Kameras am Hamburger Bahnhof. Trojanische Pferde aus dem Reich der Mitte: Warum wir uns vor chinesischer Technologie fürchten sollten
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- In Hamburg installiert die Polizei am Hauptbahnhof Überwachungskameras von Hikvision.
- Chinesische Technologie kommt in Deutschland vermehrt zum Einsatz: in Autos von BYD, in DJI-Drohnen der Polizei, in 5G-Mobilfunknetzen.
- Das ist brandgefährlich, weil es China die Möglichkeit verschafft, Daten abzuschöpfen, Spionage zu betreiben und die kritische Infrastruktur zu sabotieren.
Im Hafen von Han Bao, wie Hamburg auf Chinesisch heißt, ist der chinesische Staatskonzern Cosco schon letztes Jahr eingestiegen – er erwarb 24,9 Prozent an einem Containerterminal. Nur eine weitere Abhängigkeit, in die sich dieses Land begibt. Jetzt bringt die Polizei der Hansestadt zusätzlich zu den 200 bereits laufenden Videokameras am und im Hauptbahnhof 19 starr ausgerichtete und acht schwenk- und zoombare Kameras von Hikvision an, dem weltweit größten Hersteller solcher Geräte. Der chinesische Staat ist mit 51 Prozent an dem Unternehmen beteiligt, dessen Kameras zur Unterdrückung der uigurischen Minderheit und im Rahmen des Social-Credit-Systems eingesetzt werden, das Wohlverhalten im öffentlichen Raum honoriert und abweichendes Verhalten bestraft.
Die mehr als 700 Millionen in China installierten Kameras, die Full-HD aufzeichnen können und 360 Grad-Aufnahmen ermöglichen, sind oftmals mit Gesichtserkennungstechnologie ausgerüstet und können so die Bewegungen der Menschen im öffentlichen, aber auch privaten Raum verfolgen. Manche Kameras zeichnen zudem Ton auf und können dann Personen über Stimmerkennungssoftware identifizieren.
Auf Anfrage teilte die Hamburger Polizei NIUS mit, dass man sich „wegen der besonderen Systemkompatibilität mit den bereits verwendeten Videosystemen“ für Hikvision-Geräte entschieden habe. Und sie versicherte: „Ein Datenabfluss wird schon allein dadurch verhindert, dass das polizeiliche Videonetz komplett isoliert und abgesichert ist. Eine Verbindung zu anderen Netzwerken oder dem Internet besteht ausdrücklich nicht.“

Vorsicht, chinesische Kamera! Hinweistafel am Hamburger Hauptbahnhof.
In Deutschland sind etwa 60.000 Kameras von Hikvision im Einsatz
Australien hat chinesische Überwachungskameras aus allen Sicherheitsbehörden verbannt, Großbritannien Sicherheitskameras von Hikvision aus Regierungsgebäuden entfernt. Die USA setzten prominente chinesische Marken zum Schutz der nationalen Sicherheit auf eine Blacklist und verboten Einfuhr und Verkauf von Hikvision und Dahua-Geräten komplett.
In europäischen Ländern werden chinesische Unternehmen wie Huawei zunehmend als Sicherheitsbedrohung angesehen. Deutschland gehört nicht dazu. Medienberichten zufolge sind hierzulande derzeit etwa 60.000 Kameras von Hikvision-Geräten im Einsatz, etwa im Nahverkehr oder bei der Polizei in Berlin, Hamburg und Hessen. Sogar in den Bundesministerien und ihren nachgeordneten Behörden werden Überwachungskameras der Hersteller Hikvision und Dahua eingesetzt, wenn auch in geringer Stückzahl.
Auch in der kritischen Infrastruktur finden sie Verwendung, zum Beispiel an Flughäfen oder Bahnhöfen. Kritiker warnen davor, dass Hintertüren in Systeme chinesischer Technologie eingebaut sein könnten, durch die Peking unerkannt sensible Daten abschöpfen oder Manipulationen vornehmen könnte. Für chinesische Unternehmen besteht eine Verpflichtung, mit den dortigen Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten und auch im Ausland gewonnene Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen. Huawei, der Telekommunikations-Konzern aus Shenzhen, ist globaler Marktführer bei der Netzwerktechnik, stattet weltweit 45 der 50 führenden Telefonanbieter aus. Wer Smartphones von Huawei benutzt, kann sich nicht sicher sein, wo seine Daten landen – wenn nicht in China, dann vielleicht in Cloud-Speichern in Europa oder den USA. Außerdem wird befürchtet, China könne über die 5G‑Technik von Huawei Spionage betreiben.
Polizei-Drohnen aus dem Reich der Mitte
Wie lange wir von chinesischen Tech-Totalitarismus, der Chinas Bürger komplett kontrolliert und ihre Einkaufsdaten ebenso sammelt wie ihre Bestellungen von Zugtickets, verschont bleiben, ist die Frage, wenn wir uns zunehmend vom kommunistischen Regime in Peking abhängig machen und chinesische Technologie nutzen. Wer mit Euro-Zeichen in den Augen eine Hikvision-Kamera kauft, weil sie zehnmal billiger als Geräte anderer Hersteller ist, lädt zur Datenabschöpfung geradezu ein.
Das chinesische Unternehmen DJI ist mit Abstand der größte Hersteller ziviler Drohnen weltweit und kommt auf einen Weltmarktanteil von mehr als 50 Prozent. Auch deutsche Behörden haben sich Drohnen von DJI angeschafft. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind allein beim Technischen Hilfswerk (THW) 90 Drohnen des Herstellers in Betrieb, weitere 49 seien „in der Beschaffung“. Auch die bayerische Polizei nutzt die Drohnen von DJI. Könnte durch die Updates von DJI die Einsatzfähigkeit beeinträchtigt werden? Nein, sagt das Faeser-Ministerium, nach der Erstinbetriebnahme werde die Datenweitergabe blockiert, notwendige Updates führe das THW selbst und ausschließlich offline durch.

Kommt ‘ne Drohne geflogen... DJI Matrice 300 RTK der sächsischen Polizei über dem Leipziger Stadion.
Wenn das Auto neugierig wird
Auch Elektro-Autos aus China boomen. In Deutschland hat BYD Auto 2023 zwar nur gut 4000 Fahrzeuge verkauft, aber der Automobilhersteller aus Shenzhen in der Provinz Guangdong hat ein Werk in Ungarn errichtet, wo 150.000 pro Jahr gefertigt werden können. Die Kapazität kann sogar auf 300.000 Autos verdoppelt werden, und BYD ist ambitioniert, schon 2026 will man in Deutschland rund 125.000 Autos verkaufen und etwa fünf bis zehn Prozent Marktanteil haben. Das Problem für den Kunden steckt im Innenleben des Fahrzeugs: Sensoren, Kameras und Mikrofone eignen sich perfekt zur Überwachung der Insassen. Selbst im Kleinwagen Funky Cat steckt serienmäßig eine hochauflösende Innenraum-Kamera, inklusive Gesichtserkennung. Wenn das Auto neugierig ist, kann es aufzeichnen, wohin es fährt und was der Fahrer mit dem Beifahrer zu bereden hat. Richtig gefährlich wird's für Firmen, die BYD-Autos als Dienstfahrzeuge nutzen, da schlägt das Herz eines chinesischen Industriespions gleich höher. Sein Mobiltelefon mit dem Bordcomputer zu koppeln, um die eigene Playlist abzuspielen, kann da zum unkalkulierbaren Risiko werden.

Hört Peking mit? BYD-Autos sind reich mit Kameras und Mikrofonen bestückt.
Apropos Mobilfunk: Die drei deutschen Handynetzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und O2 haben unter anderem Huawei-Komponenten verbaut. Aus Sorge vor Manipulationen hat die Bundesregierung ein Verbot von Bauteilen der Hersteller Huawei und ZTE in deutschen 5G-Mobilfunknetzen angekündigt. „Im Kernnetz dürfen die kritischen Komponenten spätestens Ende 2026 nicht mehr eingesetzt werden“, sagte Nancy Faeser. Auf die Frage, ob chinesische Hightechkomponenten generell aus Netzwerken der kritischen Infrastruktur verbannt werden sollten, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz, von dem man ohnehin keine Antwort erwarten darf, dies könne „nicht abstrakt und generell beantwortet werden.“
Es gibt also viele Gründe, chinesische Hard- und Software mit Vorsicht zu genießen, von der Aushöhlung der Privatsphäre über die Abhängigkeit vom Land des Lächelns bis zur Sorge vor Cyberspionage oder Sabotage von Stromkraftwerken, Krankenhäusern, Mobilfunknetzen und Banken. Die „gelbe Gefahr“, sie ist real.
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