Warum Merz’ Büroleiter Jacob Schrot gehen musste
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Am Ende konnte er dann doch nicht Kanzler. Ein Kalauer, über den er schon lange nicht mehr lachen konnte. Immer wieder wurde Jacob Schrot (35) auf seine frühe TV-Karriere im ZDF angesprochen, wo er 2009 die Debatten-Show „Ich kann Kanzler“ gewonnen hatte. Zum Kanzler hat er es nicht geschafft, aber viel näher an den Regierungschef heran kommen nur wenige.
Schrot, bis vor wenigen Tagen einer der mächtigsten Männer der deutschen Politik, ist nicht länger Büroleiter von Kanzler Friedrich Merz (CDU), sondern wird sich neuen Herausforderungen zuwenden, wie es gestern in den öffentlichen Texten hieß. Was man so sagt. Eine Trennung in bestem Einvernehmen, künftiger Kontakt inklusive.

Schrot war gerne auch mal in einer Reihe mit den Mächtigen zu sehen.
Schrot war der Mann im Vordergrund
Schrot, der eigentlich im Hintergrund für Merz hätte arbeiten und organisieren sollen, hatte intern den Spitznamen „Der Mann im Vordergrund“, weil er bei fast jeder Gelegenheit mit dem Kanzler auf Fotos erschien. Noch zu Zeiten von Kanzlerin a.D. Angela Merkel (CDU) war der Junge mit dem spöttischen Grinsen aus Brandenburg an der Havel in der Abteilung Außenpolitik des Kanzleramts tätig, wurde später Assistent des krachend gescheiterten Kanzlerkandidaten Armin Laschet und schließlich Büroleiter von Friedrich Merz.
Schon dieser Werdegang hätte sich unter normalen Bedingungen nie ereignen dürfen. Ein Spitzenkandidat, der die Mitarbeiter seiner gescheiterten Vorgänger übernimmt, hat offenbar keinen Kompass oder akute Personalnot.

Mit dem Antritt der Regierung Merz wurde Jacob Schrot Leiter des Kanzlerbüros.
Schon im Wahlkampf waren Schrot und Merz gemeinsam etwa beim Treffen mit Frankreichs Präsident Macron in Paris unterwegs und entwickelten ein von vielen beargwöhntes „Vater-Sohn-Verhältnis“, wie es im Umfeld immer wieder hieß. Schrot teilte mit Merz die Vorliebe für Außenpolitik und war in einer Welt politisch sozialisiert worden, in der die Illusion einer regelbasierten Weltordnung die Handlungen bestimmt hatte. Als er dann auch noch zum Büroleiter des neu geschaffenen nationalen Sicherheitsrats ernannt wurde, war für viele in der Union endgültig das Maß des Erträglichen voll.
Merz war einfach in zu viele Fallen getappt
Der Grund: Die Büroleitung des Kanzlers ist Frühwarnsystem, Feuerwehr, Lotse und Hintergrundstratege in einem und kein fröhlicher Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Dazu laufen die Geschäfte von Merz von Anfang an zu schlecht. Merz – ohnehin nur begrenzt beratungsfähig – lief immer wieder in unnötige Fallen, die seinem Büro hätten auffallen müssen: Stehen Mehrheiten in der Fraktion? Ist die einseitige Ukraine-Fixierung wirklich klug und in Deutschland in dieser Tonlage vermittelbar? Kann es gutgehen, sowohl der Jungen Union als auch dem Koalitionspartner beim Thema Rente Unterstützung zu signalisieren oder zur vermeintlichen Nato-Rettung die Verteidigungsausgaben drastisch hochzufahren? Die Kommunikationsstrategie in der „Stadtbild“-Debatte war ein Desaster und die Wirtschaftsverbände gehen inzwischen frontal auf den Kanzler los.
Nachfolger ist ein Mann im Hintergrund
Nun also geht Schrot und der frühere Geschäftsführer des Parlamentskreises Mittelstand (PKM), Büroleiter und enge Vertraute von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, Philipp Birkenmaier, rückt ins Zentrum der Macht vor. Birkenmaier bringt zumindest vom Habitus eine Qualität mit, die zentral ist für diesen Job: das dezente Wirken im Hintergrund.

Philipp Birkenmaier
Interessant ist diese Personalie durchaus: In der Union wird von vielen jetzt gejubelt, dass nunmehr der deutlich konservativere PKM und der ordnungspolitisch verlässliche Wirtschaftsrat einen Mann bei Merz platziert und die Wirtschaftskompetenz des Kanzleramts damit gestärkt hätten. War nicht Wirtschaftskompetenz die wichtigste Kompetenzzuweisung des BlackRock-Mannes Merz? Braucht der Wirtschaftsfachmann jetzt einen Kompass für Wirtschaft?
Ein Personalwechsel ist keine Kursänderung
Die Wahrheit ist, dass die Performance von Kanzler, Amt und Partei insgesamt nicht stimmt, die Umfragen schlecht sind und die Stimmung an der Basis noch schlechter ist. Die Partei wird nervös im Schicksalsjahr der Union mit fünf Landtagswahlen. Ob Birkenmaier daran etwas ändern kann, wird man sehen. Den sprunghaften Politikstil von Merz wird er nicht ändern und dessen Beratungsresistenz und Harmoniesucht mit der SPD wohl auch nicht.
Birkenmaier soll im Vorzimmer reparieren, was im Kanzlerbüro verbockt wird. Zu beneiden ist er nicht um den neuen Job.
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