Auweh, KaDeWe! Die Zeit der großen Kaufhäuser geht zu Ende
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Wie war das KaDeWe stolz! 2019 das Grand Opening mit mehr als 1800 Gästen – Eröffnung der Boutiquen von Channel, Dior, Louis Vuitton und Rolex im neuen Luxus-Boulevard. Dazu die neue sechste Etage mit Restaurants und Bars, bis Mitternacht geöffnet. Und jetzt, nicht einmal fünf Jahre später, hat das bekannteste Luxus-Kaufhaus Deutschlands offenbar Insolvenz angemeldet. Wie ist das möglich?
Mein gesunder Menschenverstand sagt mir: Die Zeit der großen Kaufhäuser ist vorbei. Zwei Investoren haben das KaDeWe nicht retten können. 2010 kam Nicolas Berggruen. Er scheiterte. 2014 übernahm der Österreicher René Benko mit seiner Signa-Holding – er scheiterte ebenfalls.
Ich selber fühle mich irgendwie als Kind des KaDeWe. Das Kaufhaus der Träume – für einen Jungen, der in den Wirtschaftswunder-Jahren aufgewachsen ist, gab es nichts Schöneres. Ein Schlaraffenland der Wünsche. Mit großen Augen durch die Spielwarenabteilung, damals im fünften Stock. Einmal den Distler-Porsche angucken – ein kleiner, offener Sportwagen, den man mit einem Draht lenken konnte. Ich habe so lange genörgelt, bis ich dieses Traum-Spielzeugauto zu Weihnachten bekam. Er kostete damals mit Zubehör fast 50 D-Mark – wirklich ein kleines Vermögen. Ich erzähle das, weil es nichts gab, was es im KaDeWe nicht gab. Allerdings schon damals gab es vieles, was sich eine normale Familie nicht leisten konnte. Das Teuerste, was man im KaDeWe zurzeit kaufen kann, ist die Uhr „Blancpaine Tourbillon“. Sie kostet 146.250 Euro. „Wir passen uns den Anforderungen der Zeit an“, schrieb das KaDeWe kürzlich über sich selbst.

Das Kaufhaus des Westens: Es konnte von zwei Investoren nicht gerettet werden.
Ein Wahrzeichen der Stadt
Die Wirtschaftssenatorin und frühere Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hat schon eine klare Meinung, sollten sich die Meldungen bestätigen, dass das KaDeWe Insolvenz angemeldet hat. Sie sagt: „Das KaDeWe ist eine echte Warenhaus-Ikone und gehört als Deutschlands bekanntestes Kaufhaus seit über 100 Jahren zu den Wahrzeichen unserer Stadt. Unser Ziel ist es, alles Mögliche zu tun, um für seinen Erhalt zu sorgen.“
Das KaDeWe hat 1900 Mitarbeiter bei 600 Millionen Jahresumsatz. Jeder vernünftige Mensch wünscht sich, dass das alles erhalten bleibt. Aber macht es Sinn, Dinge künstlich am Leben zu erhalten, die aus der Zeit gefallen sind? Sicher ist: In der Corona-Krise hatten die Länder Berlin und Hamburg sowie der Bund Bürgschaften und Bankkredite zur Verfügung gestellt. Sollte die KaDeWe-Group nicht in der Lage sein, diese Kredite zurückzuzahlen, wäre der Staat gezwungen, für bis zu 90 Millionen Euro einzuspringen – das heißt: der deutsche Steuerzahler.
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