Wo der Fernsehrat dem Intendanten applaudiert: Himmlers ZDF ist unreformierbar geworden
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Das ZDF hat sich in den Bunker zurückgezogen. Himmlers Sender bügelt Kritik ab und findet sich unwiderstehlich. Die jüngste Sitzung des Fernsehrats belegt es. Der Fernsehrat sollte eigentlich im Namen der Gesellschaft das ZDF kontrollieren. Stattdessen huldigt der Fernsehrat dem Intendanten Norbert Himmler. Der Applaus ist seine Erkennungsmelodie.
Demokratie kennt der Fernsehrat aus dem Fremdwörterlexikon. Der Fernsehrat lobt, was es nicht gibt, eine neue Fehlerkultur. Der Fernsehrat freut sich, wenn das ZDF seine Indoktrination auf Schüler ausweitet und nennt es Demokratieschulung. Der Fernsehrat ist der 60-köpfige Beweis, dass das ZDF reformunfähig ist – und unreformiert bleiben will.
„Kissler Kompakt“ vom 23. Juni sehen Sie hier:
Kein Gegenkandidat für Hasselfeldt und Himmler
Pjöngjang wäre stolz und Peking zufrieden: Im Fernsehrat wählt man am liebsten ohne Auswahl. Bei der Wiederwahl Himmlers zum Intendanten gab es keinen Gegenkandidaten. Bei der Wiederwahl Gerda Hasselfeldts zur Fernsehratsvorsitzenden gab es keinen Gegenkandidaten.
Wer sich die Stärkung der Demokratie auf die Fahnen schreibt – sollte der nicht stärker auf demokratische Prinzipien achten? Stattdessen wurde die ehemalige CSU-Ministerin Hasselfeldt mit 43 von 46 Stimmen im Amt bestätigt. Das sind 93,5 Prozent. Peking und Pjöngjang wären zufrieden.
Hasselfeldt ist sich für keinen Lorbeerkranz an den Intendanten zu schade. Sie gehört dem inoffiziellen Himmler-Fanclub an. Legendär sind Hasselfeldts gestammelten Spontaninterventionen.
Hasselfeldt sagt: „Wir spüren, dass die Zusammenarbeit …“ Hasselfeldt sagt weiter: Die Zusammenarbeit bestehe „zwischen den Mitgliedern des Fernsehrats und den Diskussionen“.
Wenn das Loriot erleben dürfte. Sätze ohne Verb, Hauptwörter, die nicht zusammenpassen – so redet die Karikatur eines Politikers. So redet Gerda Hassselfeldt. Ein Sechsämtertropfen auf das gegenseitige Verständnis!
Handwerkszeug Sorgfalt?
Und wo soll sich der Kulturwandel, wo soll sich die reihum gelobte neue Fehlerkultur zeigen? Himmler weiß Bescheid. Der Intendant schwenkt das Weihrauchfass in eigener Sache. Er lobt wörtlich „Präzision, Sorgfalt und Exaktheit“ als Handwerkszeug des Zweiten Deutschen Fernsehens. Und er nennt die Moderations-Lüge im ZDF, Elon Musk habe zur Jagd auf Migranten aufgerufen, bloß eine „nicht adäquate“ Formulierung.
Himmler agiert seinerseits nicht adäquat. Aufgefallen war die Lüge aufmerksamen Beobachtern in den sozialen Medien. Sonst wäre das ZDF vielleicht nach dem Motto verfahren, das versende sich. Mit Elon Musk treffe es eh den Richtigen.
ZDF in den Schulen
Ungestillt bleibt dennoch das Sendungsbewusstsein der Mainzer. Intendanz, Direktion und Fernsehrat sind begeistert, dass immer mehr Schulen von ZDF-Moderatoren heimgesucht werden.
Das war Florian Kumb, der sogenannte Direktor Audience. Die Euphorie kennt keine Grenzen. Über 100 Partnerschulen öffnen also ihre Pforten für das ZDF. Bringt den Schülern dort Elmar Theveßen bei, wie faschistisch die USA seien? Oder Dunja Hayali, warum es im Nachrichtengeschäft vor allem auf linke Haltung ankomme?
Fernsehratsmitglied Susanne Lin-Klitzing vom Deutschen Beamtenbund tut, was Fernsehräte am liebsten tun. Sie applaudiert der Senderleitung. Den über 100 Partnerschulen bringe man doch ganz fabelhaft Demokratie bei.
Der von Frauen dominierte Fernsehrat ist die liebste Echokammer des Intendanten. Politiker und sogenannte zivilgesellschaftliche Organisationen bestätigen den richtigen Kurs. Programmbeschwerden werden abgebügelt. Das Publikum stört. Zahlen darf es, mitreden nicht.
Da helfen keine Retuschen, da hilft nur die Zerschlagung. Mit diesem selbstbezüglichen Kreislauf muss es ein Ende haben.
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Alexander Kissler
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