Schuldirektor an Deutschlands größter Problemschule: „Die Eltern zu erreichen, ist die größte Herausforderung“
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Die Friedrich-Bergius-Schule im Berliner Stadtteil Friedenau galt als Deutschlands größte Problemschule. Ende 2024 beklagten Lehrer in einem Brandbrief Mobbing, Gewalt und massive Sprachdefizite an der Schule mit hohem Migrationsanteil. Daraufhin wurde Engin Çatık als neuer Direktor an die Schule geholt, ein Mann mit Problemschulen-Erfahrung. In der Welt erzählt er, was er vorgefunden hat – und was er daraus gemacht hat. Çatık geht davon aus, dass die Krise überwunden sei, er wird die Schule im Sommer wieder verlassen.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen:
Wie der neue Direktor die Schule vorfand
„In meiner ersten Woche gab es hier einen Reizgasangriff. Die Stimmung war sehr angespannt und es herrschte viel Unsicherheit. Vor allem bei uns Lehrern ist das ein Problem, weil wir den Ton angeben sollten. Heute sind die Jugendlichen weiter anstrengend und pubertieren – aber die Krise ist vorbei. Ich kann guten Gewissens gehen. Zuerst habe ich ein Exempel statuiert: Ein Schüler benahm sich wiederholt daneben und zeigte den 90 Prozent der Klasse in einem fort, dass er machen kann, was er will. Ich habe ihn von der Schule verwiesen und das auf einem Aushang in unserer Vitrine bekannt gegeben. Fast jeden Morgen begrüße ich die Schüler am Schultor und verbringe meine Pausen auf dem Hof. Ich will sehen, wie meine Haudegen, meine zehn Prozent, drauf sind.“
Warum Pünktlichkeit so wichtig ist
„Ich musste zwischen drei Gruppen vermitteln: Eltern, Schülern und Kollegen. Ein gutes Beispiel ist Verspätung. Die Kollegen sagen: Wer zu spät kommt, hat keinen Anspruch auf Unterricht. Die Schüler sagen: Ich bin doch nur eine Minute zu spät. Wieso darf ich nicht rein? Ich habe allen erklärt, wieso ich mich für eine Verspätungsschleuse entschieden habe: Eine Viertelstunde nach Schulbeginn werden alle, die zu spät sind, gebündelt eingelassen. So wird der Unterricht nur einmal gestört. Die Eltern zu erreichen, war und ist nach wie vor die größte Herausforderung. Wir müssten noch mehr informelle Anlässe schaffen: Theaterabend, Erntedankfest, Weihnachtssingen. Dann kommen die Eltern nicht nur vorbei, wenn sich ihr Kind danebenbenommen hat. Außerdem achte ich darauf, Elternbriefe in einfacher Sprache zu formulieren. Wir haben auch darüber nachgedacht, sie zu übersetzen, aber auch die Eltern müssen Deutsch lernen.“
Über seinen eigenen Migrationshintergrund
„Meine Herkunft ist immer der Elefant im Raum, als wäre meine Arbeit leichter für einen türkischsprechenden Mann. Ich kommuniziere sensibel – normalerweise keine Zuschreibung für einen migrantischen Mann. Ich kann meine migrantischen Erfahrungen als Türöffner nutzen. Inzwischen haben sich alle Zahlen zum Positiven entwickelt: Polizeieinsätze, Gewaltmeldungen, Krankenstand, Umsetzungsanträge, Abschlussnoten, Anmeldezahlen für die neuen Jahrgänge. Damit kann ich belegen, dass wir die Krise überwunden haben. Ich gehe davon aus, dass es nach meinem Weggang so weitergehen wird. Im Sommer verlasse ich die Schule.“
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