Auftrittsverbot für Knecht Ruprecht: Hört auf, uns unseren Alltag zu diktieren!
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Ich habe mich als Kind immer gefragt, woher der Nikolaus wusste, dass ich Blumenkohl und (sehr viele) andere Gemüsesorten aufs Blut hasse. Und es durchaus ernst genommen, wenn er mich dann ermahnt hat, beim Mittagessen nicht nur Ketchup zu nehmen, sondern auch mal was Grünes auf den Teller zu packen.
Noch mehr Respekt hatte ich vor seinem treuen Gehilfen mit der schwarzen Strumpfhose über dem Kopf: „Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell, hebe die Beine und spute dich schnell!“ Knecht Ruprecht und der Nikolaus waren für mich als Kind ein absolutes Ehrfurchts-Duo. Angst? Nein. Respekt? Aber hallo.
Umso aufmerksamer habe ich die Nachricht aus dem beschaulichen Tecklenburg (9.000 Einwohner), direkt an der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, gelesen: Die örtliche Touristik GmbH hat den Knecht Ruprecht mit einem Auftrittsverbot belegt. Nikolaus ja, Knecht Ruprecht nein.
„Knecht Ruprecht ist nicht mehr zeitgemäß“
Betroffen und sichtlich getroffen war vor allem Daniel Bardelmeier, der seit acht Jahren ehrenamtlich in Tecklenburg auf dem Nikolausmarkt den Knecht Ruprecht gegeben hat. Meiner Kollegin Leonie Ipati hat er gesagt: „Die wirklichen Beweggründe wurden mir auch nicht genannt. Mir wurde nur über Dritte mitgeteilt, dass die Figur des Knecht Ruprecht aus Sicht der Tecklenburg Touristik nicht mehr zeitgemäß ist und mein Auftreten nicht mehr erwünscht ist.“ Die Kinder hätten Angst vor ihm. Bardelmeier sagt: „Meine Erfahrung war immer eine andere.“
Nicht mehr zeitgemäß? Nicht mehr erwünscht? Was soll der Quatsch?!

Daniel Bardelmeier, der Knecht Ruprecht aus Tecklenburg
Ab dem Moment, in dem Bardelmeier auf Facebook seine Ausbootung publik machte, hagelte es Protest gegen die Entscheidung. Nur einen Tag später knickte die Touristik GmbH ein, nächstes Jahr soll es wieder einen Knecht Ruprecht geben – das sei alles nur ein Missverständnis gewesen.
Natürlich war das KEIN Missverständnis. Es war wieder der Versuch einer Minderheit, der Mehrheit zu diktieren, was sie darf und was nicht. Wir leben in einer Zeit, in der eine vermeintlich progressive Minderheit die Deutungshoheit über unseren Alltag gewinnen will. Ob man sich an Karneval noch als Indianer verkleiden darf. Oder ob man beim St.-Martins-Zug nicht muslimische Kinder ausgrenzt und stattdessen zum Lichterfest einlädt. Oder ob das Osterfeuer nicht viel mehr ein Traditionsfeuer ist. Oder eben ob der Knecht Ruprecht noch zeitgemäß ist.
Der Fall aus Tecklenburg macht Sorgen und Mut zugleich: Dass überhaupt jemand auf die Idee kommt, den Knecht Ruprecht aus einer Nikolausfeier streichen und sich damit auch noch durchsetzen zu können, zeigt, wie weit diese Menschen von der Realität entfernt sind. Dass die Geschichte ein vernunftbegabtes Happy End hat, zeigt: Es lohnt sich, diesen Kriegserklärungen gegen unsere Traditionen genau so laut entgegenzutreten. Die Mehrheit lässt sich nicht ignorieren. Der Nikolaus kriegt alles mit.
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