Bambi 2025 – Glamour, Peinlichkeiten und ein Eklat
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„Fick die AfD!“, ruft ein junger Mann ins Mikrofon. Er heißt Zartmann, hat soeben einen Bambi in der Kategorie Musik bekommen und sollte nach seiner Dankesrede eigentlich abtreten. Doch Zartmann bittet noch einmal darum, die Musik leiser zu drehen. Denn er hat noch eine Botschaft:
„Fick die rechtspopulistische Scheiße“
Es ist nur einer von vielen Eklats der Bambi-Verleihung am Donnerstagabend.

Vanessa Mai hatte ebenfalls einen Auftritt am Donnerstagabend.
Zwischen Stars und Promis gibt’s einen Unterschied!
Dabei hatte die 77. Verleihung des goldenen Rehs so glamourös begonnen. Sogar Hollywood war da: Oscarpreisträgerin Cate Blanchett blieb den ganzen Abend und lächelte sich tapfer durch jede noch so holprige Rede. Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Stars und Promis. Die sah man nämlich auf dem Roten Teppich zuhauf: Ex-Beauty-Palace-Macherin Bianca Heinicke in einem Jeans-Abendkleid-Hybrid, Influencer Riccardo Simonetti und Bergdoktor Hans Sigl mit Message auf dem Sakko: Words hold power. Choose them wisely before you speak. Übersetzt: Worte sind mächtig. Wähle sie weise, bevor du sprichst.

Die Preisträgerinnen Heidi Klum, mit ihrem Bambi in der Kategorie Entertainment, Schauspielerin Cate Blanchett, mit ihrem Bambi in der Kategorie Schauspielerin International, und Cher, mit ihrem Bambi in der Kategorie Legende (l-r)
Es hätte das Motto des Abends sein können. Denn, was die rund 1000 Gäste aus Kultur und Wirtschaft in den Münchner Bavaria-Studios zu hören bekamen, war teils verstörend. Das glanzvollste Entertainment-Event läuft immer mehr Gefahr, zur woken Shitshow zu verkommen.
Zwar schwebte Michelle Hunziker in einer Kugel herab und führte charmant durch den Abend, zwar bekam Michael „Bully“ Herbig mit 40 Millionen Kino-Besuchern verdient den Preis. Aber dann entgleiste der Moral-Zug: Schauspielerin Hannah Herzsprung mahnte Haltung und Hoffnung an.
Und Cate Blanchett widmete ihren Bambi-Award Künstlern, deren Stimme und kreativer Ausdruck bedroht ist. Die Australierin warnte vor dunklen Zeiten, in die wir abzugleiten drohen.
Wer glaubte, dank der geballten Modelprominenz ein wenig Entspannung zu finden, irrte: Supermodel Naomi Campbell erschien zwar ausnahmsweise pünktlich, blieb den ganzen Abend und lobte ihre Freundin Heidi Klum auf die Bühne.

Internationale Gäste wie Naomi Campbell besuchten die Bambi-Verleihung. Hier im Foto mit der späteren Preisträgerin Heidi Klum.
Aber dann: Heidi, so heißt es im Einspielfilm, erweitere unseren Blick auf Schönheit, setze auf Diversity, Männer, Frauen, Diven, Dragqueens, und sei ihrer Zeit immer einen Schritt voraus. Sie setze ein Zeichen für Mut und Vielfalt. Als Heidi Klum eingeblendet wird, sitzt hinter ihr Martina Hill, die sie schon oft herrlich parodiert hat. Aber die Lage ist zu ernst für Witze.
Der Einzige, der wirklich Grund hätte, auf Diversity zu pochen, liefert übrigens den entspanntesten Moment des Abends: Zehnkampfweltmeister Leo Neugebauer bekommt den Sport-Bambi, bedankt sich bei seinen stolzen Eltern und rät Kindern, Sport zu treiben. Punkt. Kein Zeigefinger, keine Message, kein Drama.
Großer Applaus für Kampf gegen Mikroplastik
Das wartet aber schon um die Ecke: Mit Rea Garvey, der als Laudator für die Kategorie „Unsere Erde“ betroffen schaut. Es geht um Klimawandel und einen jungen Iren, der gegen Mikroplastik kämpft. Standing Ovations. Und dann kommen noch mehr Promis, denen der Zeitgeist so eng am Körper sitzt wie ihr Kleid. Shirin David wird als „Ikone unserer Zeit“ bezeichnet und hält eine Laudatio auf einen 15-jährigen Shootingstar aus Berlin Kreuzberg: Zahide. Rapperin und TikTokerin mit türkischen Wurzeln. Standing Ovations.
Michelle Hunziker ruft ihre Mitschweizerin Hazel Brugger auf die Bühne, die sich beim Gastgeber Burda bedankt, „ohne die die Veranstaltung nicht möglich und nicht nötig gewesen wäre“. Der eigentliche Gänsehaut-Moment des Abends geht aber fast unter: Die stille Heldin, die einen Boxverein für benachteiligte Kinder gegründet hat und zusätzlich als Pflegerin arbeitet: Michaela Schubert.

Zartmann ist der Music-Act des Jahres
Und dann knallt’s: Die Wahl zum Music-Act des Jahres gewinnt nämlich Zartmann, ein junger, weißer Mann, der aussieht wie ein Hipster-Barista, seine Rede aber nutzt, um ins Mikrofon zu rufen: Fick die AFD! Fick rechtspopulistische Scheiße!
Seine Nachrednerin, Schauspielerin Anneke Kim Sarnau sagt, sie sei neidisch auf die Worte des jungen Mannes.

Shirin David durfte gemeinsam mit Giovanni Zarrella vor dem Publikum singen.
Mit Giovanni Zarrella ist dann endlich jemand auf der Bühne, der
- ordentlich angezogen ist,
- eine perfekte Moderation hinlegt und
- keine politische Botschaft hat.
Auch Roland Kaiser hat keine. Der 73-Jährige nimmt den Bambi-Preis für sein Lebenswerk mit, singt und hält eine Dankesrede, bei der Cate Blanchett und Naomi Campbell über Kopfhörer der Übersetzerin lauschen.

Roland Kaiser bekommt von Giovanni Zarrella (r) einen Bambi in der Kategorie Lebenswerk überreicht
Reporter und Podcaster Paul Ronzheimer holt den Bambi in der Kategorie Kultur, bedankt sich unter Tränen bei seiner Mutter und sagt, dieser Preis sei der Beweis dafür, dass Journalismus funktionieren kann.
Jetzt haben sich alle für den Tiefpunkt warmgelaufen, der eigentlich der Höhepunkt werden sollte: Ein deutsches Showschwergewicht hält die Laudatio auf ein internationales Show-Schwergewicht. Thomas Gottschalk und Cher. Aber vorher muss nochmal Umweltaktivist Hannes Jaenicke ran, der Chers Engagement für benachteiligte Menschen und Tiere preist. Der Einspielfilm lobt sie als Verbündete der queeren Community.
Thomas Gottschalk entgleiten die lobenden Worte für Cher
Frostige Stille, als Thomas Gottschalk die Bühne betritt. Erst weiß der 75-jährige nicht, wo sein Star steckt, fragt verwirrt … „are you Cher?“ … und liefert dann die Fremdschäm-Performance des Abends.

Thomas Gottschalk übergab Cher die Auszeichnung für ihr Lebenswerk.
Er stammelt etwas von einem Motorrad, das er Cher verkauft hat (ratlose Blicke im Saal), Cher sei die einzige Frau, die er respektiere (Buh-Rufe), er habe schon alles von ihr gesehen (Unruhe im Publikum). Spätestens jetzt müsste jemand eingreifen. Tut aber niemand. Schöne Bescherung - da kann das Weihnachtslied von Vanessa Mai auch nichts mehr retten.
Woke Botschaften, peinliche Entgleisungen – der Bambi 2025 sollte der deutsche Society-Höhepunkt des Jahres werden. Stattdessen erlebten Gäste und Zuschauer einen Fiebertraum, der nur eine Frage aufwarf: Wann kehren wir endlich zurück zu ganz normaler, guter Unterhaltung?
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Melanie Grün
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