Weil sie „die Lernresistenz der Grünen“ nicht mehr ertragen hat: Unionsfraktion begrüßt Ex-Grüne Melis Sekmen als neues Mitglied
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Applaus brandet auf, als Melis Sekmen am Dienstagnachmittag in der Unionsfraktion des Bundestags empfangen wird. Am Mittwoch dann schon der erste Auftritt als Mitglied der Unionsfraktion.
Fast dreißig Jahre ist es her, dass zum letzten Mal eine Grüne zu CDU/CSU übergelaufen ist. 1996 wechselte die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld von Bündnis 90/Die Grünen zur Union, die sie Ende 2023 wieder verlassen hat.

Sekmen in den Reihen der Unionsfraktion im Bundestagsplenum
Melis Sekmen (30) wird mit offenen Armen in der Union empfangen. Seit dem Parteitag im Mai und den passablen gut 30 Prozent bei der Europawahl fühlen sich Friedrich Merz und seine Leute im Aufwind. Da setzt der Zuwachs der jungen, ehemalig grünen Mannheimerin ein weiteres Zeichen für die Erosion der Ampel-Macht und die Attraktivität von CDU/CSU. „Sie hat einen sehr guten Auftritt hingelegt“, sagt einer aus der Union. Sekmen habe glaubhaft erklärt, dass sie voll und ganz die soziale Marktwirtschaft vertrete. „Sehr sympathisch“ sei die junge Frau rübergekommen, heißt es einhellig.

Der Seitenwechsel der Ex-Grünen ist ein Glückstreffer für die Union
Über die Grünen verliert sie im Bundestag kein Wort. Doch in den Vorgesprächen sei es vor allem die „Lernresistenz der Grünen“ gewesen, die sie aus der Partei getrieben habe, berichten CDU-Leute aus Baden-Württemberg gegenüber NIUS. Die harte Abstrafung bei der Europawahl sei intern geradezu mit Schulterzucken und ohne Suche nach eigener Schuld aufgenommen worden. Auch, dass Kritik am Kurs der grünen Partei sofort mit heftigen Abwehrreaktionen kommentiert wurde, sei am Ende unerträglich für die junge Frau gewesen, heißt es. Meinungsfreiheit und offene Debatte – Fehlanzeige.
Für die Union ist der Seitenwechsel der Ex-Grünen in mehrfacher Hinsicht ein Glückstreffer. Sekmen steht genau für das bürgerliche Image, dass die Grünen sich nach den Vorstellungen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geben müssen, um mehrheitsfähig zu sein. Jene Bürgerlichkeit, mit der die Grünen im „Ländle“ bislang punkten konnten, und das sich nun in der Gestalt von Sekmen als hohles Trugbild entpuppt. Mit mehr als 32 Prozent hatte die Sonnenblumen-Partei von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ehedem die Villa Reitzenstein, den Regierungssitz in Stuttgart erobert. Derzeit zieht der schlechte Bundestrend auch die Ba-Wü-Grünen auf magere 19 Prozent hinunter.
Das große Fremdeln mit der grünen Migrationspolitik
Als Kind türkischer Einwanderer steht Sekmen zudem für eine Migranten-Klientel, die mit der grünen Migrationspolitik mehr und mehr fremdelt und sich teilweise sogar der AfD zuwendet. Für Baden-Württembergs jungen CDU-Landeschef Manuel Hagel ist die Anbahnung des Seitenwechsels zudem ein hübsches Gesellenstück als neuer starker Mann in der Union. Denn Sekmens Abgang wird auch als eine Absage an den möglichen Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir gesehen, der nach außen gern den „protestantischen Schwaben“ mit türkischen Wurzeln und bürgerlichem Einfühlungsvermögen gebe, intern aber zum harten ideologischen Kern der Grünen gehöre, wie man in der Union streut.
Von weiteren Übertritten grüner Abgeordneter ist einstweilen nichts bekannt, heißt es im Umfeld der CDU-Spitze. Etliche hätten allerdings Verständnis für Sekmen geäußert und sich ebenfalls kritisch zum Meinungsklima in der Öko-Partei geäußert.
Ganz so freundlich sind nicht alle ehemaligen Parteifreunde. Hinter gar nicht so vorgehaltener Hand wird auf die Tatsache verwiesen, dass in Mannheim ein CDU-Wahlkreis derzeit unbesetzt sei und der Seitenwechsel mithin eher karrieregetrieben denn inhaltlich motiviert sei. Das übliche Spiel. Freund, Feind, Ex-Parteifreund ...
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Ralf Schuler
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