Wie ein wokes Unternehmen vom links-grünen Milieu zerfleischt wird – das es selbst gezüchtet hat
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Die Kaffeehauskette Starbucks hat Laxman Narasimhan als CEO abgesetzt. Boykottaufrufe hatten schwere Umsatzeinbußen zur Folge, der Aktienkurs rauscht südwärts. Dabei ist das amerikanische Unternehmen dem links-grünen Zeitgeist verpflichtet wie kein anderes. Boykott-Aufrufe antiisraelischer Aktivisten haben Starbucks nicht nur in islamischen Ländern schwer geschadet.
1971 in Seattle, Washington, von Jerry Baldwin, Zev Siegl und Gordon Bowker gegründet und zehn Jahre später an den jüdischen Unternehmer Howard Schultz aus Brooklyn veräußert, ist Starbucks heute mit 38.000 Filialen in mehr als 70 Ländern weltweit vertreten und verkauft jedes Jahr fast 4 Milliarden Becher Kaffee eher minderer Güte. Doch die Umsätze sind im letzten Quartal deutlich zurückgegangen. Der jetzt abgelöste CEO Laxman Narasimhan, bezeichnete die Situation kürzlich als bestürzend, in seiner Sprache: „äußerst herausfordernd“. Der Aktienwert des Unternehmens ist in den letzten sechs Monaten um mehr als 30 Prozent gesunken.
Das kann zwar auch daran liegen, dass viele Kunden keine sechs Dollar für einen Pappbecher in der Größe Tall, Grande oder Venti (groß, größer und NOCH größer also) hinblättern mögen, aber einen handfesten Grund gibt es ganz sicher: Seit dem im Oktober 2023 durch den Hamas-Überfall auf Israel ausgelösten Gaza-Krieg ist Starbucks ins Visier antisemitischer Gruppen wie BDS geraten, die zum Boykott aufrufen. Auslöser war ein gefälschter Brief, in dem behauptet wurde, Starbucks würde das israelische Militär finanzieren und den „Genozid an den Palästinensern“ unterstützen.

Progressive Starbucks-Mitarbeiter bei einer Demonstration.
Grüner wird’s nicht als bei Starbucks
Das Gerücht fiel in Regionen, in denen mit den Palästinensern sympathisiert oder vielmehr der jüdische Staat gehasst wird, auf fruchtbaren Boden. Insbesondere auf Social-Media-Plattformen wie TikTok und X, wo der Hashtag #boycottstarbucks Millionen von Aufrufen hatte, gewann der Boykott an Zugkraft. Weltweit marschierten Demonstranten auch vor Starbucks-Filialen auf, bepöbelten Besucher und schmierten Parolen an die Fensterscheiben. „In vielen unserer Geschäfte gab es Vorfälle von Vandalismus. Wir sehen, dass die Demonstranten durch die falsche Darstellung dessen, wofür wir stehen, in den sozialen Medien beeinflusst werden“, sagte der nun durch den Chef der US-amerikanischen Schnellrestaurant-Kette Chipotle Mexican Grill, Brian Niccol, ersetzte Ex-CEO Laxman Narasimhan, dabei stehe Starbucks einfach nur „für Menschlichkeit.“
Und auch für praktisch alle Positionen, die das Gutmenschen-Milieu vertritt. Mit der Abfallvermeidung ist es etwas schwierig, wenn man jährlich Heißgetränke in Milliarden Pappbechern verkauft, aber ansonsten tut Starbucks, was möglich ist, um ein saturiertes links-grünes Milieu zufriedenzustellen:
- Man achtet auf soziale Verantwortung, etwa indem Fair-Trade-Praktiken in der Kaffee-Lieferkette sichergestellt und zusätzliche Lebensmittel an Bedürftige gespendet werden.
- Nach den Black-Lives-Matter-Protesten in den USA sagte Starbucks 100 Millionen US-Dollar für schwarze und unterversorgte Gruppen und Gemeinden zu. Außerdem verpflichtete sich Starbucks, den Zugang zu Abtreibungen für Mitarbeiter zu verbessern, nachdem ein Entwurf der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zur Aufhebung von Roe v. Wade durchgesickert war.
- Im Jahr 2023 sorgte Starbucks mit der jährlichen Herausgabe seiner wiederverwendbaren regenbogenfarbenen Pride-Kaffeebecher zur Unterstützung der LGBTQ+-Bewegung für Aufregung.

Wiederverwendbare „Pride“-Becher in einer Starbucks-Filiale in Kalifornien anlässlich des CSD.
Starbucks sieht sich als „stolzer Verbündeter der LGBTQIA2+-Gemeinschaft“, Chief Executive Kevin Johnson sprach immer wieder von „inklusiverem Umfeld“, „größerer Vielfalt“ und „mehr Gerechtigkeit und Chancen für alle“. Im Jahr 2020 versprach Starbucks, dass bis 2025 mindestens 30 Prozent der Unternehmensmitarbeiter und 40 Prozent der Mitarbeiter im Einzelhandel und in der Produktion sich als Bipoc (schwarz, indigen, People of Color) identifizieren würden.
So grün sich das Unternehmen gibt, so sehr neigen seine Kunden zur grünen Partei: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde von Starbucks eine Vorliebe für das Bündnis 90 Die Grünen hat, ist im Vergleich zu den Durchschnittswerten der Population um 110,4 Prozent erhöht.
Beim Thema Israel hört’s auf
Allerdings gerät die Neigung des linken Milieus auch schon mal ins Wanken, wenn es um Israel geht, da kann Howard Schultz so jüdisch und so progressiv sein, wie er will. Die Gaza-Demonstrationen machten eben auch vor Starbucks-Filialen nicht halt. In New York riefen laut Time im November 2023 Hamas-Unterstützer die selten dämliche Parole „Starbucks Starbucks you can’t hide, you make drinks for genozide“ (Starbucks Starbucks du kannst dich nicht verstecken, du machst Getränke für Völkermord), und auch in der Friedrichstraße in Berlin-Mitte drangsalierte ein antiisraelischer Mob Beschäftigte und Kunden der Café-Kette, rief „Shame on you“ und reckte den Gästen in der Filiale den Mittelfinger entgegen. Am Checkpoint Charlie soll ein Gast, der gerade eine Starbucks-Filiale verließ, von einer Frau mit Kopftuch angespuckt worden sein.
In sozialen Medien riefen Tausende von Nutzern zum Boykott auf, in Darmstadt kam es zu ähnlichen Attacken wie in Berlin. Auch die Gewerkschaft der Starbucks-Beschäftigten solidarisierte sich in einem Aufruf einseitig mit den Palästinensern in Gaza, ohne das Massaker vom 7. Oktober 2023 auch nur zu erwähnen: Israel sei allein für die Gewalt in Nahost verantwortlich und in Gaza drohe ein Völkermord. Obwohl die Geschäftsleitung den Aufruf als solchen nicht kritisierte, verbot sie immerhin die Verwendung des grünen Starbucks-Logos, was wiederum den Hass der Boykotteure befeuerte.

Als „jüdisches“ Unternehmen stößt Starbucks in der islamischen Welt auf Ablehnung.
Ein Starbucks-Franchiseunternehmen, die in Kuwait ansässige Alshaya-Gruppe, die etwa 1900 Starbucks-Filialen im Nahen Osten und Nordafrika betreibt (u.a. in Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, Libanon, Marokko und Oman), entließ während des Gaza-Krieges etwa 2000 Mitarbeiter in seinen Coffee-Shops, zehn Prozent der Beschäftigten. In Israel ist Starbucks nicht vertreten. Zwar eröffnete 2001 die erste von insgesamt sechs Filialen, doch schlossen diese zwei Jahre später – nicht aus politischen, sondern aus geschäftlichen Gründen, wie Starbucks versicherte. Was einigermaßen glaubhaft klingt, weil die mit Cafés bestens versorgten Israelis, wie auch die Italiener, auf Starbucks-Heißgetränke locker verzichten können.

Ein Palästina-Sticker auf einem Starbucks-Schaufenster.
Dass ausgerechnet Starbucks jetzt unter dem Boykott seines eigenen Milieus leidet, weil schon die Tatsache, dass Firmengründer Schultz jüdisch ist, die Antisemiten dieser Welt auf die Palme bringt, ist eine bitter-süße Ironie der Geschichte. Denn: Linke, die fortwährend das „Nie wieder“ propagieren, machen sich hier zweifellos die Nazi-Parole „Kauft nicht bei Juden“ zu eigen, wobei sie nur die Juden durch Zionisten ersetzen.
Ganz offensichtlich hat sich das ultrawoke Unternehmen dem falschen Milieu angedient – und zahlt jetzt die Zeche.
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