Anke Engelke textet Kinderbuch-Klassiker um: Jetzt tarnt sich der Fuchs ernsthaft als Veganer
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Die „Häschenschule“ von Albert Sixtus aus dem Jahr 1922 ist wohl das berühmteste Kinderbuch Deutschlands. Generationen von Jungen und Mädchen und deren Eltern haben sich an diesem mit Kinderreimen versehenen Buch mit den wunderbaren farbigen Zeichnungen von Fritz Koch-Gotha erfreut.
An das Titelblatt, auf dem sich der böse Fuchs hinter einem Baum versteckt und auf die Häschen lauert, kann ich mich heute noch erinnern. Es hatte etwas Schauriges, ich konnte als Kind die Gefahr förmlich greifen, in der die Häschen waren. Er wollte sie fressen. Wie es Füchse eben so tun, wenn sie Beute machen wollen. Der Text zu diesem Bild lautete:
Horch, wer wimmert dort so sehr:
„Liebe Häschen, kommt mal her!
Ach, ich bin so schwach und matt!
Bringt mir doch ein frisches Blatt!“
Huhuhu! – Es ist der Fuchs´
Augen leuchten wie beim Luchs.
Hopsa – hopsa, wie der Wind
rennt ein jedes Hasenkind!
Neue Texte, neue Feinde
Der Fuchs hatte sich als Vegetarier getarnt, um an das Hasenfleisch zu gelangen. Die Häschen aber durchschauten den Schummel: Füchse fressen keine Blätter, hatte ihnen die Häschenmutter beigebracht. Sie wussten nichts von der Neuausgabe des klassischen Kinderbuches, die gerade erschienen ist. Die neuen Texte kommen von der Schauspielerin und Komikerin Anke Engelke. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erzählt sie: Der Fuchs ist nicht mehr der böse Feind (was das klassische Bilderbuch ausmacht), sondern ein freundlicher Veganer. Es gibt in der neuen angepassten Version aber natürlich auch Feinde: Es sind die Bauern, die Gift verspritzen …

Anke Engelke vor wenigen Tagen in Köln
Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll bei solch unfassbarem Schwachsinn. Mein gesunder Menschenverstand fragt sich: Soll man jetzt alle Kinder- und Märchenbücher umschreiben? Und wer entscheidet, was nicht mehr zeitgemäß ist? Wie ist das zum Beispiel mit diesen Versen aus der „Häschenschule“?
„Kinder“, spricht die Mutter Hase,
„putzt euch noch einmal die Nase
mit dem Kohlblatt-Taschentuch!
Nehmt nun Tafel, Stift und Buch!
Tunkt auch eure Schwämmchen ein!
Sind denn eure Pfötchen rein?“
„Ja“ – „Nun marsch, zur Schule gehen!“
„Mütterchen, auf Wiedersehn!“
Fuchs und Hase haben sich lieb
Ich denke, zwei Dinge müsste man heute hinterfragen: Sind die Kohlblatt-Taschentücher eigentlich recycelbar? Und: Warum fährt die Mutter ihre Kinder nicht mit dem E-Lastenfahrrad zur Schule? Hat sie ihren Hafermilch-Latte noch nicht ausgetrunken?
Liebe Leser meiner Kolumne: Verzeihen Sie bitte, dass ich an dieser Stelle sarkastisch werde. Ich glaube, man kann bei solchem Wahnsinn gar nicht krumm genug denken. Wer weiß, was noch alles auf uns zukommt! Der Verlag jedenfalls verkündet stolz: „In der neuen Häschenschule trifft Nostalgie auf Moderne. Anke Engelke bringt nicht nur alte Rollenbilder ins Wanken, sondern beendet auch die Feindschaft zwischen Hase und Fuchs.“
Noch Fragen?
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