Polyhochzeit und mehr: Die evangelische Kirche ist zum Tollhaus geworden
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Die Evangelische Kirche ist zum Tollhaus geworden. Die Einen sagen: Es sei doch schön, wenn eine altehrwürdige Institution sich locker mache. Die Anderen sagen: Die Kirche sei kein linker Aktivistenverein, sondern müsse Kirche bleiben. Ich gehöre zur Gruppe der Anderen.
Die aktuelle Folge „Kissler Kompakt“ sehen Sie hier:
Die evangelische Kirchensteuerkirche ist nicht mehr ernst zu nehmen, weil sie sich nicht ernst nimmt. Sie veralbert den Glauben im Namen der Kirche. Die jüngste Pseudo-Hochzeit von vier Männern ist nur das aberwitzigste Beispiel. Diese Kirche schafft sich ab, aus freien Stücken. Wenn die evangelische Kirchensteuerkirche sich selbst zu Grabe trägt, heißt es frei nach Goethe: Kein Geistlicher hat sie begleitet.
Evangelische „Pride-Edition“
Bereits im Juli hat eine Berliner Pfarrerin eine „Polyhochzeit“ für vier Männer veranstaltet. So formulierte es die Pfarrerin, die auch Aktivistin sein will und die Lena Müller heißt. Frau Müller sagt nun in einem Interview: Es habe sich um eine „kleine gottesdienstliche Zeremonie“ gehandelt im Rahmen eines „Pop-Up-Hochzeits-Festivals“ der evangelischen Landeskirche.
Das Festival „zum Heiraten“ habe als „Pride-Edition“ besonders für „queere Personen“ stattgefunden. Auf ihrem Instagram-Account weist Frau Müller darauf hin.
„Kirche goes Pride“: vor rosa Hintergrund eine lächelnde Frau Müller mit Talar, Beffchen und rot eingefärbten Haaren. Daneben zwei blonde Frauen in kurzen Hosen. Offenbar wollen sie sich vermählen oder zumindest segnen lassen.
Theologischer Nonsens
Die Berliner Kirchenleitung beharrt nun, da die „Polyhochzeit“ der vier Männer ruchbar wurde: Es sei keine kirchliche Trauung gewesen. Eine solche sei nur für jeweils zwei bereits standesamtlich verheiratete Personen möglich.
Doch angesichts der raschen Abwärtsfahrt hin zum theologischen Nonsens: Glaubt jemand, die evangelische Kirchensteuerkirche von morgen fühle sich an ihr heutiges Verbot gebunden?
Da war doch Segen!
Frau Müller sprach von Hochzeit und Vermählung. Sie verscherbelte die Heirat für das Linsengericht einer spontanen Betroffenheit. Im Interview sagt sie: Von den vier Männern stammten zwei aus Lettland, einer aus Thailand, der dritte, glaube sie, aus Spanien. Nicht einmal die Kontaktdaten lägen ihr vor.
Das aber heißt: Die Pfarrerin und Aktivistin meint, sie dürfe vier Urlaubsbekanntschaften vermählen aus einem einzigen Grund: „Da war Segen, und da gehörte Segen hin. Ich habe das wirklich gespürt.“
Frau Müllers Gespür für die Ehe ist symptomatisch. Sie macht das eigene Empfinden zum Maßstab der Gottgefälligkeit. Damit steht sie keineswegs am Rand der Kirchensteuerkirche, zumindest nicht auf Funktionärsebene. Auch Müllers Leitlinien entsprechen der Orthodoxie des Zeitgeists.
Im bauchfreien Top erklärt Pfarrerin Müller also, auf welche Sätze sie nicht mehr hereinfalle. Dazu zählen: „Schwangerschaftsabbruch ist Mord.“ Oder: „Gott ist männlich und Jesus war weiß.“ Oder auch: „Homosexualität ist eine Sünde.“
Müller benennt als Schwerpunkt ihrer Arbeit den Einsatz für „Inklusion und intersektionalen Feminismus, für Queerfreundlichkeit und Antirassismus“ – und die Arbeit mit Kindern. Ein Verbot der AfD fände sie toll.
Müller engagiert sich bei den „Christ*innen für ein AfD-Verbot!“. Sie stehe fest „an der Seite einer offenen und vielfältigen Gesellschaft. Das Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht sei einzuleiten“, „jetzt“.
Adieu, adieu, adieu
Die Polyhochzeit mag noch nicht den Segen der Oberen finden. Alle anderen aktivistischen Floskeln aber, die Frau Müller aufbietet, sind in der evangelischen Hierarchie mehrheitsfähig. Man will als Kirche links sein, woke und queer, plural und divers. Für den christlichen Glauben ist da leider ebenso wenig Platz wie für christliche Bildung.
Adieu, adieu, evangelische Kirchensteuerkirche, adieu.
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Alexander Kissler
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