Warum „Allahu Akbar“ kein Friedensgruß ist
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Nicht erst seit dem 23. August, als ein syrischer ISIS-Terrorist auf dem Solinger Stadtfest „Fest der Vielfalt“ drei Menschen ermordete und weitere verletzte und dabei das umstrittene Glaubensbekenntnis gebrauchte, wird über die gesellschaftlichen Implikationen des islamischen Rufs „Allahu Akbar“ diskutiert.
Bereits in der Vergangenheit wurde der Ausruf bei islamistischen Anschlägen genutzt, beispielsweise beim Breitscheidplatz-Attentat, dem Sprengstoffanschlag von Ansbach oder dem Hamburger Supermarkt-Anschlag von 2017.
Gleichzeitig behaupten linke Politiker, Moderatoren und Muslime selbst immer wieder, dass es sich bei dem Ausruf um ein im Islam übliches und harmloses Glaubensbekenntnis handle, so warnt der Politikredakteur Gökalp Babayiğit beispielsweise in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung, dass dieser Ausruf der „friedlichen Muslime“ zu einem Etikett geworden wäre, welches „Muslime unter Generalverdacht“ stellen würde.
Aber was ist dran, am „friedlichen“ Ausruf, der immer wieder von Islamisten genutzt wird?

Solingen, nachdem der 26-jährige Syrer Issa al H. durch einen terroristischen Messeranschlag drei Menschen tötete und acht weitere verletzte.
Sie riefen „Allahu Akbar“
- Es ist Freitag, der 23. August, circa 21:37 Uhr als es passiert. Auf dem beliebten jährlich stattfindenden „Festival der Vielfalt“ der Stadt Solingen feiern die Bürger des oft als „Klingenstadt“ bezeichneten Ortes das 650-jährige Bestehen der Stadt. Inmitten der Festivitäten und ausgelassener Stimmung fängt der 26-jährige Syrer und ISIS-Terrorist Issa al H. an, wahllos Besucher des Festes vor einer Bühne mit Livemusik anzugreifen, mit einem Messer zu attackieren.
- Wenige Monate zuvor, am 31. Mai, verletzt der Islamist Sulaiman A. bei einer islamkritischen Kundgebung der Bürgerbewegung „Pax Europa“ in Mannheim den politischen Aktivisten Michael Stürzenberger mit einem Messer und tötet den Polizisten Rouven Laur, der einschreiten will.
- In der Duisburger Altstadt tötet der damals 27-jährige Maan D., der später zugibt, im Auftrag des IS gehandelt zu haben, am 9. April vergangenen Jahres den 35-jährigen Irfan Dip mit 28 Messerstichen und versucht, ihn zu enthaupten.
Was alle diese Taten gemeinsam haben: Sie sind nicht nur aktuell – bei allen drei Taten berichten Zeugen, dass die Täter während oder vor der Tat „Allahu Akbar“ gerufen haben sollen.
„Allahu Akbar“ ist ein arabischer Ausdruck, der übersetzt „Gott ist groß“ oder „Gott ist größer“ bedeutet und die Überlegenheit Gottes gegenüber anderen Autoritäten ausdrücken soll. Der Begriff wird häufig von Muslimen während des Gebets verwendet.

Der syrische Islamist Maan D. auf der Anklagebank, er muss sich vor dem Oberlandesgericht für zwei Bluttaten in Duisburg wegen Mordes und dreifachen Mordversuchs verantworten.
„Allahu Akbar“ als reine „Gefühlsregung“ und „Ausdruck von Reue“
Als im April 2019 die Kathedrale Notre Dame in Paris in Flammen aufging und viele Menschen fassungslos und traurig waren, veröffentlichte der Spiegel einen Artikel, in dem behauptet wurde, dass Muslime, die das Ereignis mit „Allahu Akbar“ kommentierten, keine Schadenfreude über den Brand des christlichen Gotteshauses empfanden, sondern den Ausruf als Ausdruck der Reue verwendeten. Die palästinensische SPD-Politikerin Sawsan Mohammed Chebli teilte diesen Artikel auf Twitter mit dem Hinweis, dass der Begriff für „viele Gefühlsregungen“ verwendet werde und legitimierte damit die Verwendung des Begriffs außerhalb des religiösen Kontextes.
Aber nicht nur SPD-Politiker, sondern auch Formate des über 10 Milliarden Euro schweren Rundfunkapparates rechtfertigen immer wieder den islamischen Begriff ... So bezeichnet Deutschlandfunk Kultur „Allahu Akbar“ als „Ausdruck der Demut“ und interviewt die „muslimische Trans-Aktivistin“ Leyla Jagiella, laut der man beim in den Spiegel schauen „Allahu Akbar“ sagen soll, „um sich daran zu erinnern, dass Gott über dieser äußeren Erscheinung steht, die man da präsentiert bekommt“.

In Göttingen nutzten Muslime die Universität als öffentlichen Raum für ein Gruppengebet und riefen dabei „Allahu Akbar“.
„Allahu Akbar“ als öffentlicher Machtanspruch
Als im April dieses Jahres Muslime an der staatlichen Georg-August-Universität in Göttingen ein islamisches Gruppengebet abhielten und dabei laut „Allahu Akbar“ riefen, rechtfertigte Wolfgang Reinbold, der Beauftragte für Kirche und Islam der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, das Vorgehen als üblich und daher „völlig unproblematisch“. Ob Üblichkeit auch automatisch ein Indiz dafür ist, dass etwas unproblematisch ist, bleibt dabei fraglich.
Denn auch, wenn der Ausruf „Allahu Akbar“ beim privaten Gebet oder in der Moschee tatsächlich oft harmlos ist und ein Teil des Gebetes darstellen kann, so ändert sich seine Bedeutung laut Experten im öffentlichen Raum.
Laut dem bayerischen Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung „Antworten auf Salafismus“ kann der Ausruf „als Machtdemonstration und auch als Schlachtruf“ verwendet werden. Auch Susanne Schröter, Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, kommentiert das islamische Glaubensbekenntnis im öffentlichen Raum kritisch. So sagt sie gegenüber dem Deutschlandfunk: „Da wird eine verbale Botschaft mit transportiert, und von vielen Muslimen wird es eben auch so interpretiert: Der Islam ist die einzige Religion. Alle anderen sind dann implizit eben nicht die wahren Religionen.“
Lesen Sie auch: Als Ex-Muslima machen mir „Allahu Akbar“ Rufe an der Universität Angst!
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