Friedrich Merz entgleitet alles
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Friedrich Merz ist die Karikatur eines Kanzlers.
Ein solches Urteil ist keine Polemik. Es handelt sich um eine Zustandsbeschreibung. Dann nämlich, wenn man unter einem Bundeskanzler einen Politiker mit bestimmten Eigenschaften versteht: einen kompetenten Politiker, der nicht nur die Backen aufbläst, sondern markigen Sprüchen machtvolle Taten folgen lässt.
Die aktuelle Folge „Kissler Kompakt“ sehen Sie hier:
Einen Politiker, auf dessen Wort man sich verlassen kann, der die Wirklichkeit zur Kenntnis nimmt, der Probleme anpackt, der zuhören kann, abwägen und entscheiden. Wenn man unter einem Bundeskanzler einen Politiker mit solchen Eigenschaften versteht, dann ist Friedrich Merz die Karikatur eines Kanzlers. Ihm entgleitet alles.
Merz ist der Fortsetzer von Scholz
Merz wollte das Gegenteil seines Amtsvorgängers sein. Merz wollte so werden, wie Scholz nie war. Nun stellt sich heraus: Merz ist der Fortsetzer von Scholz. Was Oppositionsführer Friedrich Merz Kanzler Olaf Scholz vorwarf, trifft heute auf Merz zu.
Merz kritisierte an Scholz genau das, was heute an Merz zu kritisieren ist: dass da einer seinem Amt nicht gewachsen ist, weil er die Wirklichkeit nicht wahrhaben will – die traurige Wirklichkeit eines Landes im Sinkflug.
Merz entgleiten die Dinge heute so, wie sie Scholz entglitten sind. Merz entgleitet die Regierung, die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Partei. Merz will all das nicht wahrhaben. Er lebt in seinem eigenen Kosmos.
Was nämlich sagte Merz, an Kanzler Scholz gerichtet? Am 13. November vergangenen Jahres klang es so:
Heute hat Merz selbst nicht verstanden, was „draußen im Lande im Augenblick geschieht“. Heute lebt Merz in seinem „eigenen Kosmos“, in seiner „eigenen Welt.“ Beispiele gefällig?
Merz singt das hohe Lied auf den Industriestandort Deutschland, während dieser vor unser aller Augen zerbröselt. Merz träumt allen Ernstes davon, dass „Deutschland Technologieführer werden soll im Bereich möglichst aller Zukunftstechnologien.“ Derweil scheitert Deutschland schon an einer Digitalisierung, die ihren Namen verdient.
Die SPD in offener Feldschlacht
Merz lobt das gute Klima in der Regierung, obwohl die SPD zur offenen Feldschlacht gegen die Union übergegangen ist. Klingbeil bekämpft als Vizekanzler die Pläne und die Aussagen des Kanzlers. Gerade so, als müsste da ein Antifa-Lars im Alleingang den Kapitalismus besiegen. Merz entgleitet alles.
Was nämlich sagte Merz, abermals an Kanzler Scholz gerichtet? Am 27. August vergangenen Jahres klang es so:
Merz bezog sich auf den islamistischen Anschlag von Solingen und meinte doch ein generelles Versagen. Ein Kanzler – damals hieß er Scholz –, dem die Bevölkerung abhandenkommt, weil er für deren drängende Probleme keine Lösungen weiß, ist faktisch kein Kanzler mehr. Eine solche Karikatur eines Kanzlers war damals Scholz und ist heute Merz.
Merz stärkt die AfD
Es war Merz, der Scholz vorwarf, was man heute Merz ankreiden muss: durch mieses Regieren die AfD immer größer zu machen. Am 11. Februar dieses Jahres klang es so:
Heute steht die AfD in Umfragen bei bis zu 27,5 Prozent – und konstant auf Platz 1. Merz hat die Union in die Regierung geführt, zugleich aber den Niedergang beschleunigt. Merz ist die Karikatur eines Kanzlers, weil ihm auch die Partei längst entglitten ist. Funktionäre üben sich in Treueschwüren. An der Basis wächst die Verzweiflung.
Die AfD steht bereit, enttäuschte Wähler einzusammeln. Die Linken hoffen auf linke Mehrheiten, wenn sie den „Kampf gegen Rechts“ auf die Union ausweiten.
Merz ist der Nachlassverwalter eines Erbes, das er ausschlug: das Erbe der CDU als einer konservativen Volkspartei. Da gilt der alte Satz: Nach ihm die Sintflut.
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Alexander Kissler
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