Ach so, es liegt gar nicht an der Politik! Deutschland wird arm, weil so viele Bürger krank sind ...
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Waren Sie 2023 krankgeschrieben? Dann wird’s Zeit, der Regierung einen Entschuldigungsbrief zu schreiben! Der Grund? Laut einer neuen Studie versetzte der hohe Krankenstand unserer Wirtschaft den Todesstoß.
Im Schattenreich der Statistiken und Prognosen hat der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA) ein wenig Licht ins Dunkel gebracht – oder vielmehr ein wenig Düsternis. Statt zu tänzeln und zu wachsen, wurde die deutsche Wirtschaft in die Tiefe der Rezession gedrückt. „Erhebliche Arbeitsausfälle führten zu beträchtlichen Produktionseinbußen“, murmelt die Studie hinter vorgehaltener Hand. „Ohne die überdurchschnittlichen Krankentage wäre die deutsche Wirtschaft um knapp 0,5 Prozent gewachsen“, behauptet der Verband.
Kurzum: wegen uns, Ihnen und mir, blieb Deutschland, geplagt von Fieberthermometern und Grippewellen, in den Klauen der Rezession stecken.
Wir Bürger sind also das dicke Zünglein an der Waage und der wahre Grund für Deutschlands wirtschaftliche Talfahrt. Laut der Studie, die Claus Michelsen und Simon Junker aus dem Hut gezaubert haben, schrumpfte die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent. Hätte es keine Krankmeldungen gegeben, hätten wir uns über satte 26 Milliarden Euro mehr in der Kasse freuen können. Dies behaupten zumindest die beiden Autoren des Papiers, von denen einer, Michelsen, bis 2021 als Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Zahlen jonglierte.

Kopfschmerzen, Fieber, krankmelden? Bitte dreimal überlegen, ob das wirklich sein muss! Die deutsche Wirtschaft leidet darunter ...
Wegen uns geht alles bergab!
Jetzt, da Sie diese Information verarbeitet haben, fühlen Sie sich wahrscheinlich genauso schäbig wie ich. Wir haben fälschlicherweise die Merkelisierung der CDU, den verfassungswidrigen Ampel-Haushalt, die gescheiterte Migrationspolitik, unseren vergesslichen Kanzler, Corona, Putin und Habecks energiepolitische Irrfahrt verdächtigt. Doch tatsächlich sind wir es, die der deutschen Wirtschaft den K.-o.-Schlag verpasst haben. Weil wir Arbeitnehmer solche Weicheier sind, die beim kleinsten Aua mit dem ärztlichen Attest wedeln, haben die Krankenkassen fünf Milliarden verloren, und Christian Lindners ehemals pralles Säckel ist sogar um satte 15 Milliarden geschrumpft.
Seit mir das bewusst ist, finde ich keinen friedlichen Schlaf mehr. Ende Dezember hat mich nämlich eine Grippe im Würgegriff gehalten, tagelang. Als kranker Freiberufler richte ich zwar keinen wirtschaftlichen Schaden an, denn ich verdiene nur, wenn ich auch arbeite. Und weil ich keine Lust hatte, stundenlang in einem überfüllten Arztwartezimmer dahinzuvegetieren, blieb das Gesundheitssystem ebenfalls von mir verschont. Trotzdem plagen mich Schuldgefühle, weil ich während meiner Zwangspause nichts produzieren und infolgedessen nichts zur deutschen Wirtschaft beisteuern konnte.
Ein frustrierter Arbeitsloser kritisierte auf X (ehemals Twitter), dass Menschen mit Migrationshintergrund nichts zum Wohl des Landes beitragen. Ich fühlte mich ertappt, denn als ich den Kommentar las, lag ich tatsächlich auf der faulen Haut – wenn auch mit erhöhter Körpertemperatur. Aufgrund meines schlechten Gewissens habe ich sofort Pizza, Döner und Burger bei verschiedenen Lieferdiensten bestellt, um das Bruttosozialprodukt anzukurbeln.
Deutsche besonders krankheitsanfällig
Laut der Studie ist die deutsche Wirtschaftsleistung aufgrund der Krankheitswelle deutlich stärker belastet als in anderen Ländern. Ganz vorn auf der Hitliste stand übrigens NRW: Hier blieben die Bürger im Schnitt an stattlichen 20,54 Tagen mit Attest zu Hause. Markus Söder bereitet wahrscheinlich gerade eine Pressemitteilung vor, in der er das bayerische Volk für seine Widerstandsfähigkeit lobt.

Leidet Deutschland an seinen krankheitsanfälligen Bürgern?
Ein beunruhigender Verdacht drängt sich auf: Sind vielleicht nicht die deutschen Bürger, sondern die deutschen Ärzte Schuld, die alles und jeden krankschreiben, die nicht bei drei auf den Bäumen sind? Wie wäre es mit einer Art Strafsteuer für Ärzte, die allzu enthusiastisch Atteste ausstellen?
Ich bin jedenfalls überglücklich, dass der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen diese Sauerei ans Licht gebracht hat. Ein selbstloser Dienst, für den diese prächtige Branche wieder einmal keine Anerkennung ernten wird. Dabei hat die Pharma-Industrie in den vergangenen Jahren immer wieder unter Beweis gestellt, dass sie nichts als unser Wohl im Sinn hat.
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