Tag der offenen Moschee am 3. Oktober: Ein verheerendes Signal für Deutschland
Ein Beitrag von
Ein Gastbeitrag von Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann.
Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, der sich am 3. Oktober in Deutschland abspielt: Am Nationalfeiertag wird nicht nur der Tag der deutschen Einheit gefeiert. Seit etlichen Jahren veranstalten einige muslimische Verbände an diesem Datum den „Tag der offenen Moschee“.
Nach außen hin: eine vermeintliche Demonstration von Religionsfreiheit und Offenheit vieler muslimischer Glaubensstätten. Befürworter und Moscheeverbände argumentieren, dass durch einen solchen „Tag der offenen Moschee“ mehr Begegnung geschaffen und Raum für Gespräche eröffnet würde, für die sonst der Anlass fehlt.
Lesen Sie auch: Kommentar zum Tag der Deutschen Einheit: Dieses Land ist Schwarz-Rot-Gold und nicht Grün
Dabei ist der Vorgang auch deshalb bemerkenswert, weil es hunderte, wenn nicht gar tausende Moscheen gibt, in denen Muslime meist unter sich bleiben – und oft genug auch gezielt unter sich bleiben wollen. Nicht zufällig erlangte der Begriff „Hinterhofmoschee“ in Deutschland einige Bekanntheit, steht er doch für Abgeschottetheit und Intransparenz. Auch der in Deutschland organisierte Islam will nicht immer Teil der Mehrheitsgesellschaft sein. Er ist nicht einheitlich, auch wenn ein allgemeiner „Tag der offenen Moschee“ das annehmen lässt – und für gewöhnlich das ganze Jahr über eben nicht offen, sondern geschlossen ist.

Symbolträchtige Öffnung am Tag der offenen Tür, wie hier in Witten – während unzählige Hinterhof-Moscheen geschlossene Gesellschaften bleiben.
Von Muslimbruderschaft bis Erdoğans Interessenvertretung
Der „Tag der offenen Moschee“ geht auf einen Vorschlag des Zentralrats der Muslime (ZMD) aus dem Jahr 1997 zurück. Seit 2007 wird er vom Koordinationsrat der Muslime (KRM) organisiert.
Wer steht dahinter? Die seit ihrer Gründung mitgliederstärkste Strömung im ZMD ist eine Organisation, die der Verfassungsschutz beobachtet und den türkisch-rechtsextremen Grauen Wölfen zurechnet – einer rechtsextremen Gruppierung, die in Deutschland zehntausende Mitglieder hat. Weitere Mitglieder weisen eine Nähe zur extremistischen Muslimbruderschaft auf, die ebenfalls von Sicherheitsbehörden beobachtet wird. Dazu ist im KRM unter anderem zusätzlich die DITIB beheimatet, der größte Dachverband einer islamischen Strömung in Deutschland mit einer starken Anbindung an die Türkei und ihre Regierung.
Der Tag der offenen Moschee geht also auf Verbände zurück, von denen einige ein erhebliches Problem mit der deutschen Grundordnung haben und so manche vor allem Auslandsinteressen in Deutschland durchsetzen wollen. So erheblich, dass sie vom Verfassungsschutz beobachtet werden, weil sie eine andere Rechtsordnung als unsere wollen – nämlich eine, die auf islamischen Werten beruht. Oder weil die Organisationen so stark an die türkische Regierung angebunden sind, dass deren Vorgaben wichtiger sind als deutsche. Das wird allerdings nicht offen gesagt.
Islamistische Agenda in Berlin
Warum der Tag problematisch ist, wird auch deutlich, wenn man sich die teilnehmenden Moscheen, etwa in Berlin, anschaut: Das Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung e.V. mutet des Namens wegen zwar harmlos an, steht aber der Muslimbruderschaft nahe und tauchte schon in Verfassungsschutzberichten auf.
Ebenso die Neuköllner Begegnungsstätte, die nicht nur aus Katar finanziert werden soll, wie Recherchen der ARD unlängst zeigten, sondern deren Vertreter auch offen den R4bia-Gruß zeigen: das Erkennungsmerkmal der ägyptischen Muslimbruderschaft. Die IGMG, die der sogenannten Millî Görüş-Bewegung zugerechnet wird, ist vertreten – obwohl Sicherheitsbehörden davon ausgehen, dass ihre Vertreter darauf hinarbeiten, eine islamistische Agenda im Rahmen des Rechtsstaats durchzusetzen.

Ferid Heider und Mohamed Sabri von der Neuköllner Begegnungsstätte beim Zeigen des R4bia-Grußes bei der Jahrestagung der IGD 2015.
Einheit der islamischen Grundordnung
In vielen dieser Moscheen werden Grundsätze vorgelebt, die mit dem deutschen Grundgesetz nur schwer vereinbar sind: von LGBTQ- und Frauenrechten über ein fragwürdiges Israel- und Judenbild bis hin zu einer radikalen Orthodoxie, die religiöse Zugehörigkeit über nationales und bürgerliches Zusammengehörigkeitsgefühl stellt.
Darüber wird nicht offen gesprochen, sondern zur eigenen Gemeinschaft werden andere Botschaften verbreitet als zur Mehrheitsgesellschaft hin. Diese Strategie ist bei Vertretern des sogenannten legalistischen Islamismus beliebt. Legalistische Islamisten unterscheiden sich von radikalen Salafisten, die ihre Ablehnung offen zur Schau stellen: Sie inszenieren sich nach außen hin als demokratische Player, streben aber einen Umbau unserer Gesellschaft an, in dem islamische Normen höhergestellt sind als westliche Grundwerte, wie der Islamismus-Forscher Lorenzo Vidino immer wieder in Bezug auf die Muslimbruderschaft feststellt.
Und genau diesen Playern kommt ein solcher „Tag der offenen Moschee“ gelegen, bei dem freundlich Hände geschüttelt und Glaubensrituale wie eine Art Folklore vorgezeigt werden.
Wenn solche Organisationen vorgeben, mit dem „Tag der offenen Moschee“ die Einheit dieses Landes zu feiern, dann ist die Einheit, die sie meinen, nicht die der deutschen Grundordnung, sondern die Einheit einer islamischen Grundordnung, die sie sich wünschen.

Auch die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld öffnet am Tag der deutschen Einheit ihre Pforten.
Symptom für ein gestörtes Selbstbild
Bleibt die Frage, warum die Politik eben solche Verbände hofiert, statt ihnen eine Absage zu erteilen.
In der politischen Klasse herrscht hierbei eine Mischung aus Naivität und Gutgläubigkeit. Nicht selten allerdings herrscht auch schlicht der Unwille, Realitäten anzuerkennen, selbst wenn begangene Irrtümer bereits ganz offensichtlich auf der Hand liegen. Man hat in diese Fata Morgana schließlich auch schon viel Zeit, Bemühung und nicht zuletzt öffentliche Mittel investiert.
Und dennoch entsteht auch das Gefühl, dass die öffentlichkeitswirksame Inszenierung des „Tages der offenen Moschee“ am Tag der deutschen Einheit fast schon symptomatisch für ein gestörtes Selbstbild eines Landes ist, das selbst am höchsten Nationalfeiertag nicht definieren kann, was es ist – und auch, was eben nicht.
Ein fatales Signal wäre, wenn der „Tag der offenen Moschee“ den „Tag der deutschen Einheit“ zu einem Tag der deutschen Einheit ohne die Muslime machen soll, die dann ihren Tag begehen. Bislang bleibt es glücklicherweise beim Wunsch dieser Verbände, denen etwa 80 Prozent der deutschen Muslime nicht angehören. Wünschen könnte man sich, dass der „Tag der offenen Moschee“ auf ein anderes Datum fällt. Dann könnten auch die problematischen Verbände zeigen, dass sie die Einheit dieses Landes mitfeiern wollen – oder eben nicht.
Für muslimische Glaubensstätten hingegen sollte die Regel gelten: Das Berufen auf Religionsfreiheit bringt auch die Pflicht mit sich, die allgemeine Grundordnung nicht nur als Lippenbekenntnis zu akzeptieren. Dann könnte man gemeinsam einen anderen Tag der offenen Moschee begehen. Liberale Moscheen haben sowieso jeden Tag einen offenen Tag, weil sie nichts zu verbergen haben.
Sigrid Herrmann studierte Biologie und beschäftigt sich seit rund zehn Jahren beruflich mit islamistischen Strukturen in Deutschland und Europa. Dazu hält sie Vorträge, gibt Schulungen und verfasst Gutachten. Mehrfach führten ihre Recherchen dazu, dass islamistischen Vereinen die Förderung mit öffentlichen Mitteln wieder entzogen wurde oder diese später in Verfassungsschutz-Berichten genannt wurden. Seit 2019 lebt die aus Hessen stammende Publizistin in Nordrhein-Westfalen.
Mehr NIUS:
Wie sich Donald Trump immer öfter mit seinen Verbündeten anlegt
Das größte Desaster der deutschen Ingenieurskunst: Wie Stuttgart 21 zum Symbol für das Scheitern deutscher Großprojekte wurde
Warkens Gesundheitsreform im Detail: Ein Schlag ins Gesicht Pflegebedürftiger
Musks Plan für die Zukunft im All
CDU-Fraktionschef und AfD-Spitzenkandidat: Reißt dieses Foto die „Brandmauer“ ein?
Kurz vor Amerikas 250. Geburtstag läuft es für Donald Trump nicht rund
Neue Claude-KI gibts nur mit Einschränkungen
Bundeshauptstadt des Bürgergelds: Ausgerechnet Bremen schmeißt den kritischen Jobcenter-Mitarbeiter raus
Mehr NIUS:
Musks Plan für die Zukunft im All
CDU-Fraktionschef und AfD-Spitzenkandidat: Reißt dieses Foto die „Brandmauer“ ein?
Kurz vor Amerikas 250. Geburtstag läuft es für Donald Trump nicht rund
Neue Claude-KI gibts nur mit Einschränkungen
Bundeshauptstadt des Bürgergelds: Ausgerechnet Bremen schmeißt den kritischen Jobcenter-Mitarbeiter raus
Merz bringt Merkels fatale Migrations-Parole: „Wir schaffen das!“
Verfassungsschutz: Extremisten in Berlin immer jünger, linker und islamistischer
Keir Starmer kniete für George Floyd, schwieg aber monatelang zu Henry Nowak
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare