Bespuckt, bedroht, getreten: Busfahrer sollen sichere Kabinen bekommen – endlich!
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Die Meldungen klingen immer ähnlich:
- Ein Busfahrer (63) der Stadtwerke Solingen wurde an seinem Bus der Linie 683 von einem 20-Jährigen geschlagen und getreten – er musste ins Krankenhaus. An der Haltestelle Bülowstraße war er ausgestiegen, um eine Gruppe Jugendlicher zu kontrollieren, die keine Tickets hatten.
- In Güstrow griff ein unbekannter Täter einen Busfahrer an, schlug ihm ins Gesicht und trat ihm gegen das Schienenbein. Die Fahndung mehrerer Streifenwagen bleibt erfolglos.
- An der Bushaltestelle Südsiedlung in Lauchhammer (Niederlausitz) wurde der Fahrer von einem unbekannten Täter ins Gesicht geschlagen. Der Täter versuchte vergeblich in die Kasse des Busses zu greifen und flüchtete. Der Verdächtige war 16 bis 17 Jahre alt, über die Nationalität machte die Polizei keine Angaben.
- Ein Busfahrer in Lindau am Bodensee sieht an einem Sonntagmorgen um 9.30 Uhr im Rückspiegel, wie sich ein „Mann mittleren Alters“ eine Zigarette dreht und sie sich dann anzündet. Der Busfahrer steht von seinem Fahrersitz auf und geht zu dem Mann im hinteren Teil des Busses. „Ich habe ihn höflich gebeten, dass er im Bus nicht rauchen darf“, sagt der Fahrer später. Daraufhin steht der Mann auf und tritt den Fahrer in den Genitalbereich und in den Bauch – Notruf, Krankenhaus. Der Täter flüchtet unerkannt.
„Wir stehen auf!“
Alltag von Busfahrern in Deutschland: Übergriffe, Gewalt, Schläge – leider keine Seltenheit mehr. Immer häufiger melden Polizeidienststellen brutale Angriffe auch auf Busfahrerinnen. Gesamtzahlen sind schwer zu erfassen. Die Dunkelziffer ist riesig, oft werden Übergriffe nicht offiziell gemeldet. „Aggressive Fahrgäste sind im Alltag unserer Busfahrer ein ständig wachsendes Problem“, sagt Jochen Koppel, bei der Gewerkschaft Verdi Hessen zuständig für Bus und Bahn: „Unser Fahrpersonal wird bespuckt, bedroht und beleidigt.“ Und Ruhrbahn-Geschäftsführer Ahmet Avsar sagt: „Gewalt und Aggressionen gegen Beschäftigte haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Da werden wir keinerlei verbale oder körperliche Angriffe gegen unsere Mitarbeiter mehr dulden.“

Torben Skuballa (Leiter Fahrbetrieb), Ahmet Avsar (Geschäftsführer Ruhrbahn & Arbeitsdirektor) und Martin Dreps (Leiter Fahrzeugtechnik & Betriebsleiter).
Deshalb hat die Ruhrbahn Essen jetzt als erstes Busunternehmen im Öffentlichen Dienst in Deutschland reagiert – das Unternehmen macht die Kabinen seiner Busse sicherer. Ruhrbahn nennt die Kampagne „Wir stehen auf!“. Soll heißen: „Wir alle, die Gesellschaft und unsere Fahrgäste, stehen zusammen hinter unserem Fahrpersonal“. Es wird „bauliche Änderungen bei der Fahrerkabinentür und eine Tastenfunktion geben, die im Bedarfsfall einen hör- und sichtbaren Alarm auslösen wird.“
Es ist ein Anfang. Und es war höchste Zeit. Wir leben in einer Zeit der zunehmenden Gewalt – auch in Bussen. Viele Fahrgäste haben keinen Respekt und zeigen das auch. Für sie sind Busfahrer nur Personal, das man so auch behandeln kann. Und sitzt eine Busfahrerin am Steuer, ist die Respektlosigkeit noch größer.
Deutschland hat sich verändert. Leider auch in unseren Bussen.
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