Generation Notwehr: Es ist nicht schwer zu verstehen, weshalb die Jugend rechts wählt
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Zahlreiche linke Politiker und sogenannte Medienschaffende rätseln über eine Frage, auf die sie partout keine Antwort zu finden glauben: Warum nur, ja warum, wählen die jungen Menschen in Ostdeutschland die AfD? Weshalb rückt die Jugend zunehmend nach rechts? Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth zeigte sich am Sonntag angesichts der Wahlergebnisse in Brandenburg ratlos: „Ich will das verstehen, kann es (aber) noch nicht. Was geht da in jungen Menschen vor? Lust an der Provokation? Prägung durch die Familien? Neugier auf Autoritarismus? Verdruss an Freiheit und Vielfalt? Das Gefühl, zu kurz zu kommen?“
Ich will das verstehen, kann es (aber) noch nicht. Was geht da in jungen Menschen vor?
— Michael Roth - official 🇪🇺🇺🇦🇮🇱🇬🇪 (@MiRo_SPD) September 22, 2024
Lust an der Provokation?
Prägung durch die Familien?
Neugier auf Auroritarismus?
Verdruss an Freiheit und Vielfalt?
Das Gefühl, zu kurz zu kommen? pic.twitter.com/NGqnkXkP5v
Dabei ist die Antwort nicht sonderlich schwer: Die Jugend wird mit den Folgen der linken Politik direkt konfrontiert – durch die Schulen zieht sich die Frontlinie des Migrationsgeschehens. Junge Menschen in West- und Ostdeutschland erleben die öffentliche Raumnahme durch migrantische Einwandererkids in ihrem unmittelbaren Alltag, verbunden mit einer bedrohlichen Zunahme der Gewalt. Die Sicherheit im Land erodiert, eine ruhige Zukunft rückt in weite Ferne.
Ganz zu schweigen von den Lasten, den diese junge Bevölkerungsgruppe in den kommenden Jahren schultern soll. Sie muss Renten bezahlen für eine älter werdende Bevölkerung, die zu wenig Kinder bekommen hat. Sie muss für die ausufernden Kosten für die Migration aufkommen. Und sie muss steigende Beiträge für die Krankenkasse in Kauf nehmen. Gleichzeitig verflüchtigt sich in der Mietergesellschaft der Traum vom bezahlbaren Eigenheim. An das sozialdemokratische Versprechen der Bundesrepublik – „unseren Kindern soll es einmal besser gehen“ – glaubt niemand mehr. Kurzum: Eine positive Zukunftsvision eines lebenswerten Deutschlands existiert in den Köpfen vieler junger Menschen ganz einfach nicht mehr.

Sehnsucht nach einem lebenswerten Deutschland: Menschen in der Innenstadt Erfurts.
Die Jugend trifft auf eine alternde Rentner-Gesellschaft
Gleichzeitig wachsen Jugendliche in einem Wahlsystem auf, in dem es zunehmend unmöglich ist, wegweisende Korrekturen vorzunehmen. Da wäre zum einen die „taktische Wahl“, die sich in Zeiten der Brandmauer zum geflügelten Wort entwickelt. Verhindert werden muss dabei ein Aufstieg der AfD, der Rest ist zweitrangig, so die Botschaft. Die Austauschbarkeit der Parteien und die Beliebigkeit des derzeitigen politischen Systems wird mittlerweile auch den politischen Eliten bewusst – ohne darin ein größeres Problem zu erkennen. „Unionswähler haben SPD-MP geholfen, möglichst vor die AfD zu kommen“, beschrieb die CDU-Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner das Geschehen in Brandenburg. Klöckner ergänzte: „Parteien der Mitte unterstützen sich je nach Anlass.“

Inhalte rücken in den Hintergrund, es geht in erster Linie darum, die AfD zu verhindern. 75 Prozent der SPD-Wähler in Brandenburg gaben zu: „Ich bin zwar von der Partei nicht überzeugt, aber ich wähle sie, um eine starke AfD zu verhindern.“ Die Frontlinien sind klar abgesteckt. Auf der einen Seite befinden sich diejenigen, die sich dem „Kampf gegen Rechts“ verschrieben haben und auf der anderen Seite diejenigen, die die Masseneinwanderung nach Deutschland möglichst stoppen wollen. An diesen beiden Polen reibt sich die Gesellschaft, parteipolitische Unterschiede, etwa in wirtschaftspolitischer Hinsicht, rücken in den Hintergrund.

Der Kampf gegen Rechts als zivilreligiöses Element.
Der Status Quo als anhaltender Moment
Zudem treffen die jungen Menschen auf eine Rentner-Gesellschaft, die keine wirklichen Veränderungen anstrebt. Während auch der berufstätige Teil der Bevölkerung, vor allem Arbeiter und Selbstständige, sich jenen Wechsel herbeisehnen, wollen die Rentner mehrheitlich am Status Quo festhalten. In Brandenburg wählten 49 Prozent der über 70-Jährigen die SPD, in der Kohorte der Rentner lag die Partei bei 40 Prozent.
Zahlreiche AfD-Politiker stellten am Sonntag die unterschiedlichen Präferenzen der alten und jungen Wählerschichten stolz gegenüber. Die AfD sei die Partei der Zukunft, erklärte etwa der Brandenburger Spitzenkandidat Hans-Christoph Berndt. Dagegen seien SPD und CDU Parteien der Vergangenheit. „Vergesst nicht diesen Zuspruch, den wir in diesem Wahlkampf hatten, diesen Zustrom der Jugend“, rief Berndt seinen Anhängern zu.
Doch zur Wahrheit gehört auch die völlig unterschiedliche Gewichtung der Wählerschichten. Denn der Anteil der Wahlberechtigten über 60 Jahre bei der Bundestagswahl steigt seit Jahren. Rentner bestimmen, wohin sich die Politik entwickelt. 2021 betrug der Anteil bereits 38,8 Prozent – die Tendenz zeigt nach oben. Jene Wählergruppe hält vor allem an den beiden Volksparteien der Bonner Republik fest – der SPD und der CDU. Zwei Parteien also, die nicht nur für den wirtschaftlichen Stillstand, sondern auch die Masseneinwanderung seit 2015 maßgeblich verantwortlich sind. Die Grünen setzten ihrem Werk nur die Krone auf.

Hoher Zuzug seit 2015 auch im Osten
Das Unverständnis über das Wahlverhalten der Jugendlichen wird von linker Seite auch häufig mit dem geringen Ausländeranteil begründet. Ganz so als müssten die Jugendlichen deshalb Zustände wie in westdeutschen Großstädten als erstrebenswert empfinden. Zudem ist der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei den unter 18-Jährigen natürlich mehr als doppelt so hoch wie der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung, der 2023 rund 75, Prozent betrug.
Hinzu kommt: In den ostdeutschen Bundesländern ist der Ausländeranteil zwar vergleichsweise niedrig. Betrachtet man innerhalb der ausländischen Bevölkerung jedoch nur diejenigen, die seit weniger als zwei Jahren in Deutschland leben, fallen die Anteile in den neuen Ländern extrem hoch aus. Auch stammen hier – anders als in westlichen Flächenstaaten – prozentual deutlich mehr Ausländer aus Nicht-EU-Staaten. Im Brandenburger Landkreis Oder-Spree etwa stammen 84,7 Prozent der ausländischen Bevölkerung aus Nicht-EU-Staaten – das ist deutschlandweit Platz 2. Davor liegt mit 84,8 Prozent nur die Stadt Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. Die Verwerfungen im Osten sind seit 2015 mitunter deutlich spürbarer als im Westen.
Fest jedenfalls steht: Solange die Politik die Migrationskrise nicht unter Kontrolle bekommt – und damit ist auf absehbare Zeit nicht zu rechnen – werden sich immer mehr junge Deutsche der politischen Rechten zuwenden.
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