Danger Dan erklärt in neuem Song, wie man eine Antifa-Gruppe gründet
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In „Keine Angst“ fordert der ehemalige Rapper und nun Barde „Danger Dan“ seine Hörer auf, „Faschos“ auszuspähen, persönliche Daten zu sammeln und deren Umfeld zu kontaktieren. Am Ende deutet er mögliche Gewalt an und grüßt Personen aus dem sogenannten Hammerbanden-Komplex.
Danger Dan hat in der Nacht zum Freitag seinen neuen Song „Keine Angst“ veröffentlicht. Das mehr als sieben Minuten lange Stück wirkt über weite Strecken wie eine detaillierte Anleitung zum Aufbau einer konspirativ arbeitenden Antifa-Gruppe. Der Musiker beschreibt, wie Aktivisten Geld sammeln, unerkannt politische Aktionen durchführen, vermeintliche Rechtsextremisten ausforschen und deren persönliche Daten verbreiten könnten.
Eigentlich sollte Danger Dan das Lied gemeinsam mit dem Pianisten Igor Levit in der 100. Ausgabe der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ aufführen. Der Sender sagte den Auftritt jedoch kurzfristig ab. Der Liedtext könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden, erklärte das ZDF. Ein solcher Aufruf stünde im Widerspruch zu den Programmrichtlinien. Danger Dan und Levit warfen dem Sender daraufhin einen Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit vor.
Basierend auf dem Text, der auf der Plattform „Genius“ zur Verfügung steht, wertet NIUS den Inhalt des Liedes aus.
Gruppe ohne Namen und Gründungsdatum
Zu Beginn stellt Danger Dan dem Hörer zwei Möglichkeiten vor: Entweder man warte ab, bis rechte Kräfte in Parlamenten und auf der Straße weiter erstarkten – oder man beginne sofort damit, sie zu bekämpfen, und nehme dafür Konflikte mit Polizei und Behörden in Kauf.
Anschließend wird der Text praktisch. Der Hörer solle zunächst ein oder zwei vertrauenswürdige Personen anrufen und mit ihnen eine nicht offiziell registrierte Gruppe bilden.
Zur Finanzierung empfiehlt Danger Dan Partys und kleinere Festivals in Bars oder Kneipen. Mit den dort gesammelten Spenden sollen Sprühdosen, Aufkleber und Marker gekauft werden. Die Beteiligten sollen ihre Botschaften anschließend im öffentlichen Raum verbreiten.
Danger Dan rät außerdem davon ab, die Aktionen zu fotografieren oder zu filmen. Auch später solle nur mit Menschen darüber gesprochen werden, die selbst beteiligt gewesen seien. Es gehe schließlich um „linke Straßenpolitik“ und nicht um öffentliche Aufmerksamkeit.

Ein Auszug aus dem Liedtext (Quelle: https://genius.com/Danger-dan-keine-angst-lyrics)
Keine Messenger, keine E-Mails, keine Handys
Auch die Kommunikation innerhalb der Gruppe soll nach den Vorstellungen des Musikers konspirativ erfolgen. Danger Dan warnt vor Direktnachrichten, Messengern und E-Mails. Gespräche über möglicherweise verbotene Aktionen sollten ausschließlich persönlich geführt werden.
Die Mitglieder sollen ihre Mobiltelefone zu Hause lassen, damit keine Bewegungsprofile erstellt werden können. Falls sie von der Polizei erwischt würden, sollten sie keine Angaben machen.
Der Song beschränkt sich damit nicht auf einen allgemeinen Aufruf zu politischem Engagement. Danger Dan erklärt seinen Hörern vielmehr, wie sie eine Gruppe organisieren und zugleich verhindern könnten, dass Sicherheitsbehörden ihre Kommunikation und Bewegungen nachvollziehen.
Wohnungen und Arbeitsplätze ausforschen
Im nächsten Schritt sollen die Mitglieder der Gruppe vermeintlich rechte Strukturen in ihrer Umgebung untersuchen. Danger Dan fordert dazu auf, Treffen und Demonstrationen heimlich zu fotografieren und persönliche Informationen über die beobachteten Menschen zu sammeln.
Dazu sollen Fake-Accounts bei TikTok und Telegram eingerichtet und sämtliche Äußerungen der Zielpersonen dokumentiert werden. Der Musiker schlägt außerdem vor, deren Papiermüll zu durchsuchen und ihnen bis zu ihren Häusern, Wohnungen, Treffpunkten und Bars zu folgen.
Selbst Dating-Plattformen sollen genutzt werden, um Kontakte herzustellen und an Informationen zu gelangen. Die gesammelten Daten sollen anschließend in einem „Antifaarchiv“ zusammengeführt werden. Damit beschreibt Danger Dan Methoden, die als Doxxing verstanden werden können: Persönliche Informationen werden systematisch gesammelt, ausgewertet und für politischen oder gesellschaftlichen Druck nutzbar gemacht.
Namen und Adressen im Wohnviertel verbreiten
Danger Dan erinnert anschließend an sogenannte Outingaktionen. Fotos, Namen, Funktionen und Adressen vermeintlicher Rechtsextremisten sollen demnach in ihren Wohnvierteln verbreitet werden.
Zusätzlich sollen die Aktivisten Schulen, Universitäten und Arbeitgeber kontaktieren und sie über die politische Haltung der Betroffenen informieren. Auch Lokalzeitungen sollen mit Material versorgt werden.
Eine rechtskräftige Verurteilung oder eine konkrete Straftat nennt Danger Dan dabei nicht als Voraussetzung. Es genügt, dass die Mitglieder der selbst gegründeten Gruppe eine Person als „Nazi“ oder „Fascho“ einstufen.

Ein Auszug aus dem Liedtext (Quelle: https://genius.com/Danger-dan-keine-angst-lyrics)
„Wir legen sie lang“
Im letzten Teil des Songs wird der Ton deutlich aggressiver. Weil Sicherheitsbehörden rechte Strukturen angeblich nicht bekämpften, sondern förderten, sollten die Aktivisten ihre Sicherheit selbst organisieren. Danger Dan fordert sie dazu auf, gemeinsam zu trainieren und sich auf körperliche Auseinandersetzungen vorzubereiten.
Schon bei der ersten zur Finanzierung veranstalteten Party könne es vor der Tür zu einer Konfrontation kommen. Deshalb sollten die Beteiligten nach Aussage des Musikers von Anfang an damit rechnen, dass es „kracht“.

Ein Auszug aus dem Liedtext (Quelle: https://genius.com/Danger-dan-keine-angst-lyrics)
Besonders offen bleibt die Aufforderung, für diesen Fall „Überraschungen“ dabeizuhaben. Was damit gemeint ist, spricht Danger Dan nicht aus. Stattdessen verweist er selbst auf eine juristische Grauzone und erklärt, es sei ohnehin klar, was zu tun sei.
Die Kombination aus konspirativer Organisation, dem Ausspähen möglicher Gegner, Kampftraining und der geplanten Vorbereitung auf Konfrontationen kann jedoch als Ermutigung zu organisierter politischer Gewalt verstanden werden. Zu dieser Bewertung kam auch das ZDF.
Am Ende des Liedes nennt Danger Dan vier Namen: „Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk“. Damit dürften Personen aus dem Umfeld der sogenannten Hammerbande beziehungsweise des „Budapest-Komplexes“ gemeint sein.
Im Spiegel erklärte Danger Dan, dass er mit dem Song niemanden dazu aufrufe, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es gehe darum, wie wirksame Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können. „Dafür muss man nicht in den Untergrund, das geht auch aus der Mitte der Gesellschaft.“
NIUS fragte Danger Dan zu seinem Lied an. Eine Antwort steht bislang aus, wird aber gegebenenfalls ergänzt.
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