Erstmals Umsatzsteuer auf Bratwürste und Bier: Heute größtes EU-Bürokratie-Osterfeuer aller Zeiten
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In Moorrege im Kreis Pinneberg wird beim Osterfeuer 2026 weder Bier noch Bratwurst verkauft. Stattdessen gilt für die Besucher Selbstversorgung – und Grund hierfür ist ein neuer Steuer-Irrsinn, der aus Brüssel kommt. „Aus steuerlichen Gründen bitte Essen und Getränke selbst mitbringen“, prangt als Hinweis in diesem Jahr auf den Plakaten, mit denen die Gemeinde das Osterfeuer am heutigen 4. April ankündigt, bericht das Hamburger Abendblatt ebenso wie der Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag.
Anders als in den Jahrzehnten zuvor wird die Moorreger Feuerwehr 2026 weder Gegrilltes noch Getränke anbieten, bestätigt auch Wehrsprecher Christian Woßnik. Der Grund sei laut Woßnik eine Steuerreform, die Kommunen und ihre Feuerwehren wie private Unternehmen behandelt: „Aufgrund einer Steuerreform sind wir als Freiwillige Feuerwehr seit vergangenem Jahr umsatzsteuerpflichtig.“

Besucher eines Osterfeuers in Aschersleben in Sachsen-Anhalt versammeln sich hinter Absperrband.
Hintergrund ist der neue Paragraf 2b des Umsatzsteuergesetzes (UStG). Er verpflichtet Kommunen, für alle wirtschaftlichen Tätigkeiten, die in Wettbewerb zu privaten Anbietern stehen, Umsatzsteuer abzuführen. Die Neuregelung geht auf eine EU-Forderung nach Wettbewerbsneutralität zurück: Professionelle Caterer, die schon immer Steuern zahlen mussten, sollten nicht benachteiligt werden gegenüber kommunalen Einrichtungen, die bisher keine Abgaben entrichten mussten. Bereits 2017 vom Bundestag beschlossen, wurde die Umsetzung mehrfach verschoben. Spätestens ab 1. Januar 2027 gilt die Pflicht flächendeckend – doch im Kreis Pinneberg haben viele Kommunen, darunter Moorrege, die Reform bereits früher umgesetzt.
Kommunen wollen nun Getränke auf Spendenbasis anbieten
„Leider hat sich im vergangenen Jahr gezeigt, dass die kleinen Gewinne aus dem Verkauf von Speisen und Getränken beim Osterfeuer größtenteils durch die Steuerlast aufgezehrt werden“, sagt Woßnik gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Für die ehrenamtlich arbeitenden Feuerwehrkameraden sei das besonders bitter. „Das alles für die Steuer aufzubereiten, ist für die Feuerwehren ein irrsinniger bürokratischer Aufwand“, kritisiert auch Michael Rahn, Bürgermeister der Nachbargemeinde Hetlingen. Jede verkaufte Wurst, jeder Becher Bier müsse einzeln verbucht und abgerechnet werden, dazu komme die Umsatzsteuererklärung.

Auch in diesem Jahr ist die Feuerwehr in Norddeutschland vor Ort – allerdings nur zur Brandsicherung, nicht mehr als Bier- und Brötchenverkäufer.

Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen ein brennendes Reetdachhaus in Moorrege in Norddeutschland.
In Hetlingen hat sich die Feuerwehr deshalb ebenfalls zurückgezogen. Rahn sprang kurzfristig als Veranstalter ein: Professionelle Unternehmen übernehmen Wurst und Stockbrot, die Getränke werden von einer Wahlgemeinschaft ehrenamtlich gegen Spende abgegeben. Ein eventueller Überschuss geht an die örtlichen Kitas. „Wir gucken mal, wie es mit diesem Konzept funktioniert“, sagt Rahn.
„Weil die Feuerwehren Teil der Gemeinde sind, gilt die Steuerpflicht auch für sie“, so Moorreges Bürgermeister Wolfgang Balasus. Die Feuerwehren bleiben dennoch vor Ort – allerdings nur zur vorgeschriebenen Brandwache. „Wir stellen nur die Brandwache“, heißt es in Hetlingen und Moorrege. Die eigentliche Tradition, das gesellige Beisammensein mit Bratwurst und Bier, droht zur reinen Selbstversorgungsveranstaltung zu werden.
In Moorrege hofft man auf neue Konzepte. Die Gemeindevertretung hat bereits beschlossen, die durch die Steuer entstehenden Verluste der Feuerwehr auszugleichen. „Wir möchten auch in Zukunft wieder Veranstaltungen für Groß und Klein in Moorrege anbieten“, betont Woßnik.
Doch das Osterfeuer 2026 wird erst einmal zum Testfall für das, was viele Kommunen ab 2027 erwartet: das größte EU-Bürokratie-Osterfeuer aller Zeiten.
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