Vom Kritiker zum Gefolgsmann: Wer ist Trumps Vize James David Vance?
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Donald Trump hat J.D. Vance als Nr. 2 im Wahlkampf ausgewählt. Der erst 39-Jährige hat sich vom „No-Trumper“ zum treuen Gefolgsmann gewandelt. Er kommt aus armen Verhältnissen, ist Ex-Marine, Yale-Absolvent, als Tech-Investor Selfmade-Millionär und Bestseller-Autor.
James David Vance, Senator für Ohio, wird als Trumps „running mate“ in die heiße Phase des US-Wahlkampfes ziehen. Wer ist der Mann, der Vizepräsident der Vereinigten Staaten werden könnte und dessen Nominierung laut Grünen-Chefin Ricarda Lang „besorgniserregend für Europa“ sein soll?

Groß gefeiert: Senator J.D. Vance an einer Wahlkampfveranstaltung am 16. März 2024 in Vandalia, Ohio.
James David Vance, kurz J.D., wurde 1984 in der kleinen Stadt Middletown im Rust Belt geboren, dem Rostgürtel, der ältesten und größten Industriegegend der USA. Eine Gegend, die von Arbeitslosigkeit, fehlenden Perspektiven und Drogenkonsum geprägt ist. Seine Kindheit und Jugend schilderte Vance 2016 in dem Buch „Hillbilly Elegy“, das später auch verfilmt wurde. Seine Beschreibung des Lebens in der US-Unterschicht rührte Olaf Scholz nach dessen eigener Aussage zu Tränen.
Fünf Jahre, von 2003 bis 2007, diente Vance bei den Marines, davon ein halbes Jahr im Irakkrieg, und war dabei in einer Public Affairs-Abteilung der 2nd Marine Aircraft Wing tätig. Eine Zeit, die er später als für ihn prägend beschrieb und auf die er sehr stolz ist. Allerdings hätte er sich mit Blick auf die Verhältnisse im Nahen Osten einen dauerhaften Sieg gewünscht: „Vor Trump hat sich niemand mit diesem Thema befasst, schon gar nicht in der Republikanischen Partei.“

J. D. Vance (2003) als Mitglied des United States Marine Corps.
Mit der Wokeness der Eliten in den Metropolen hat er nichts am Hut
Sein Studium der Politikwissenschaften und Philosophie schloss er 2009 „summa cum laude“ ab. Dann wechselte er zur Yale Law School, wo er auch seine Frau kennenlernte, die indischstämmige Juristin Usha Chilukuri. Das Paar hat heute drei Kinder.
Durch seine Herkunft ist „J.D.“ ein intimer Kenner des Milieus der Trump-Wähler: „Es gibt keine Gruppe von Amerikanern, die pessimistischer ist als die Weißen aus der Arbeiterklasse“, sagte er. Und: „Die Amerikaner nennen sie Hinterwäldler, Rednecks oder White Trash. Ich nenne sie Nachbarn, Freunde und Familie.“ Und Vance, der mit der Wokeness der Eliten in den Metropolen an der West- und Ostküste nichts am Hut hat, teilt die Werte der einfachen Leute. Ein Amerikaner, stolzer Patriot, kein zerknirschter Weißer mit Schuldgefühlen. Vance ist gegen Abtreibung und persönlich auch gegen gleichgeschlechtliche Ehen, wobei er das für Privatsache hält. Über Präsident Barack Obama sagt der Aufsteiger:
„In einer entscheidenden Phase meines Lebens gab mir Barack Obama die Hoffnung, dass ein Junge, der wie ich aufgewachsen ist, die wichtigsten meiner Träume noch verwirklichen kann. Deshalb werde ich ihn und sein Beispiel vermissen.“

Der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Senator JD Vance und seine Frau Usha Chilukuri Vance am ersten Tag der Republican National Convention 2024 im Fiserv Forum.
Trump „den Hintern geküsst“
Von Trump hielt er, als dieser 2016 zum ersten Mal antrat, noch gar nichts, es fielen Begriffe wie „Arschloch“ und „Idiot“, in einer privaten Nachricht war sogar von „Amerikas Hitler“ die Rede. All das wird Vance jetzt natürlich von seinen politischen Gegnern und der Trump eher nicht wohlgesinnten Presse genüsslich unter die Nase gerieben. Für JD selbst ist das jedoch Vergangenheit: „Ich bin sehr ehrlich, wenn es darum geht, dass ich kritische Dinge über ihn gesagt habe“, sagte er 2021 über Trump. „Ich bereute diese Dinge und ich bereue bei ihm falsch gelegen zu haben.“
Da hatte er seine Meinung über Trump längst geändert. Hielt er ihn anfangs noch für „ungeeignet“ fürs Weiße Haus, revidierte er seine Ansicht: „Ich habe nicht geglaubt, dass er ein guter Präsident sein würde … Er war ein großartiger Präsident. Und das ist einer der Gründe, warum ich so hart daran arbeite, dass er eine zweite Amtszeit bekommt.“ Und: „Trump ist der beste Präsident, den ich je erlebt habe. Er hat wie kein anderer die Korruption in den USA aufgedeckt.“ Nach seiner Nominierung meinte er: „Es ist eine Ehre, an der Seite von Präsident Donald J. Trump zu kandidieren. Er hat schon einmal für Frieden und Wohlstand gesorgt, und mit Ihrer Hilfe wird er es wieder tun.“

Trump bei den Senatswahlen in Ohio 2012/22: Schon damals kündigte Trump an, dass Vance sein Vizepräsidentschaftskandidat für 2024 sein wird.
Trump hatte J.D. Vance 2021/22 bei den Senatswahlen in Ohio unterstützt und gewitzelt, JD küsse ihm den Hintern dafür, ohne dass Vance widersprochen hätte. Jetzt wirft sich sein running mate für ihn in die Bresche. Der Mann, den Präsident Joe Biden einen „Trump-Klon“ nennt und dessen Nominierung die demokratische Kongressabgeordnete Annie Kuster „abscheulich“ findet, ist ein eher bodenständiger Kerl: „Ich gehöre nicht zu den Menschen, die glauben, alle Antworten zu kennen.“ Ebenso ist ihm die Verteufelung des politischen Gegners fremd: „Ich glaube nicht, dass die Linke ein Monopol auf schlechte Ideen hat. Ich glaube nicht, dass die Rechte ein Monopol auf gute Ideen hat.“
Wofür steht Trumps Vize?
Vance will die illegale Massenmigration beenden und Milliarden Dollar in eine Grenzmauer investieren. Wie Trump fordert er höhere Militärausgaben der europäischen NATO-Partner. Offen kritisiert er die US-Militärhilfe an die Ukraine, mit den Geldern könnten sich Minister dort nur „größere Yachten“ kaufen, sagte er, auf die Korruption im Land anspielend. Hingegen gibt er sich ausgesprochen proisraelisch. Anders als die Biden-Regierung wackelt er nicht und ist der Meinung, Israel solle „seinen Job“ im Gazastreifen gegen die Terrororganisation Hamas „zu Ende bringen“:
„Die Hamas hat den Krieg begonnen und jetzt versteckt sie sich hinter palästinensischen Zivilisten. Wenn man also die Lehren aus den letzten 40 Jahren ziehen will, ist das Wichtigste, dass wir die Hamas als lebensfähige militärische Organisation besiegen müssen. Die Ideologie der Hamas wird man nie besiegen können, aber man kann die Kommandeure und die militärisch ausgebildeten Bataillone ausrotten, und ich denke, man sollte die Israelis dazu ermächtigen.“
Worte, die man in Jerusalem, wo man sich langsam von aller Welt verlassen fühlt, gern hören wird.

Heute Senator, künftig Vize-Präsident? J.D. Vance, ein Mann mit klaren Worten und klaren Visionen für sein Land.
Dass er aus einem der Swing States kommt, einem jener Staaten, die mal demokratisch, mal republikanisch wählen, wird ihm und Trump wohl zum Vorteil gereichen. Dort, in den zuweilen verächtlich Fly-over-states genannten Bundesstaaten, kann man mit den Steckenpferden des woken Milieus nichts anfangen. J.D. Vance dürfte den „Hillbillys“ aus den Herzen sprechen.
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