pEking ist E-King: So dominiert China den E-Auto-Markt auf der ganzen Welt
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China rollt die Weltmärkte auf. Nicht mehr mit Billigware, sondern mit Highend-Produkten wie dem E-Auto. Dem deutschen Bundeskanzler Scholz verbleibt auf seiner Reise nur noch die Rolle als verzweifelter Bittsteller. Doch auch die Chinesen haben Probleme ...
Der bekannteste (und einzige) Gorilla-Witz auf der Welt geht so: Wo sitzt ein 400-Kilo-Gorilla? Antwort: Wo er will.
In der Weltwirtschaft ist dieser 400-Kilo-Gorilla die Volksrepublik China. Da, wo die Chinesen sich hinsetzen, rücken die anderen zur Seite. Da, wo die Chinesen hintreten, wächst kein Gras mehr. Exportmärkte, die die chinesischen Unternehmen aufrollen, machen sie binnen weniger Jahre platt.
So war das zum Beispiel bei den Solarzellen. Noch vor 13 Jahren arbeiteten hierzulande 380.000 Menschen in der mit Steuermilliarden geförderten Solarbranche. Deutschland war bei der Produktion von Solarzellen und Photovoltaikanlagen mit einer Handvoll großer Unternehmen (Solon, Solarworld, Conergy, Q-Cells) und einem Kranz kleinerer Hightech-Zulieferer sehr gut aufgestellt. Bis die Chinesen mit ihrer Billigware kamen.
Danach fielen die deutschen Hersteller um wie die Dominosteine und gingen reihenweise in die Insolvenz. Dafür dominieren heute chinesische Unternehmen die weltweite Solarzellenproduktion mit Marktanteilen von 80 Prozent und mehr in allen Bereichen der Wertschöpfungskette: von der Polysiliziumproduktion über die Waferproduktion bis zur Modulfertigung. Wer heute eine Photovoltaikanlage auf sein Reihenhaus schraubt, um die Klima-Katastrophe abzuwenden, der kann davon ausgehen, dass die Solarzellen auf dem Dach und der Akku im Keller aus China kommen.

Globale Dominanz: Der chinesische Marktanteil bei der Solarzellenproduktion liegt bei 80 Prozent.
China ist der größte E-Auto-Markt der Welt
Das, was bei den Solarzellen bereits Geschichte ist, wird bei Elektroautos die Zukunft sein. Die chinesische E-Auto-Industrie dominiert schon heute den weltweiten Markt für die Stromer: 60 Prozent aller 2022 verkauften Elektroautos weltweit kamen aus chinesischer Produktion. 2023 wurden in China zehn Millionen E-Autos, in der EU 3,3 Millionen und in den USA 1,4 Millionen verkauft. China ist also der größte E-Auto-Markt der Welt, und die meisten der dort verkauften Einheiten werden auch in China hergestellt.
Die chinesischen E-Auto-Produzenten, von denen es an die hundert gibt, verfügen über einen riesigen Inlandsmarkt, der ihnen erlaubt, über Fixkostendegression via Skaleneffekte (economies of scale) unschlagbar niedrige Produktionskosten zu erzielen.
Ihr gigantischer Binnenmarkt ist aber nicht der alleinige Grund für den Erfolg chinesischer Unternehmen in grünen Schlüsseltechnologien. Hinter den Unternehmen steht nämlich ein starker Staat, der alles dafür tut, dass die chinesische Industrie ihre Konkurrenten auf den Weltmärkten im Staub zurücklässt. „Mehr als 99 Prozent der börsennotierten Unternehmen [Chinas] erhielten 2022 direkte staatliche Subventionen“, stellt das Kiel Institut für Weltwirtschaft (ifw) in einer aktuellen Studie („Chinas massive Subventionen für grüne Technologien“) fest.
Nach Berechnungen der Kieler Forscher erhielt der Primus unter den chinesischen E-Auto-Produzenten, die Firma BYD (Bǐyàdí Qìchē), im Jahr 2022 in Summe 2,1 Milliarden Euro an Subventionen. Das ist eine nette Schätzung, die wahre Zahl ist aber deutlich höher, denn die Kieler haben günstige Kredite chinesischer Staatsbanken und den Zugang zu Baugrundstücken, Rohstoffen und Energie weit unter Weltmarktpreisen vergessen.
Aber ganz egal, wie die wahren Zahlen aussehen, eines ist klar: BYD wird in Zukunft auf den Automärkten der Welt, ganz vorne mitspielen. Auch in Deutschland. Und das ist eine riesengroße Gefahr für diese deutscheste aller Industrien, die die günstige Elektro-Massenmobilität weitgehend verschlafen hat.
Kanzler Scholz und die verzweifelten Worte eines Bittstellers
Die Gefahr, die von chinesischen Unternehmen wie BYD, Tongwei Solar (weltgrößter Hersteller von Sonnenkollektoren) oder CATL (weltgrößter Hersteller von E-Auto-Akkus) für die deutsche Industrie ausgeht, hat sich sogar bis zu Kanzler Scholz herumgesprochen. Deshalb ist der dieser Tage nach China gereist, um der chinesischen Führung, umrahmt vom üblichen Gipfelgesprächs-Blablabla (Kooperation, Zusammenarbeit, bilaterale Beziehungen, internationale Ordnung, Klimawandel etc.), die Ängste der deutschen Industrie vor der chinesischen Konkurrenz mitzuteilen.
So hat Scholz, wie von der ARD brav mitgeschrieben, einen „fairen Wettbewerb“ angemahnt und vor „Preisdumping“, „Überproduktion“ und der „Beeinträchtigung von Urheberrechten“ gewarnt, wobei er mit letzterem vermutlich Markenrechte und Patente gemeint hat. Das sind die verzweifelten Worte eines Bittstellers, der glaubt, auf der Bühne der großen Politik mitreden zu können, während die, die wirklich was zu sagen haben, ihn ignorieren. Entsprechend nichtig war das Ergebnis von Scholz’ Reise, was sogar die ARD gemerkt hat: „Kleine Schritte statt großer Wurf.“

Zu Besuch im Reich der Mitte: Generalsekretär Xi Jinping empfängt Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)
Ganz klar: Die Chinesen werden den Teufel tun, sich an die watteweichen Worte des Kanzlers zu halten. Denn denen steht das Wasser bis zum Hals.
Auch China hat enorme Probleme
Die Volksrepublik befindet sich inmitten des größten Umbruchs ihrer Wirtschaft seit dem Beginn der Wirtschaftsreformen unter Deng Xiaoping in den 1990er-Jahren. Der einst unaufhaltsam wirkende Aufstieg der chinesischen Wirtschaft ist ins Stottern gekommen. Das Land hat vier enorme und kaum lösbare Probleme – Probleme, die die Volkswirtschaften anderer großer Industrieländer jahrzehntelang in Mitleidenschaft ziehen werden. Da China Deutschlands wichtigster Handelspartner ist und wir viel mehr aus China importieren, als wir dahin exportieren (2023: Exporte 97,3 Mrd. Euro, Importe 155,7 Mrd. Euro), wird Deutschland von der Schwäche der chinesischen Wirtschaft besonders stark betroffen sein.
Die vier Probleme Chinas sind:
1. Eine schrumpfende Bevölkerung: Aufgrund der fehlgeleiteten Ein-Kind-Politik (1979 bis 2015) wird China bis 2050 rund 20 Prozent seiner Erwerbsbevölkerung und entsprechend Wachstum, Wertschöpfung und Wohlstand verlieren.
2. Die Bauindustrie fällt zukünftig als Haupttreiber des Wachstums aus: Von 1995 bis 2020 machte der Bausektor jedes Jahr ein Viertel des chinesischen Inlandsprodukts aus. Drohte die Wirtschaft in einem Jahr einmal weniger als sechs Prozent (das immerwährende Ziel der chinesischen Staatsplaner) zu wachsen, dann wurde einfach die Bauindustrie mit Milliardensubventionen und Krediten ohne Ende angekurbelt. Aber inzwischen sind all die Autobahnen, Eisenbahnlinien, Flughäfen, Hochgeschwindigkeitszüge, Brücken und Staudämme, die auch ein so großes Land nur irgend brauchen kann, gebaut, aus den Krediten ist eine riesige Blase geworden, und die hundert größten privaten Wohnungsbaugesellschaften sind entweder angeschlagen oder gleich insolvent.
3. Chinas Hauptabnehmer werden zunehmend protektionistisch: China hat wie kein anderes Land vom internationalen Freihandel und seiner Aufnahme in die Welthandelsorganisation im Jahr 2000 profitiert, als es dem Rest der Welt, von Zollschranken kaum behindert, als verlängerte Werkbank diente und USA und EU mit einer Flut von Produkten überschwemmte. Seit Donald Trump 2018 Zölle auf chinesische Waschmaschinen und Solarplatten erhob, kommt dieses exportorientierte Wachstumsmodell zunehmend unter Beschuss.
4. Die Konsumschwäche der chinesischen Verbraucher: Die Chinesen konsumieren viel zu wenig. Während in den USA der private Konsum 68 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt und bei uns immerhin noch 50 Prozent ausmacht, liegt er in China lediglich bei 37 Prozent – und fällt somit als Wachstumsmotor aus.

Ein Mercedes-Händler präsentiert chinesische BYD E-Autos
Ein demokratisches Land mit einer Marktwirtschaft würde in so einer Lage alles daran setzten, den privaten Konsum zu erhöhen, um dem Wachstum auf die Sprünge zu helfen. Aber China ist keine Demokratie, sondern eine sozialistische Diktatur. Und in einer Diktatur sind frei wählende, unabhängige und selbstbestimmte Verbraucher-Bürger nicht erwünscht, weil die auf die Idee kommen könnten, nicht nur Autos, Handys und Louis-Vuitton-Taschen frei zu wählen, sondern auch Politiker, Parteien und deren Programme.
Die Zeit für Billigkram ist vorbei, China setzt auf Hightech-Endprodukte
Deshalb ist China unter Xi Jinping 2023 auf die Idee mit den „neuen Produktivkräften“ gekommen. Diese neuen Kräfte sind modernste produzierende Industrien (grüne Technologien, E-Autos, Elektronik, Halbleiter, Chips), in denen hochproduktive Jobs entstehen, die China unabhängig von Importen (aus den USA, Deutschland, Japan, Korea) machen und das Land vor Protektionismus und Handelskriegen schützen. Der britische Economist schätzt, dass China allein in diesem Jahr das Äquivalent von 43 Prozent der gesamten amerikanischen Investitionen des Jahres 2023 in die neuen Produktivkräfte investiert, mit dem klaren Ziel, in ausgewählten Sektoren Weltmarktführer zu werden. Die Produktionskapazitäten führender chinesischer Industrien könnten, vom Staat massiv gefördert, bis 2030 um 75 Prozent wachsen.
Aber wer wird den gigantischen Ausstoß dieser neuen Fabriken kaufen? Nicht der chinesische Verbraucher, das ist klar. Nein, die westlichen Industrienationen werden die Abnehmer sein, Amerika natürlich, aber allen voran die protektionslosen EU-Länder und hier ganz speziell Deutschland.
Nachdem die Chinesen 25 Jahre lang Autos, Chemikalien und Maschinen von uns gekauft haben, wollen sie nun den Spieß umdrehen und nicht mehr Billigkram, Vor- und Zwischenprodukte nach Deutschland exportieren – sondern Hightech-Endprodukte. Je größer, teurer und fortschrittlicher, desto besser.
Und in so einer Situation fährt der Kanzler mit einer Anzahl von Wirtschaftskapitänen und Sekundär-Ministern im Schlepptau nach China und bettelt um ein „level playing field“ (gleiche Wettbewerbsbedingungen). Das wird es nicht geben. China kann, will und wird den Rest der Welt mit seinen Produkten fluten, weil die Stabilität von Wirtschaft und Gesellschaft und damit die Legitimität von Partei und Führung daran hängen.
China wird noch viele Jahre lang der Gorilla bleiben, der sitzt, wo er will.
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