NIUS vor Ort: Ein Land schwört Rache
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Es sind Bilder wie man sie aus Dystopien kennt: ausgebrannte Autos, Überreste von Raketen, abgesperrte Straßen. In Sderot in Süd-Israel, keine 20 Kilometer vom Gazastreifen entfernt, zeigen die Straßen, welche Schneise der Verwüstung von der Terrororganisation in Israel hinterlassen worden ist.
Im Stadtzentrum Sderots: eine Polizeistation, die nur noch erahnen lässt, was hier mal stand. 11 Terroristen der Hamas hatten sich hier verschanzt und sich Feuergefechte mit der Polizei geliefert. Danyel, ein marokkanisch-stämmiger Israeli, sagt gegenüber NIUS, er habe so etwas noch nie erlebt – obwohl er für die IDF unter anderem im Libanonkrieg 1982 gekämpft hat. „Es war ein Massaker“, sagt der Mann erschüttert. „Wer kommt auf die Idee, 250 junge Festivalgänger abzuschlachten?“

Die Raketen der Hamas zerstörten dieses Gebäude.
In der Tat ist die Gewalt, die Israel aktuell erlebt, beispiellos: Mehr als 700 Personen sind tot, Hunderte werden vermisst, nahezu jeder im Land kennt über Ecken Personen, die von dem Terror-Überfall der Hamas betroffen sind.
Einer dieser Fälle: Afik Rozental, ein 20-jähriger Soldat der IDF-Spezialeinheit, der am 6. Oktober in Kfar Menachem von Hamas ermordet wurde. Zur Beerdigung auf dem Friedhof der kleinen Gemeinde kommen Hunderte, viele von ihnen weinen während der Bestattung. Die Mutter verliert einmal kurz das Bewusstsein, die Schwester spricht darüber, dass Afik Rozental sein ganzes Leben lang Soldat sein und dienen wollte. In tiefer Trauer ist man vereint, das Land entschlossen, dem Terror entgegenzuschlagen.
Andernorts wird deutlich, welche Veränderung der Krieg mit sich bringt – auch im Straßenbild. Am Sonntag und Montag sind selbst die sonst belebtesten Straßen Tel Avivs und Jerusalems wie leergefegt. Restaurants und Cafés haben geschlossen, manche Schaufenster sind verbarrikadiert. Das Heimatfrontkommando riet den Bürgern an, Trockenvorräte und Konserven für 72 Stunden gelagert zu haben. „Notfallsituationen können jederzeit auftreten“, sagte Oberstleutnant Zvika Tester.

Ein ausgebrannter Wagen am Straßenrand.
Besonders dramatisch: Hamas hält dutzende Menschen in Geiselhaft. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber vermutlich sind es hunderte. Am Montagabend die Drohung: „Wir kündigen an, dass der Angriff auf unsere Leuten mit der Hinrichtung von Geiseln bestraft wird“.
Wie man mit diesen Geiseln umgeht, scheint in der Tat eine der größten Fragen zu sein, die Israels Bevölkerung gerade umtreiben. Am Sonntag versammelten sich IDF-Einheiten rund um die Stadt Sderot. Auf dem ganzen Weg dorthin: Freiwillige, die israelische Soldaten mit Lebensmitteln und Getränken versorgen. Sie sind auf der ganzen Zufahrtsstraße nach Sderot zu sehen.

Helfer am Straßenrand mit israelischer Flagge verteilen Wasser, Cola und Lebensmittel.
In den nächsten Stunden wird damit gerechnet, dass eine israelische Offensive gegen Hamas beginnen könnte. Premierminister Benjamin Netanjahu stimmte die Bevölkerung in einer TV-Ansprache darauf ein. „Jedes Hamas-Lager wird zu Ruinen werden.“
Bis dahin vereint sich das Land hinter der Gewissheit, von seinen Feinden abgeschlachtet zu werden, wenn diese nur die Chance dazu erhalten. Vielleicht ist das entschiedenste Zeichen in den Zeiten des Terrors: Eine Bevölkerung ist gewillt, sich zu wehren. Und Israels Flagge weht – ob an der Polizeistation, vor Sderot oder bei Afik Rozentals Beerdigung.
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Jan A. Karon
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