Wegen explodierender Spritpreise: Verkehrsminister Schnieder empfiehlt Bürgern Umstieg auf Deutschlandticket
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Vor dem Hintergrund des Irankriegs und steigender Spritpreise hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zum Umstieg auf das Deutschlandticket der Bahn aufgerufen, und das, obwohl die Deutsche Bahn selbst in marodem Zustand steckt und mit chronischen Verspätungen kämpft, wie der Minister eingestand. Das Ticket sei mit 63 Euro „immer noch weitaus günstiger als reguläre Monatskarten – und das bei deutschlandweiter Einsatzmöglichkeit“, so Schnieder gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Für weite Teile unseres Landes kann ich nur empfehlen, auf das Deutschlandticket umzusteigen – gerade in der jetzigen Situation.“
Der Appell kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bahn alles andere als verlässlich wirkt. Im vergangenen Jahr waren lediglich rund 60 Prozent der Fernzüge pünktlich unterwegs. Bahnchefin Evelyn Palla macht wenig Hoffnung auf rasche Besserung: Die überalterte und überlastete Infrastruktur lasse keine spürbare Verbesserung zu. Selbst das bescheidene Ziel des Ministers für 2026 – 70 Prozent pünktliche Züge – steht angesichts von Extremwetterlagen im Januar und Februar auf wackeligen Beinen. Das frühere Vorstandsziel von 75 bis 80 Prozent bis 2027 nannte Schnieder ein „Wolkenkuckucksheim“. Man müsse realistisch bleiben, „sonst sind die Menschen noch viel enttäuschter, wenn das nicht annähernd erreicht wird“.
Dennoch will Schnieder auf die Schiene setzen. Bis 2029 sollen im Fernverkehr 70 Prozent der Züge pünktlich sein. Die Sanierung der 42 wichtigsten Hochleistungskorridore laufe bis 2036, betonte er: „Dann haben wir die wichtigsten Strecken auf Vordermann gebracht.“ Drei Sofortprogramme der „Agenda für zufriedene Kunden“ sollen den Fahrgästen schon bald die Situation bei Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen, Komfort in den Fernverkehrszügen und Informationen bei Verspätungen und Gleiswechseln verbessern. Eine Task-Force setzt zusätzlich auf „Joker-Gleise“ an Bahnhöfen für mehr Flexibilität und „Flex-Abfahrten“. Die Maßnahmen würden in den kommenden Monaten umgesetzt und Anfang 2027 überprüft, so Schnieder. Es sei nicht das Ziel, weniger Züge fahren zu lassen.
Zustand der Bahn gehe in eine „demokratiegefährdende Richtung“
Die Finanzierung des Deutschlandtickets, das zum Jahresende 2025 bereits 14,6 Millionen Menschen genutzt haben, sei bis 2030 gesichert. Eine Rückkehr zum Neun-Euro-Ticket, wie von Grünen und Linkspartei gefordert, lehnt der CDU-Politiker ab. Stattdessen warnte er eindringlich vor dem Vertrauensverlust in den Staat. „Das geht schon in eine demokratiegefährdende Richtung“, sagte Schnieder der Funke Mediengruppe. „Es ist brandgefährlich, wenn immer mehr Menschen den Eindruck bekommen, dass der Staat nicht funktioniert. Das dürfen wir nicht befeuern.“ Und weiter: „Wir dürfen nicht einreißen lassen, dass die Menschen glauben, der Staat bekommt Probleme wie marode Brücken oder notorisch verspätete Züge nicht in den Griff.“ Man müsse zeigen, dass man handlungsfähig sei.

Der Verkehrsminister sagte, der Zustand der Bahn gehe in eine „demokratiegefährdende Richtung“.
Konkrete Alternativen zur Entlastung der Autofahrer wies Schnieder zurück. Dem Vorschlag von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Spritpreisgrenzen nach dem Vorbild Luxemburgs einzuführen, erteilte er eine Absage. In Luxemburg gebe es Einheitspreise. „Das ist ein starker Eingriff in den Markt, der Wettbewerb behindert“, sagte der CDU-Minister. „Das sollten wir nur im absoluten Notfall in Betracht ziehen.“ Auch ein Tempolimit auf Autobahnen lehnt er ab: „Wer verhalten fährt, spürt das im Geldbeutel. Das merken die Leute auch ohne Tempolimit.“
Um den steigenden Spritpreisen zumindest etwas entgegenzuwirken, hatte am Freitag neben dem Bundestag auch der Bundesrat einem sogenannten Kraftstoffmaßnahmenpaket zugestimmt: Tankstellen dürfen Preise künftig nur einmal am Tag – um 12 Uhr mittags – erhöhen, senken dagegen jederzeit. Zudem soll das Kartellrecht verschärft werden. Die Deutsche Bahn selbst schrieb im vergangenen Jahr erneut einen Milliardenverlust, obwohl die Zahl der Reisenden weiter stieg. Schnieder weiß, was auf dem Spiel steht: „Wir müssen zeigen, dass wir handlungsfähig sind.“
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