zur Political Correctness, der heute jede kritische Meinung zum Ökosozialismus in Staat und Regierung bei Strafe öffentlicher Ächtung untersagt. Und er liegt an den Subventionen, die die ihre Unternehmen von der Politik erhalten.
Ja, das ist richtig: DAX-Unternehmen erhalten Subventionen vom Staat. Und zwar massiv. Das ist ein Tabu-Thema, über das niemand gerne redet. Schon gar nicht die Mainstream-Medien, die einen interventionistischen Obrigkeitsstaat, der die Privatwirtschaft eng am Gängelband führt, gerne sehen. Den Schleier gelüftet hat die AfD-Fraktion im Bundestag, die im Jahr 2022 im Rahmen einer Kleinen Anfrage wissen wollte, wieviel Fördergelder die DAX-Konzerne denn vom Staat erhielten. Die offizielle Antwort: 2020 waren es 204 Millionen Euro, 2021 286 Millionen und 2022 343 Millionen Euro.

Robert Habeck im Gespräch mit Imelda Labbe, Vorständin für Vertrieb, Marketing und After Sales bei Volkswagen.
Bund der Steuerzahler spricht von Subventionen in Höhe von einer Milliarde Euro
Für den Bund der Steuerzahler Deutschland ist das Gesamtbild aber weit schlimmer. Der geht davon aus, dass allein die 20 größten DAX-Konzerne bereits 2021 mehr als eine Milliarde Euro an Subventionen aus der Staatskasse erhielten. Die Kritik des Verbandes ist ebenso klar wie überzeugend: „Hier werden Projekte mit Steuergeld gefördert, die gewinnorientierte Unternehmen komplett aus eigenen Mitteln hätten finanzieren können.“
Drei Beispiele machen die Verschwendung von Steuergeldern deutlich:
- Volkswagen erhielt von 2019 bis 2023 staatliche Unterstützung in Höhe von rund 700 Millionen Euro, die hauptsächlich in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen und Batterietechnologien flossen.
- BMW bekam von 2019 bis 2023 500 Millionen Euros Staatshilfe für die Entwicklung von E-Autos und Batterietechnologie, obwohl der Konzern 2023 nur 376.183 E-Autos verkauft hat (von 2.555.341 Kfz total) und bei Batterien mit den Technologieführern (Tesla, CATL, Panasonic, Samsung SDI, BYD) nirgendwo mithalten kann.
- Siemens Energy: Die frühere Energietochter von Siemens, die 2020 vom Stammunternehmen abgespalten und separat an die Börse gebracht wurde, hat 2023 ein Hilfspaket über 15 Milliarden Euro von der Bundesregierung erhalten. Diese exorbitante Summe fließt zwar nicht als Cash-Transfer, sondern besteht aus Bürgschaften für Bankkredite und Avalen für Projektfinanzierungen, aber für den Steuerzahler ist das kein Trost. Denn: Bürgschaften werden von Banken, auch wenn sie nicht in Anspruch genommen werden, immer wie ein Kredit behandelt, weil das Geld jederzeit weg sein kann.
Siemens Energy ist eine Geldvernichtungsmaschine
Und bei Siemens Energy ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Bürgschaften gezogen und der Staat zur Kasse gebeten wird, extrem hoch, denn das Unternehmen ist das Schlusslicht im DAX und entwickelt sich seit 2021 viel schlechter als der Index. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Siemens Energy ist eine Geldvernichtungsmaschine. Von 2020 bis heute hat das Unternehmen kumulierte Verluste von sieben Milliarden Euro eingefahren, der Umsatz stagniert auf dem Niveau von 2017 und die Eigenkapitalquote beträgt lächerliche 17,75 Prozent.
Und für diesen Laden, dessen Windturbinen-Tochter Gamesa technische Probleme ohne Ende hat, muss jetzt der Steuerzahler geradestehen. Möglicherweise, weil sich mit Windturbinen ohnehin kein Geld verdienen lässt. Auf jeden Fall, weil Siemens die Risiken bei der Übernahme der spanische Gamesa nicht ausreichend geprüft hat.
Das sind drei Beispiele für eine quasi-sozialistische Subventionswirtschaft, die Markt und Wettbewerb aushebelt und Unternehmen, die es nicht verdienen, künstlich am Leben erhält oder in Märkte drängt, in die sie freiwillig nicht gegangen wären, weil sie da kein Geld verdienen.
Das deutsche Subventionsunwesen hat aber noch eine andere Auswirkung: Vorstände großer Konzerne trauen sich schon länger nicht mehr, Regierung und Politik zu kritisieren, weil anscheinend auch sie Angst davor haben, den gesellschaftlich erzwungenen rotgrünen Grundkonsens in Frage zu stellen. Das ist ein Grund für die im internationalen Vergleich magere Profitabilität der DAX-Unternehmen, ihre geringe Innovationskraft und ihre niedrigen Börsenwerte.
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Markus Brandstetter
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