Neurowissenschaftler Raphael Bonelli: „Hass ist keine Meinung – es ist geniale Propaganda“
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- Diese Spezialausgabe von „Kissler Kompakt“ ist alles andere als kurz und kompakt.
- Doch es lohnt sich: Im Interview spricht der Wiener Psychiater und Bestsellerautor Raphael Bonelli über sein neues Buch „Tabu – Was wir nicht denken dürfen und warum“.
- Das Gespräch kreist um den geistigen Zustand der westlichen Gesellschaft, die Bonelli als zunehmend irrational beschreibt.
„In der heutigen Zeit braucht es einen Psychiater, um das alles zu deuten, weil wir sind einfach verrückt geworden“, erklärt Bonelli gleich zu Beginn des Gesprächs. Er analysiert schon seit Jahren die Auswirkungen von gesellschaftlichen Tabus auf das logische Denken. Dabei vergleicht er Tabus mit Verkehrspollern.
Das ganze Interview können Sie hier ansehen:
„Die Politik wird psychiatrisch immer auffälliger“
„Ein Tabu ist wie ein Poller, der aus der Erde gefahren wird, sodass die Autos nicht mehr weiterfahren können“, erklärt Bonelli. Für ihn sind bestimmte Sprach- und Denkverbote der Grund dafür, dass ein freier Austausch über Migration, Corona, Gendern und andere Themen kaum noch möglich ist. Besonders kritisch sieht er die Entwicklung in der Politik: „Ich habe ja Patienten aus allen Couleurs. Ich bin da nicht irgendwo festgefahren. Aber das ist schon auffällig. Die Politik wird psychiatrisch immer auffälliger.“

Bonellis neuestes Buch „Tabu“ ist ab sofort im Handel erhältlich (20 Euro).
Der Begriff „Hass“ wird zunehmend missbraucht
Bonelli klagt auch über die zunehmende Sprachregulierung. Er lehnt Gendern ab und erläutert: „Ich sage nicht Patientinnen und Patienten, weil Genus nicht Sexus ist.“ Sprache sei ein Mittel der Kontrolle geworden, das nicht nur Denkstrukturen verändere, sondern auch emotionale Kommunikation unterdrücke. So bezeichnen einige es sofort als Hass, wenn Fußball-Fans ein Transparent mit der Aufschrift „Es gibt nur zwei Geschlechter“ hochhalten. „Wissen Sie. Das Wort Hass wird sträflich missbraucht. Es gibt viele Aussagen, die kein Hass sind. Und wenn man sagt: ‚Einige Migranten werden halt straffällig‘, ist das kein Hass. Und es ist auch kein Hass zu sagen: ‚Es ist normal, wenn Mann und Frau zusammenleben und Kinder haben‘. Also, man kann das sagen. Man kann dagegen sein, aber es ist ebenfalls kein Hass. Und all das wird aber in die Kategorie Hass gepackt.“

NIUS-Reporter Alexander Kissler im Gespräch mit Raphael Bonelli
Wer „Hass“ verbreitet, wird gesellschaftlich ausgeschlossen
Den Höhepunkt der gesellschaftlichen Folgen von „Hass und Hetze“ haben laut Bonelli die Ungeimpften während der Coronapandemie erlebt. Der Wissenschaftler stellt klar: „Ich habe niemals so eine Diskriminierung erlebt wie gegen die Ungeimpften im Jahr 2021.“ Er zieht Parallelen zu historischen Ausgrenzungen und bezeichnet die damaligen Maßnahmen als eine Form der „Apartheid“. Einen zentralen Begriff prägt Bonelli mit der Beschreibung der „neuen Anständigen“, jener gesellschaftlichen Gruppe, die Andersdenkende moralisch ächtet: „Der neue Anständige hat keine Meinung – er ist seine Meinung.“ Wer diesen normierten Haltungen nicht entspricht, werde sofort ausgegrenzt und als Hassredner diffamiert. Die Parole „Hass ist keine Meinung“ bezeichnet Bonelli als „geniale Propaganda“, die letztlich jede missliebige Meinungsäußerung unterdrücke.
Auch bei der Demografie äußert Bonelli Bedenken. Er warnt vor einem „reproduktiven Kolonialismus“, bei dem westliche Gesellschaften auf eigene Geburten verzichten und stattdessen Einwanderung als Lösung ansehen. „Das traditionelle Europa geht unter“, konstatiert Bonelli nüchtern, verweist aber zugleich auf die Möglichkeit einer geistigen Erneuerung.

Der gebürtige Österreicher Bonelli ist der älteste von fünf Geschwistern in einer Ärztefamilie.
Ehrliche Aussprache als beste Therapie
In die Zukunft blickt der Experte jedoch optimistisch: Das Bröckeln der künstlichen Tabus sei spürbar – nicht zuletzt durch neue Medienangebote und soziale Netzwerke. Das Heilmittel in seinen Behandlungen sei, so Bonelli, der Mut zur freien Rede: „Das Prinzip der Psychotherapie ist nichts anderes, als dass die Menschen etwas aussprechen, was sie noch nie ausgesprochen haben. Und allein dadurch, dass sie es aussprechen, geht es ihnen manchmal schon besser. […] Sie dürfen hier alles sagen. Sie werden hier nicht beurteilt. Das tut den Menschen schon einmal sehr gut.“ Man dürfe sogar den Therapeuten beschimpfen.
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Alexander Kissler
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