Ukraine-Update: Alles, was Sie über den Krieg wissen müssen
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Seit über zwei Jahren dauert der Krieg Russlands gegen die Ukraine nun an. Hohe Verluste auf beiden Seiten, Streit über Waffenlieferungen und schwindende Solidarität mit der sich verteidigenden Ukraine bestimmen die Schlagzeilen rund um den Konflikt in Osteuropa
Bei einem Besuch in der Ukraine unterstrich Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) die Wichtigkeit der humanitären Hilfe: „Putins Terror geht hier jeden Tag weiter“. „Aber die Menschen hier in der Ukraine machen deutlich: Kein Tag, kein Angriff wird ihren Überlebenskampf zerstören können“, fügte sie hinzu. Dabei sei es wichtig, nicht nur militärische Hilfe zu leisten, sondern auch den Wiederaufbau des Landes zu fördern.
Hierfür plane die Bundesregierung eine internationale Wiederaufbaukonferenz im Juni in Berlin. Deutschland stockte seine humanitäre Hilfe um weitere 100 Millionen Euro auf – insgesamt unterstützt Deutschland die Ukraine humanitär mit einer Milliarde Euro.
Internationale Konferenz in Paris, um die Ukraine zu unterstützen
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron veranstaltet am Montag eine internationale Konferenz in Paris. Zu diesem Anlass werden 20 Staats- und Regierungschefs erwartet, unter ihnen Bundeskanzler Olaf Scholz. Das Treffen, das zwei Jahre nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine stattfindet, zielt darauf ab, die Verteidigungshilfe für die Ukraine inmitten der militärisch angespannten Lage zu koordinieren und ein starkes Signal der Einheit und Entschlossenheit gegenüber Russland von europäischer Seite aus zu senden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird per Videoschalte teilnehmen.

Frankreich gehört zu den engsten Verbündeten der Ukraine.
Humanitäre Hilfe: Ja – Taurus: Nein
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat eine Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine entschieden abgelehnt und betont, dass Deutschland sich nicht in den Krieg verwickeln lassen dürfe. „Wir dürfen an keiner Stelle und an keinem Ort mit den Zielen, die dieses System erreicht, verknüpft sein“, sagte er am Montag der dpa. Die potenzielle Reichweite und Zielgenauigkeit dieser Waffensysteme dürfe Deutschland nicht in eine Position bringen, die als Beteiligung am Konflikt interpretiert werden könnte.
„Was der Ukraine fehlt, ist Munition in allen möglichen Längen und Distanzen“, sagte der Bundeskanzler.
Der Taurus zählt zu den fortschrittlichsten Raketen im Arsenal der deutschen Luftwaffe. Diese Waffensysteme sind in der Lage, Ziele aus beträchtlicher Höhe und Distanz präzise zu treffen, einschließlich der Zerstörung von Bunkeranlagen. Bereits im frühen Oktober traf Bundeskanzler Scholz die Entscheidung, die Lieferung dieser Marschflugkörper an die Ukraine, die unter russischen Angriffen steht, auszusetzen. Grund für diese Vorsichtsmaßnahme war die Sorge, dass die Waffen, die eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern haben, versehentlich russisches Gebiet erreichen könnten.
Dennoch betonte der Bundeskanzler bei der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin: „Ich bleibe bei der Sprache, die ich gewählt habe. Es muss verhindert werden, dass Putin, dass Russland diesen Krieg gewinnt“.
Die Debatte um weitere Waffenlieferungen Deutschlands an die Ukraine spaltet die Nation, wobei 39 Prozent der Bundesbürger diese unterstützen, während eine knappe Mehrheit dagegen oder unentschieden ist. Regionale und politische Differenzen prägen auch diese Frage, wobei Anhänger der Grünen am stärksten für weitere militärische Hilfe sind, im Gegensatz zu den Wählern der AfD und des BSW, die mehrheitlich dagegen sind.

Die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern sind ein zentraler Streitpunkt in der Ukraine-Debatte.
Verspätungen behindern Kriegsverlauf
Währenddessen wirft die Ukraine ihren westlichen Verbündeten vor, dass die zugesagten Waffenlieferungen nicht rechtzeitig ankommen. Verteidigungsminister Rustem Umjerow sagte am Sonntag in Kiew: „50 Prozent des Zugesagten trifft nicht rechtzeitig ein“ und betonte, dass diese Verzögerungen direkte Auswirkungen auf das Schlachtfeld haben, wo die Ukraine Menschen und Material verliert.
Besonders die fehlende Munition und Ausrüstung haben das Land in eine defensive Position gedrängt, während das russische Militär auf mehreren Fronten Geländegewinne verzeichnen konnte.
Umjerow hob hervor, dass die mangelnde Luftüberlegenheit ein weiteres großes Hindernis im Abwehrkampf der Ukraine darstellt. Ukrainische Piloten werden derzeit an westlichen F-16 Kampfjets ausgebildet, die noch im ersten Halbjahr in der Ukraine erwartet werden. Der Verteidigungsminister wies zudem auf den massiven Einsatz von Raketen durch Russland hin, mit über 8000 abgefeuerten Raketen seit Kriegsbeginn, und bezeichnete den Konflikt als den ersten „Drohnenkrieg“ aufgrund der umfangreichen Verwendung von Kampfdrohnen durch den Gegner. Die Frontlinie, an der intensive Kampfhandlungen stattfinden, erstreckt sich über 1200 Kilometer.

Die US-Luftwaffe trainiert ukrainische Piloten beim Umgang mit F-16 Jets.
Unterschiedliche Angaben von Verlusten
Am Sonntag verlautbarte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass die Ukraine seit Kriegsbeginn 31.000 Soldaten verloren habe. Laut ihm belaufen sich die russischen Verluste auf 180.000. Zu der Zahl der Verletzten oder getöteten Zivilisten wollte sich Selenskyj nicht äußern.
Im Dezember 2023 äußerte dagegen der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu, dass die Verluste der ukrainischen Armee 383.000 Gefallene und Verwundete betragen hätten. Das russische Verteidigungsministerium gab zuletzt im September 2022 die Verluste der russischen Streitkräfte bekannt. Damals wurden 5.937 russische Soldaten als getötet gemeldet.
Das Projekt UALosses, das eine Liste der getöteten ukrainischen Soldaten führt, gibt an, dass das ukrainische Militär bis Anfang Februar 42.000 Gefallene zu beklagen hatte. Das oppositionelle russische Medium Meduza spricht derweil von 75.000 getöteten russischen Soldaten.
Eine genaue Aufarbeitung der Verluste ist derzeit schwierig und nicht im Interesse beider Kriegsparteien.

Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu
Kriegsverbrechen seitens Russland
Die Ukraine dokumentierte 120.000 Fälle russischer Kriegsverbrechen seit Beginn des Krieges. Generalstaatsanwalt Andrij Kostin teilte mit, dass es kaum ein Verbrechen gebe, das die russischen Kräfte im Verlauf dieses Konflikts nicht begangen hätten. Bisher haben die Ermittlungen zu 80 Urteilen ukrainischer Gerichte geführt. Kostin betonte die Notwendigkeit von Tribunalen, ähnlich den Nürnberger Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere für die Verbrechen in Mariupol, einer südostukrainischen Hafenstadt, die von russischen Truppen eingenommen wurde.
Die russische Seite wird international, unter anderem von Kiew und verschiedenen internationalen Organisationen, regelmäßig der Misshandlung von Kriegsgefangenen beschuldigt. Es gibt Berichte, dass ukrainische Soldaten sogar nach ihrer Gefangennahme getötet wurden. Andrij Jermak, Leiter des Präsidentenbüros in Kiew, kritisierte beim Forum „Ukraine. Jahr 2024“ das internationale System und seine Organisationen für ihr Versagen, angemessen auf die Situation zu reagieren. Er richtete besonders schwere Vorwürfe gegen das Internationale Rote Kreuz, das keinen der in Russland gefangenen ukrainischen Kriegsgefangenen besucht habe. Zudem wurde kritisiert, dass die Organisation nicht bei der Rückführung der über 20.000 ukrainischen Kinder hilft, die widerrechtlich von Russland festgehalten werden.
Im folgenden Video sieht man die Exekution von ukrainischen Kriegsgefangenen durch russische Soldaten:
Nach Angaben des ukrainischen OSINT-Projekts DeepState zeigt das Video, wie Soldaten der russischen Streitkräfte neun Angehörige der 92. Sturmbrigade erschießen. Es ist nicht sicher bekannt, wann das Video gedreht wurde. Nach Angaben von DeepState wurde das Video jedoch am Samstag aufgenommen.
Schwindende Unterstützung
Während die ersten Monate des Krieges von einer flächendeckenden Solidarität mit der Ukraine gezeichnet waren, flacht der Enthusiasmus nun ab. In Zürich wurde die Ukraine-Flagge an der Bahnhof- und der Quaibrücke sowie am Utoquai eingeholt. Ein Regierungssprecher betonte jedoch, „dass die Solidarität weiter anhalte“, berichtet die NZZ.
Lediglich ein Viertel der befragten Deutschen glaubt, laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos, an einen ukrainischen Sieg, während 40 Prozent einen solchen als unrealistisch erachten. Eine pessimistischere Haltung ist besonders in Ostdeutschland verbreitet, wo fast die Hälfte der Befragten eine Niederlage der Ukraine für wahrscheinlich hält, im Gegensatz zu 39 Prozent im Westen. Die politische Ausrichtung spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle: Anhänger der Grünen zeigen sich am optimistischsten, während AfD-Wähler und Anhänger des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) am skeptischsten gegenüber einem ukrainischen Erfolg sind.
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