Sexpuppe auf Schloss Bellevue: Steinmeier hat die Würde seines Amts nicht begriffen
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Frank-Walter Steinmeier freut sich über eine Sexpuppe. Der Bundespräsident öffnet seinen Amtssitz für eine weit geöffnete Vagina. Sie ist Teil der Ausstellung „Freiraum Kunst“. Steinmeier ist der Schirmherr, die Akademie der Künste hat die Objekte ausgesucht. Danach wird Schloss Bellevue renoviert. Steinmeier zieht in ein teures Provisorium. Bald wird es einen neuen Präsidenten geben.
Momentan aber reckt die Sexpuppe ihr Hinterteil Steinmeiers Dienstzimmer entgegen. Um Kunst handelt es sich schon: um die Kunst eines Staatsoberhaupts, den persönlichen Geschmack über die Würde des Amts zu stellen. Das Gastspiel der Sexpuppe ist insofern ein echter Steinmeier. Dieser Präsident kann nur sich repräsentieren, nicht sein Land und nicht sein Volk.
„Kissler Kompakt“ vom 18. Juni sehen Sie hier:
Ruhe als Bürgerpflicht
Steinmeier ist ein Bedeutungshuber der schlichten Sorte. Ergriffen ist er nur von den eigenen Worten, interessiert nur an den eigenen Werten. Von seinen Reden bleibt der Umstand, dass sie stattfanden. Um sich an die Inhalte erinnern zu können, müssten die Reden einen Inhalt gehabt haben.
Meistens bestanden sie aus seifigen Appellen, dem Staat bitte zu vertrauen und an der Weisheit der sogenannten demokratischen Mitte nicht zu zweifeln. Steinmeier war der besserwisserische Onkel, der aus der Vergangenheit zu Besuch kam. Er machte sich eine Formel aus dem alten Preußen zunutze: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!
Der oberste Phrasenbenutzer
Auch bei der Eröffnung von „Freiraum Kunst“ lobte Steinmeier als Deutschlands oberster Phrasenbenutzer die Vielfalt. Die Freiheit der Kunst, die Steinmeier zuvor würdigte, ist eine relative. Steinmeier wünscht sich eine Kunst, die so frei ist, die Staatsmoral zu loben.
Die vermeintliche Vielfalt muss preisen, wer vor den Augen des Staatsoberhaupts Gnade finden will. Gemeint ist die Vielfalt der Herkünfte und Hautfarben und Religionen, weniger die Vielfalt der Meinungen. Auch die Kunst wirft Steinmeier ins Säurebad der Floskeln. Sie soll – natürlich – Finger in Wunden legen.
Die Sexpuppe auf Schloss Bellevue eröffnet in der Tat ganz überraschende Perspektiven – wenn auch eher nach innen als nach vorne. Der weibliche Torso kniet, die Beine sind gespreizt, die Vagina gibt den Blick frei. Das Objekt von Alexandra Bircken besteht nicht aus Plastik, sondern aus Bronze. Es ist ein grüner Abguss, kein fleischfarbenes Männerspielzeug.
Doch genügt Steinmeiers summarischer Hinweis, in dieser Ausstellung seien „wirklich herausragende Werke zeitgenössischer Kunst“ versammelt? Ein nacktes primäres weibliches Geschlechtsorgan ist ein nacktes primäres weibliches Geschlechtsorgan. Es hat nichts mit Prüderie zu tun, wenn man feststellt, dass solche Zurschaustellung am Amtssitz des Staatsoberhaupts nichts zu suchen hat.
Phrasenkönig ohne Land
Schloss Bellevue war nicht der temporäre Erstwohnsitz des Genossen Frank-Walter. Schloss Bellevue verkörpert ein Land, das nur vorübergehend von Steinmeier vertreten wurde. Steinmeier war Mieter, nicht Besitzer.
Der Skandal um die Sexpuppe zeigt: Frank-Walter Steinmeier kämpft bis zuletzt gegen die Würde jenes Amts, das er innehat. Er ist ein Phrasenkönig ohne Land.
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Alexander Kissler
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