Europas Unfähigkeit serviert Trump Grönland auf dem Silbertablett
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Europa ist empört. Schon wieder. US-Präsident Donald Trump denkt laut über Grönland nach – strategisch, militärisch, wirtschaftlich. Und statt sich zu fragen, warum die USA überhaupt auf die Idee kommen könnten, Grönland kaufen zu wollen, verfällt die EU in das altbekannte Ritual aus moralischer Empörung, diplomatischen Floskeln und politischer Selbstvergewisserung. Das Ergebnis: Europas strategische, wirtschaftliche, und militärische Bedeutungslosigkeit wird ein weiteres Mal offenbart und zementiert sich weiter. Grönland wird am Ende dieses Prozesses wie auf einem Silbertablett für Washington bereit liegen.
Die Wahrheit ist unbequem: Europa und damit insbesondere Dänemark haben Grönland politisch und sicherheitspolitisch vernachlässigt. Jahrzehntelang wurde die Insel als entlegene Randnotiz behandelt, als exotischer, weit entfernter Teil des dänischen Königreichs, aber nicht als das, was sie ist: DER geopolitische Schlüsselraum.
Grönland ist reich an seltenen Erden, strategisch gelegen zwischen Nordamerika, Europa und Russland, entscheidend für Raketenabwehr, Handelsrouten und die Arktissicherheit. Und was ist die europäische Vision? Nicht vorhanden. Keine Industriepartnerschaften, keine sicherheitspolitische Strategie, kein Angebot an die grönländische Bevölkerung, das über wohlklingende, aber leere Versprechen hinausgeht.

Die grönländische Stadt Nuuk
Empörung ist kein Ersatz für Strategie
Stattdessen überlässt Europa das Feld anderen. China investiert leise, aber umfangreich im Rahmen ihrer Eis-Seidenstraße. Russland militarisiert offen. Die USA wollen nun handeln, bevor es zu spät ist. Trump denkt in Macht, in Interessen, in Kontrolle von Seewegen, Rohstoffen und strategischer Infrastruktur.
Die EU liebt es, von „regelbasierter Ordnung“ zu sprechen. Doch Regeln schützen nur jene, die bereit und vor allem fähig sind, sie auch durchzusetzen. Nicht nur im arktischen Raum ist Europa dazu schlicht nicht in der Lage. Die US-Administration sieht genau das und zieht die logische Schlussfolgerung: Wenn Europa unfähig oder unwillig ist, Verantwortung zu übernehmen, dann tun es die USA. Nicht aus Bosheit, sondern aus purem Eigeninteresse.
Für die Europäer sollte Trumps Wunsch, Grönland stärker unter amerikanische Kontrolle zu bringen, auch keine Überraschung sein. Bereits in seiner ersten Amtszeit sprach Trump offen und regelmäßig über den strategischen Wert – und wurde dafür in Europa belächelt, verspottet und als realitätsferner Provokateur abgetan. Statt die Botschaft ernst zu nehmen, ihm zuvorzukommen und zu handeln, passierte – wie immer – nichts. Dabei hätte die aktuelle Lage vermieden werden können.

US-Präsident Trump hat die strategische Bedeutung Grönlands erkannt – und handelt dementsprechend. In Europa hat man die Region eher als exotisches Anhängsel Dänemarks betrachtet.
Europa hätte spätestens bei dem erneuten Aufkeimen der Grönland-Debatte eine Art gemeinsames „US – EU Arktis-Komitee“ einrichten müssen, um gemeinsam eine Strategie zu erarbeiten und Zeit zu gewinnen und die Kontrolle zu behalten.
Wie Trump auf leere Drohungen und die lächerliche Entsendung einzelner, weniger Soldaten einiger EU-Mitgliedstaaten reagieren würde, kann für niemanden, der bei klarem Verstand ist, eine Überraschung sein. Nun hat man das genaue Gegenteil erreicht: massiver wirtschaftlicher Druck auf die EU durch Ankündigungen von neuen Zöllen, gepaart mit der Gewissheit, den USA militärisch nichts entgegensetzen zu können, sondern auch noch für die eigene europäische Sicherheit weiter voll auf die USA angewiesen zu sein.
Nur wenige in der CDU, wie zum Beispiel Fraktionschef Jens Spahn, sind in der Lage, die aktuelle Situation realistisch einzuschätzen. Die Forderung einiger Unions-Politiker nach Digitalsteuern auf US-Konzerne und sogar nach Importstopps wird die Lage weiter eskalieren lassen.
Grönland als Spiegel europäischer Schwäche
Die europäische, aber insbesondere die wichtige deutsche Wirtschaft liegt am Boden und steht mit dem Rücken zur Wand. Noch höhere Zölle könnten der letzte Sargnagel werden und zum Zusammenbruch führen. In Anbetracht aller Umstände wird Trump sein Ziel wahrscheinlich am Ende erreichen, aber eben nicht nur aufgrund seiner strategischen Brillanz und seiner unkonventionellen Methoden, sondern vor allem wegen des groben Unvermögens der europäischen Politik-Elite. Europa liefert ihm keinen Grund, es nicht zu tun.
Europa will ein geopolitischer Akteur sein, ohne geopolitisch zu handeln. Es will Macht, ohne Verantwortung zu übernehmen. Es will Sicherheit, ohne dafür zu bezahlen.
Grönland ist dabei nur das sichtbarste Symbol eines viel größeren Problems. Wer strategische Räume ignoriert, verliert sie. Wer Abschreckung delegiert, macht sich abhängig. Und wer glaubt, dass Hyper-Moral allein Interessen ersetzt, wacht irgendwann erschrocken auf. Trump serviert sich Grönland nicht selbst. Europa hat es ihm längst serviert.
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Andreas Hellmann ist Politikexperte und Verfechter der Rechte von Steuerzahlern, bekannt für seine Beiträge bei Americans for Tax Reform (ATR) und der Tholos Foundation. Derzeit ist er Direktor für Öffentlichkeitsarbeit, Steuer- und Regulierungspolitik bei der Tholos Foundation, Washington, D.C.

Andreas Hellmann aus Washington, D.C.
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