Urteil von Experten: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk berichtet kaum über Ostdeutschland und wenn, dann negativ
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- Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk berichtet kaum über ostdeutsche Themen.
- Wenn sie berichten, dann meist negativ.
- Private Medien berichten dagegen häufiger und positiver.
Jede Woche veröffentlicht die Initiative „Arbeitsgemeinschaft Informationsqualität in Deutschland“ die Rundfunkrat-Briefe. Diese sollen für die Rundfrunkräte von ARD, ZDF und Deutschlandradio Hilfestellungen geben, ihre Funktion als Kontrollinstanz besser ausführen zu können. Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass der Öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Aufsichtsgremien mit nur unzureichenden Daten versorgt. Die Initiative gibt es seit dem Jahr 2020.

18,36 Euro monatlich muss jeder deutsche Haushalt an den ÖRR zahlen. (Quelle: Rundfunkrat-Brief Ostdeutschland)
Der aktuelle Rundfunkrat-Brief trägt den Titel „Stereotypisierung Ostdeutschlands: ARD und ZDF tragen zum
Verständnis weniger bei als DLF“.
Er liest sich wie eine Abrechnung mit den Sendern. Ostdeutsche Themen, etwa Biografien von Menschen aus der ehemaligen DDR, werden marginalisiert, wenn sie denn überhaupt erzählt werden, so eine Aussage des Briefes. Auch Berichte über Experten und Forschungseinrichtungen aus den neuen Ländern fänden in den Programmen kaum statt.
„Vor dem Osten muss gewarnt werden“
Jeder der Kritikpunkte beginnt mit einer Feststellung, die sich aus der Analyse ergab. „Ostdeutschland bleibt bei ARD, ZDF und DLF auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer eine Region, vor der gewarnt wird“, heißt es beispielsweise ganz zu Beginn. So legte Carsten Schneider (SPD), der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, den Bericht zum Stand der Deutschen Einheit vor: Der Politiker verwies auf den Trend, dass die Kluft zwischen Ost und West Deutschland wieder gewachsen sei.

Es überwiegt die negative Berichterstattung gegenüber dem Osten. (Quelle: Rundfunkrat-Brief Ostdeutschland)
Die Forscher sind der Frage nachgegangen, wie der ÖRR über die neuen Bundesländer in Bezug auf Themen wie „Sicherheit/Kriminalität, „Parteipolitik, „Unfall/Katastrophen“, „Flüchtlinge/Asyl“ und viele mehr berichtet. Oder anders gesagt: Welchen Eindruck bekommt der Beitragszahler, wenn er sich ausschließlich mit ARD, ZDF und DLF ein Bild vom Osten macht?
Das Ergebnis ist ernüchternd. Bis auf das Thema „Sport“ überwiegt eine grundsätzlich negative Berichterstattung. Gerade der Deutschlandfunk schafft es in den 15 Punkten lediglich beim Thema „Parteipolitik“ in Details positiv zu berichten, wobei auch dabei negative Beiträge überwiegen. Bei ZDF und ARD kommen hier und da zwar positive Berichte, aber auch bei diesen beiden Sendern überwiegt die negative Berichterstattung.
„Über Forschung aus dem Osten wird im ÖRR kaum berichtet“
Im Punkt „Die reichhaltige Forschungslandschaft Ostdeutschlands bleibt für das Publikum von ARD, DLF und ZDF ‚terra incognita‘“ wird der Frage nachgegangen, inwieweit ostdeutsche Forschungsinstitute in der Berichterstattung vorkommen. Auch hier zeigt sich ein eindeutiges Ungleichgewicht. Die bevorzugten Institute sind hauptsächlich im Westen angesiedelt. Sei es die Charité, das Goethe-Institut in Frankfurt, die Universität in Hamburg oder das John Hopkins University. Lediglich in der ARD folgt auf Platz 6 die Uni in Leipzig.

Ostdeutsche Forschungsinstitute werden vom ÖRR meist ignoriert.
Beim ZDF und beim Deutschlandfunk kommt sogar gar keine ostdeutsche Forschungseinrichtung unter die Top 10. Und das, obwohl die Universitäten in Ostdeutschland, sei es Forschung oder Lehre, oftmals exzellente Bedingungen aufweisen.
„Fragen zur ehemaligen DDR finden im Programm so gut wie nicht statt“
Im folgenden Analysepunkt stellen die Wissenschaftler fest, dass „Fragen zu DDR-Vergangenheit und Deutscher Einheit für Heute, DLF und Tagesschau unterhalb der Wahrnehmungsschwelle“ bleibt. Bedeutet: Es wird de facto nicht über die Biografien von Ostdeutschen berichtet. Die Medienwirkungsforschung untersucht, ab welcher Intensität in der Berichterstattung das Publikum eine Chance hat, Themen überhaupt wahrzunehmen.

Themen über den Osten scheinen dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk kaum zu interessieren. (Quelle: Rundfunkrat-Brief Ostdeutschland)
Dies ist beim Thema Klima der Fall, aber auch bei den Themen Ukraine, Parteipolitik oder Sport. Bei Fragen zur DDR-Vergangenheit und Deutscher Einheit ist das Ergebnis ernüchternd. Keiner der Sender kommt auch nur annähernd über die 1,5 Prozent-Hürde.
Nur westdeutsche Experten im ÖRR
Doch das ist noch nicht alles. Denn obwohl das Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (RWI) zu den renommiertesten Adressen gehört, wenn es um Wirtschaft geht, ziehen ARD, ZDF und DLF im Zweifel grundsätzlich das ifo-Institut in München, das DIW in Berlin oder das IW in Köln vor. Zwar sind auch die westdeutschen Institute mit hervorragenden Experten bestückt, dennoch ist ein ostdeutscher Blick, gerade was die Wirtschaft betrifft, oftmals hilfreich. Doch das bleibt dem Publikum vorenthalten.

Ostdeutsche Experten werden wenig zu Rate gezogen. (Quelle: Rundfunkrat-Brief Ostdeutschland)
Journalisten kommen gut ohne ARD, DLF und ZDF aus
Schaut man sich an, welche Medien im Vergleich zum ÖRR über die Themen „DDR-Vergangenheit und „Deutsche Einheit berichten“, so fällt auf, dass vor allem private Medien die Nase vorn haben. Ob Welt, Bild, Spiegel oder die FAZ: Alle berichten mehr über den Osten, als sogar der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), dessen Sitz immerhin in Leipzig ist. Trotz der Milliardenbeiträge für ARD, ZDF und DLF ist keiner der drei Sender unter den Top 5 zu finden.

Freie Medien nehmen sich dem Thema mehr und positiver an..
Fazit: Wenn der ÖRR überhaupt über den Osten berichtet, dann meist negativ. Auch Forschungeinrichtungen aus den neuen Ländern kommen in der Berichterstattung so gut wie nicht vor. Privatwirtschaftlichen Medien gelingt es dagegen besser, ohne Milliardenbudget, ostdeutsche Themen vorurteilsfrei zu platzieren. Das sollte den Intendanten zu denken geben.
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