Aufrüstung als Lifestyle: Mit Krieg spielt man nicht, Frau Strack-Zimmermann!
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Es ist eine neue politische Formel für Hinterbänkler, die doch noch mal Karriere machen wollen: Sei laut in der Krise und sichtbarer als der Rest – und deine Partei wird dich fürstlich belohnen.
Das berühmteste Beispiel für diese „Never waste a good crisis“-Strategie ist wohl Karl Lauterbach. Der Fischvegetarier und Rotwein-Liebhaber war im Corona-Jahr 2020 insgesamt 31 Mal zu Gast in politischen Talkshows bei ARD und ZDF. Dagegen standen exakt null Corona-Reden im Parlament. Viele hatten das ja schon vergessen: Lauterbach war nicht Co-Moderator von Markus Lanz (17 Besuche 2020), sondern Bundestagsabgeordneter.
2020 hielt der ehemalige Fliegen-Träger exakt eine Rede im Bundestag: am 16. Januar zum Thema Organspende. Die SPD-Fraktion schickte Lauterbach nicht ans Rednerpult zum wichtigsten Thema dieser Zeit. Aber Lauterbach war so gesichtsbekannt, dass Neu-Kanzler Olaf Scholz 2021 nicht an ihm vorbeikam: Er wurde Gesundheitsminister und ist es immer noch.
17 Konsonanten, 9 Vokale & 2 Koppelstriche fordern Waffen für die Ukraine
Das politische Gesicht der Ukraine-Krise trägt 17 Konsonanten, 9 Vokale und 2 Koppelstriche im Namen und heißt Agnes-Marie Strack-Zimmermann. Die FDP-Politikerin hat mehr Buchstaben als die Bundeswehr funktionierende Helikopter und ist seit Putins Überfall auf die Ukraine dauerpräsent in den deutschen Medien. Vor dem 24. Februar 2022 kannten nur Insider die Frau mit der Silbertolle. Heute kennt sie jeder, der nicht automatisch bei der Debatte um Waffenlieferung abschaltet.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann verkündet seit Kriegs-Ausbruch folgende Botschaft in Dauerschleife: Kiew braucht Waffen, Waffen, Waffen. Ich empfinde die Debatte über die deutschen Waffenlieferungen als sehr wichtig und einen Fortschritt im Vergleich zur Corona-Krise, als die eine Seite konsequent niedergebrüllt wurde, wenn sie die Maßnahmen kritisierte. Und ich finde es großartig, dass Frau Strack-Zimmermanns sich vor Ort in der Ukraine selbst ein Bild vom Ausmaß des Krieges macht und nicht vom Schreibtisch aus darüber philosophiert.
Aber was mich fortwährend und heute ganz besonders an dieser Frau stört, ist ihre offensichtliche Lust an der Inszenierung als Kriegs-Botschafterin. Nicht nur verbal, sondern eben auch optisch: „Taurus für die Ukraine – zusammen bis zum Sieg“ hat sie als Shirt-Schriftzug stolz in die Welt getragen. Aufrüstung als Lifestyle. Ihre neue Plakat-Kampagne toppt das bisher Gesehene aber noch einmal.

Irgendwie befremdlich: Eine Abgeordnete, die schwere Waffen auf Shirts fordert
Die FDP schickt MASZ (irgendwann reicht’s auch mal mit dem ganzen Namen) als Spitzenkandidatin in den EU-Wahlkampf. Sie merken wieder: Laut sein, sichtbar sein – und zack, kommt die Partei gar nicht daran vorbei, einen nach vorne zu schieben. Die Hochglanz-Plakate für die Wahl sehen Sie oben auf den Fotos: Schwarz-weiß, heroisch angehaucht, Kragen hoch, entschlossener Blick. Slogan 1: Eurofighterin. Slogan 2: Oma Courage.

Parteichef Lindner stellte die neuen EU-Wahlkampfplakate vor
Wahrscheinlich ist diese Form des Stimmenfanges erfolgreicher als das, was die FDP in der Ampel an anti-liberaler Politik veranstaltet. Mich aber irritiert es nachhaltig.
Zu Slogan 1, Eurofighterin: Unsere Eurofighter-Jets sind tödliche Kriegswaffen, von denen wir froh wären, wenn sie nur zu Übungszwecken zum Einsatz kämen. Aber das mit dem Frieden in Europa ist vorbei, die Panzer rollen und die Jets dröhnen. Aber klar: Für ein lustiges Wortspiel im Wahlkampf reicht es noch. Hihi, die Frau mit den zwei Doppelnamen kämpft für mehr Waffenlieferungen für die Ukraine und nennt sich jetzt Eurofighterin, weil es ist ja gleichzeitig EUROPAwahlKAMPF, haha. Ich finde das geschmacklos. Und ich kann eigentlich über jeden Witz lachen.
Zu Slogan 2, Oma Courage: Eine Anspielung auf „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bertholt Brecht. Ein im Exil verfasstes Anti-Kriegs-Drama über den Dreißigjährigen Krieg mit einer Protagonistin, die zunächst vom Krieg profitiert, mit Soldaten Geschäfte macht und am Ende alle Kinder verliert. Zentraler Satz (Quelle: Die Germanistin meines Vertrauens, ich gebe zu, das Stück nicht gelesen zu haben): „Ich lasse mir den Krieg nicht madig machen.“

Kriegsfluencerin bei der Arbeit
Meint MASZ das ernst? Was will sie uns damit sagen? Sieht Oma Courage sich als legitime Nachfolgerin, sind wir die Kinder, die am Ende alle draufgehen? Gibt sie hier freimütig zu, eine Kriegsprofiteurin zu sein? Vielleicht überdenken sie in der FDP-Zentrale den Slogan noch einmal. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.
Nicht falsch verstehen: Die Waffenlieferungs- und Ukraine-Debatte ins Zentrum des politischen Handelns zu stellen, ist vollkommen legitim. Wir werden uns noch wundern, wie hart Olaf Scholz sich als Friedenskanzler inszenieren kann, obwohl er einfach nur immer zu lange gezögert hat. Aber vielleicht sollte die FDP-Spitzenkandidatin mal einen Gang zurückschalten, was die eigene Rolle betrifft: Mit Krieg spielt man nicht, Frau Strack-Zimmermann. Dafür sterben jeden Tag zu viele Menschen.
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