„Täglich Schlägereien, kein Deutsch, keine Zukunft“: Lehrer packt aus – was in Integrationsklassen schief läuft
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Das deutsche Bildungssystem gleicht einem Scherbenhaufen. Politiker fordern Reformen, doch die bleiben aus. Jetzt packt ein Quereinsteiger-Lehrer bei NIUS schonungslos aus: Er unterrichtet Integrationsklassen an einer Realschule in Nordrhein-Westfalen und spricht anonym über fehlende Deutschkenntnisse, tägliche Gewalt, offenen Antisemitismus und die Islamisierung des Klassenzimmers.
NIUS: Viele Lehrer haben Angst, sich offen zu äußern. Riskieren Sie Ihren Job, wenn Sie die Realität öffentlich beschreiben?
Lehrer: Ja, durchaus. Es gibt einen klaren politischen Druck. Wenn man dem nicht gerecht wird, wird es schnell schwierig, den Job zu behalten.
Schüler einer Integrationsklasse in Deutschland (Symbolbild)
NIUS: Sie unterrichten unter anderem in Integrationsklassen. Um was handelt es sich bei diesen Klassen?
Lehrer: Konzeptuell verfolgen sie das Ziel, Schüler auf den Regelunterricht vorzubereiten. In der Praxis findet die Eingliederung nur sehr sporadisch statt. Ich persönlich habe eine Handvoll Wechsel in den Regelunterricht miterlebt. Selbst unter dem abgesenkten Niveau ist das bei weit über 90 Prozent der Schüler nicht absehbar. Jedem Involvierten ist vollkommen klar, dass das zum allergrößten Teil nichts werden kann. Es ist wie ein kafkaeskes Schauspiel.
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16-Jährige, die an Grundrechenarten scheitern
NIUS: Woran scheitert die Integration?
Lehrer: Auf Platz eins ist die Tatsache, dass es unüberbrückbare, sprachliche Barrieren gibt. Die Mehrheit der Schüler versteht nicht, was ich überhaupt von ihnen möchte. Ich gebe Mathe-Unterricht und schaue oft in leere Gesichter. Ich spreche kein Arabisch, und es stehen keine Dolmetscher im Unterricht zur Verfügung. Manchmal komme ich mir selbst albern vor – ich weiß, dass ich die Hälfte der Schüler auch einfach raus zum Spielen schicken könnte, weil die in etwa genauso viel davon hätten.
Darüber hinaus ist das allgemein niedrige Bildungsniveau ein Problem. Auch Schüler, die 15, 16 Jahre alt sind, beherrschen häufig nicht mal die Grundrechenarten. Der Anteil an Analphabeten ist hoch und ich bin pädagogisch gar nicht angemessen geschult, mit Menschen umzugehen, die nicht mal grundlegende alphabetische Fähigkeiten besitzen und maximal ihren Namen schreiben können.
NIUS: Wenn Sie von Ihren Schülern sprechen – wie muss man sich diese Schülerschaft vorstellen?
Lehrer: Grundsätzlich sind das Flüchtlinge, wobei der Begriff unscharf ist. Die meisten bei mir sind in Spanien geborene Marokkaner. Darüber hinaus gibt es Pakistani, Syrer, Somalier und ein paar Ukrainer. Annähernd alle Familien sind von Transferleistungen abhängig. Das ist definitiv ein Anreiz. Wirkliche Kriegserfahrungen haben nur die Ukrainer gemacht.
Im Interview berichtet der Lehrer von Schülerinnen, die schon vor ihrem zehnten Lebensjahr ein Kopftuch tragen.
NIUS: Gibt es denn Lichtblicke?
Lehrer: Mir fallen nur zwei Mädchen ein, deren Eltern Wert auf Bildung legen. Wenn ich in die Klasse gehe, denke ich an diese beiden. Zumindest für die kann ich das irgendwie machen. Das ist eine katastrophale Quote bei einer Klasse mit über 30 Schülern.
„Eine Suspendierung ist eher eine Belohnung“
NIUS: Wie präsent ist Gewalt in Ihrem Berufsalltag?
Lehrer: Es ist annähernd jeden Tag so, dass jemand geschlagen wird. Das erprobte Mittel, mit Konflikten umzugehen, ist, sich gegenseitig zu bedrohen, zu beleidigen, zu schlagen und dann schon im Unterricht zu wissen: In der Pause geht das weiter. Ich bin bei mehreren Schlägereien dazwischengegangen. Die Schulleitung hat zwar gesagt, wir sollen das nicht machen – aber wenn ich sehe, dass sie sich brutal verkloppen, will ich als Erwachsener nicht danebenstehen.
Letztens wurde einem Mädchen eine volle Wasserflasche vor den Kopf gehauen. Es kam zu einer Gehirnerschütterung, der Kreislauf brach zusammen, ein Krankenwagen kam. Juristisches Nachspiel hatte das allerdings nicht. Sanktionen wie „gelbe Karten“ sind stumpfe Schwerter. Eine Suspendierung ist eher eine Belohnung – man bekommt ein paar Wochen Aufgaben nach Hause, die man dann einfach nicht macht.
An der Realschule kommt es täglich zu gewalttätigen Vorfällen.
NIUS: Was für ein Frauenbild haben Ihre männlichen Schüler?
Lehrer: Schülerinnen werden häufig mit obszönen Begriffen wie „Hure“ beleidigt. Lehrerinnen haben es definitiv schwieriger. Wäre ich eine weibliche Lehrerin, hätte ich schon längst aufgehört. Als Frau ist das schon echt übel. Man sieht es vielen Kolleginnen an, dass sie mit den Nerven fertig sind. Die, die mit Flüchtlingsklassen zu tun haben, sind in der Regel immer recht junge Frauen – allein das deutet schon darauf hin, dass die wenigsten das langfristig machen. Und die jungen Lehrerinnen werden einfach „verbrannt“.
Offener Antisemitismus und Hitler-Verharmlosung
NIUS: Gibt es Probleme mit Antisemitismus?
Lehrer: Bei einem Projekt wurden Plakate über verschiedene Religionen erstellt, und als ich an dem Tisch war, an dem ein Plakat für das Judentum angefertigt wurde, habe ich Sachen gehört, die ziemlich unglaublich sind. Da merkt man eine gewisse Ablehnung anderer Glaubensrichtungen und insbesondere einen manchmal latenten, manchmal sehr offen durchschimmernden Antisemitismus. Auch eine Verharmlosung des Nationalsozialismus ist völlig normal – die Quintessenz ist: Was Hitler damals gemacht hat, war nicht alles richtig, aber mit den Juden hatte er recht. „Du Jude“ ist eine häufige Beleidigung an der Schule.
Als am 7. Oktober die Massaker in Israel passierten, habe ich gehört: Endlich tut mal jemand was gegen Israel – die haben es verdient. Keinerlei Differenzierung, dass es sich um Zivilisten handelte. Dabei hätten sie das nie gesagt, wenn Muslime die Opfer gewesen wären. Da merkt man diesen Tribalismus: Opferstatus wird nur jemandem zuerkannt, mit dem man sich identifizieren kann.
Es wird auch nicht sanktioniert. Wenn von Kollegen dann nur so eine halbgare Ermahnung die Folge ist, wird das nicht ernst genommen.
Ich habe auch muslimische Freunde. Aber diesen latenten Antisemitismus kriegt man einfach nicht weg. Man muss nur ein bisschen bohren und dann entdeckt man ihn ziemlich schnell.
NIUS: Welche Rolle nimmt der Islam im Schulalltag ein?
Lehrer: Der Islam dominiert den gesamten Alltag. Eigentlich hat jeder Schüler bis auf die ukrainischen Schüler einen muslimischen Hintergrund. Wir hatten Ramadan – da hat jeder im Grunde genommen gefastet, bis auf die ukrainischen Schüler. Es hatte sich durchgesetzt, dass die ukrainischen Schüler, wenn sie etwas trinken oder essen wollen, den Raum zu verlassen haben. Als mir das erzählt wurde, bin ich vom Glauben abgefallen. Dann habe ich erfahren, dass es explizite Rückendeckung einer Kollegin gab, die das sogar selbst befürwortet oder angeregt hat. Da habe ich mir wirklich Sorgen gemacht: Dass wir jetzt schon an dem Punkt sind, wo wir aus vorauseilendem Gehorsam christliche Schüler vor die Tür schicken, weil sie es wagen, an Ramadan etwas zu essen, dann haben wir es echt geschafft.
Kopftücher und Hijab gibt es schon vor dem zehnten Lebensjahr. Ich habe den Eindruck, dass die hiesigen Muslime sich genau aus den Gruppen rekrutieren, die innerhalb ihrer Heimat schon als rückständig gelten. Wenn man sich die Schule anguckt, könnte man annehmen, dass in jedem Heimatland die Scharia herrscht.
Religion im Klassenzimmer: Der Islam im Fokus
Die bittere Wahrheit: Nur eine komplette Kehrtwende kann noch helfen
NIUS: Gibt es positive Zukunftsaussichten?
Lehrer: Die einzige Lösung, die ich auf dem Schirm hätte, wäre eine komplette Wende bei der Migration und aktiv darauf hinzuwirken, dass Menschen, die über den Flüchtlingsstatus hergekommen sind, diesen aber tatsächlich nicht haben – was bei den meisten der Fall zu sein scheint –, dass sie zurück in ihre Heimat müssen. Wir haben die Kapazitäten einfach nicht mehr.
Selbst wenn die Grenzen geschlossen würden, bliebe das Problem bestehen. Die besagten Kulturen haben zudem hohe Geburtenraten. Vier bis fünf oder mehr Kinder sind der Normalfall. Aktuell ist es ein Verlierersystem: Weder die Schüler noch die Lehrer noch die Gesellschaft gewinnen etwas dabei.
NIUS: Denken Sie daran, aufzuhören?
Lehrer: Definitiv. Ich suche noch nach einem Ausweg, denn das würde mich langfristig zu einem unglücklichen Menschen machen. Ich werde das definitiv nicht für immer machen und im Idealfall schneller als später aus dieser Sache wieder aussteigen.
NIUS: Danke für das Gespräch!
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Florian Morsch
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