Generationenkonflikt Rente: Die Verteilungskämpfe haben begonnen
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Der Rentenstreit droht die Regierung zu sprengen. Doch verdeckt das politische Schauspiel den Blick aufs Wesentliche. Selbst wenn sich die Junge Union mit ihrer Kritik an den Plänen von Union und SPD durchsetzen wird, ändert dies nichts am grundsätzlichen Problem. Das Umlagesystem der gesetzlichen Rente ist am Ende.
Die Babyboomer-Generation habe zu wenige Kinder bekommen, um das Rentensystem stabil zu halten, konstatierte am Montag der Ökonom Hans-Werner Sinn. Nun mache sie hohe Schulden, „um für sich die Konsequenzen zu vermeiden – während die Jungen die Schulden an der Backe haben“.
Schon jetzt bezuschusst der Bund die Rente mit 122,5 Milliarden Euro im Jahr – Tendenz steigend. Die ausufernden Kosten machen klar: Es läuft auf einen Verteilungskampf hinaus. Die Frage ist nur, wie man ihn führen möchte. Die Jungen begehren auf, die Alten wehren ab. Ist ein Ausgleich noch möglich?

Tatsächlich hat der Staat angesichts von rund einer Billion Euro Steuereinnahmen vor allem ein Ausgabenproblem und nicht ein Einnahmenproblem. Das Geld versickerte in den vergangenen Jahren zu oft an den falschen Stellen, wie das Thema Migration beweist. Noch im März 2016 erklärte der damalige Chef der Unions-Bundestagsfraktion Volker Kauder: „Niemandem wird etwas weggenommen, weil Flüchtlingen geholfen wird. Nirgendwo ist gekürzt worden.“ Nun aber fehlen Milliarden für den Rentenzuschuss, die an anderer Stelle freimütig ausgegeben wurden.
Die flüchtlingsbezogenen Ausgaben des Bundes betrugen von 2016 bis 2024 rund 217,6 Milliarden Euro. Im selben Zeitraum kassierten ausländische Staatsbürger in Deutschland insgesamt 132,6 Milliarden Euro an Bürgergeld bzw. Hartz IV. Zusammen ergeben nur diese zwei Posten 350,2 Milliarden Euro, die in weniger als einem Jahrzehnt direkt oder indirekt für Menschen ohne deutschen Pass aufgewendet wurden – finanziert vom deutschen Steuerzahler. Dazu kommen im Bereich der Migration unzählige Folgekosten, die sich in den Haushalten der Länder widerspiegeln und der Asylindustrie ein üppiges Einkommen garantieren.

Die Bevölkerung glaubt auf lange Sicht nicht mehr an die Rente
Doch selbst wenn man die Migrationskosten radikal senken würde, zusätzlich sinnbefreite Ausgaben etwa im Bereich der Entwicklungshilfe streicht, den NGO-Sumpf trocken legt und die Milliarden-Subventionen für eine gescheiterte Energiewende einstellt, könnte das staatliche Rentensystem in seinem jetzigen Zustand trotzdem nur vorübergehend gerettet werden. Rund 83 Prozent der Bevölkerung glauben ohnehin nicht mehr, dass das Rentensystem auf lange Sicht noch zuverlässig funktioniert.
„Die Babyboomer-Generation hat angefangen, zu wenig Beitragszahler in die Welt zu setzen. Und damit sind wir der Verursacher des Problems, das wir selbst darstellen“, gab auch der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen am Montag in der Welt zu bedenken. Im Jahr 1900 lag die Zahl der Einwohner im Deutschen Reich bei 56 Millionen, es kamen etwa zwei Millionen Kinder zur Welt. 2024 lebten rund 84 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, jedoch wurden nur 677.117 Kinder geboren. Die Konsequenz aus dieser Entwicklung: Kamen in den 1960er Jahren auf einen Rentner sechs Beitragszahler, nähert man sich in den kommenden Jahrzehnten dem Verhältnis 1:1 an.

Die Sozialdemokratisierung der Bundesrepublik
Frühzeitig haben zahlreiche Kritiker – und ja: auch viele Angehörige der Boomer-Generation – auf diese Problematik aufmerksam gemacht. Sie drangen jedoch nicht durch, denn die Masse gewöhnte sich an den omnipräsenten Fürsorgestaat, der sich am Ende des Lebens stets erkenntlich zeigt. „Ein zentrales Merkmal der Deutschen ist ihr fundamentaler Sozialdemokratismus, der sich über das gesamte politische Spektrum erstreckt“, bilanzierte einst der Historiker Rolf Peter Sieferle.
Durch die Verstaatlichung aller möglichen Lebensbereiche wurde dem Bürger allmählich die Phantasie ausgetrieben, sich nicht ausschließlich auf den Staat zu verlassen. Auch in der Rentenfrage herrscht bei vielen Menschen der Glaube vor, dass sich am Ende ihres Lebens ausschließlich der Staat für ihre Lebensleistung erkenntlich zeigen muss.
Und so folgten die Deutschen blindlings Politikern wie Norbert Blüm (CDU), dessen Ausspruch „Die Rente ist sicher“ für mindestens so viel Unheil in der Bundesrepublik sorgte, wie die Grenzöffnung Angela Merkels. Die ständigen Debatten über die Rente mündeten 1989, 1992 und 2001 in mehreren Reförmchen, die aber nur Anpassungen brachten, ohne den Kern zu verändern.

Der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) plakatiert 1986 den Spruch: „... denn eins ist sicher: Die Rente“.
Wie könnten langfristige Lösungen aussehen?
Aus der Blümschen Propaganda erklärt sich auch die Hartnäckigkeit, mit der viele Boomer tatsächliche Reformen am Rentensystem bis heute verhindern. Sie hätten jahrzehntelang eingezahlt, so die Erzählung, und nun stünde ihnen auch eine entsprechende Rente zu. Ein erster Schritt zur Wahrheit wäre jedoch die Erkenntnis, dass sie von Politikern wie Blüm in die Irre geleitet wurden.
In einem Umlageverfahren wird nichts angespart. Das Geld, das heute eingezahlt wird, wird morgen für Rentenzahlungen verwendet. Beitragszahler finanzieren die Renten der Älteren, so war es schon immer. Wenn es aber immer mehr Ältere gibt, die immer länger leben und immer weniger Jüngere, die dieses System tragen können, hat das mit Generationengerechtigkeit nichts mehr zu tun. Wer als jüngerer Mensch darauf hinweist, trifft oft auf wütende Abwehr, kaum jedoch auf Einsicht. Zumal die Wirkmacht der Jüngeren an der Wahlurne stetig absinkt. In unserer Gerontokratie machen die über 60-Jährigen rund 42,6 Prozent der Wahlbevölkerung aus – Tendenz steigend.
Ohne eine Senkung des allgemeinen Rentenniveaus, eine Anhebung der Altersgrenzen und eine Eingliederung der Beamten in die Rente bricht das staatliche System jedoch früher oder später zusammen. Wer nach langfristigen Lösungen sucht, kommt an einer kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht vorbei.
Die Aktionärsquote steigt – zum Glück
Seit Jahren steht die Aktienrente bzw. ein Staatsfonds zur Debatte, wird jedoch durch die linke Erzählung, hierbei handele es sich um „bloße Spekulation“, zu Unrecht verteufelt. Norwegen, Singapur, Saudi-Arabien, Kuwait oder China – sie alle nutzen sogenannte Sovereign Wealth Funds (SWFs). Diese Fonds legen Kapital am Finanzmarkt an, unter anderem auch in Exchange Traded Funds (ETFs).
Ein Rechenbeispiel für einen solchen globalen Aktienindex, den MSCI World, zeigt, dass langfristiges Investieren sich immer lohnt: Hätte die Bundesregierung am 1. Januar 2011 rund 40 Milliarden Euro Startkapital zur Verfügung gestellt und anschließend monatlich zwei Milliarden Euro in den ETF-Sparplan gesteckt, hätte man zum 31. Oktober 2025 insgesamt 390,4 Milliarden Euro ausgegeben, aber ein Vermögen von 1,175 Billionen Euro aufgebaut – eine Wertsteigerung von 770,9 Milliarden Euro innerhalb von 14 Jahren.
Doch der Illusion eines Staatsfonds darf man sich in Deutschland wohl kaum hingeben. Wie es um das Verständnis der Weltmärkte unter deutschen Politikern bestellt ist, schilderte Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz noch 2019 auf traurig-eindrucksvolle Weise: „Ich lege mein Geld nur auf einem Sparbuch, also sogar auf dem Girokonto an, und da kriege ich, wie bei allen anderen, keine Zinsen.“
Also müssen die jungen Leute sich um sich selbst kümmern. Und sie tun es bereits. Die Aktionärsquote ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Immer mehr Jugendliche beschäftigen sich mit dem Thema Bitcoin. Und am Ende bleibt es bei einer alten Erkenntnis: Schutz im Alter bietet nur eine Familie, und nicht das „kälteste aller kalten Ungeheuer“ (Friedrich Nietzsche), nämlich der Staat.
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