Bonus-Sauerei: Wenn Bahnchef Lutz einen Monat Bahn fahren würde, würde er auf die Millionen verzichten
Ein Beitrag von
Es gibt exakt sieben Menschen in Deutschland, die zufrieden sind mit der Deutschen Bahn: Das sind die sieben Vorstandsmitglieder, die trotz ihrer Nicht-Leistungen einen Bonus von insgesamt fünf Millionen Euro für das Jahr 2022 eingestrichen haben. Fünf Millionen Euro für das Top-Management eines Unternehmens, über das sich die Welt lustig macht und das jeden Tag tausende Deutsche zu spät nach Hause bringt.
Folgender Vorschlag: Die Vorstände sollten ihre Bonus-Zahlungen für den Moment einfrieren und erst dann ausgezahlt bekommen, wenn sie 30 Tage am Stück mit der Bahn gefahren sind. Kein Dienstwagen, kein Flugzeug – einfach mal einen Monat im ICE, IC, Regio oder der S-Bahn verbringen und den Menschen beim Fluchen zuhören. Danach werden sie freiwillig auf ihren Bonus verzichten, vielleicht sogar auf ihr Gehalt, weil sie merken: Das können wir nicht bringen. Das haben wir nicht verdient.
Aber weil nicht einmal die Bahn-Vorstände in die Zuverlässigkeit ihrer Bahn vertrauen, haben alle einen Dienstwagen, den sie auch privat genießen dürfen, genau wie die Vielfliegerpunkte aus Dienstreisen für private Reisen genutzt werden dürfen. Klar: Wenn ich mich als Bahn-Vorstand jeden Tag mit dem Grauen auseinandersetzen müsste, würde ich mich auch lieber ins Auto oder Flugzeug setzen.

Ein Wintertag mit der Deutschen Bahn: Schnee ist immer schwierig …
Die Fifty-Fifty-Pünktlichkeit der Deutschen Bahn
Als Inhaber einer Bahncard 50 und ICE-Pendler kann ich Bahnchef Lutz verraten: Das „50“ hinter „Bahncard“ steht für die Prozentzahl der Fälle, in denen der Zug pünktlich kommt. Und das ist kein Galgenhumor, sondern Realität. Im November erreichte nur jeder zweite ICE oder IC pünktlich sein Ziel (52 Prozent). Sich in die Bahn zu setzen, bedeutet: Irgendwo im Bahntower wirft jemand eine Münze und entscheidet, ob man heute Glück oder Pech hat. Fifty-Fifty-Pünktlichkeit, made in Germany.
Die Deutsche Bahn ist das dysfunktionalste Unternehmen unseres Landes. Nichts funktioniert. Alles wird unpünktlicher, unzuverlässiger, unsympathischer. Aber irgendwie haben wir uns alle damit abgefunden, dass alles unzuverlässiger, unpünktlicher und unsympathischer wird. Im Gegenzug steigen die Fahrpreise. Niemals vergessen: Wir zahlen für das Schienen-Debakel auch noch doppelt – mit unserem Steuergeld und mit dem Ticket.
Bahnchef Lutz (Lutz ist der Nachname, Bahnchefs verlieren ihren Vornamen bei Dienstantritt) hat für sein Missmanagement 2022 alleine 1,3 Millionen Euro an Bonus-Zahlungen eingestrichen. WDR, NDR und die Süddeutsche Zeitung haben die Zahlen sehr detailliert aufgedeckt.
Der irrste Posten in der Liste sieht so aus: Alle Bahnvorstände hatten das kombinierte Bonusziel, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen und gleichzeitig die Mitarbeiterzufriedenheit nicht sinken zu lassen. Die Mitarbeiter waren 2022 leicht zufriedener als im Vorjahr, die Zahl der weiblichen Führungskräfte wurde mit einem Prozentpunkt überfüllt. Bedeutet für den Vorstand: 200 Prozent Zielerfüllung – alleine für Lutz gab es dafür 384.000 Euro.

Berlin: Der Bahntower am Potsdamer Platz
Pünktlichkeit erst ab dem Jahr 2070. Also vielleicht …
Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) war 2022 noch bis April Infrastruktur-Vorstand bei der Bahn und hat seine Ziele „Ausbau Netz und Infrastruktur“ offenbar zu 200 Prozent übererfüllt – und zack, klingelt die Kasse. Was sollen das für Ziele gewesen sein? Bei Baustelleneröffnungen nicht über den Werkzeugkoffer stolpern? Kein Bahn-Kunde würde den Satz unterschreiben: Die Infrastruktur der Bahn hat sich verbessert. Das Gegenteil ist der Fall.
Das Ziel der Bahn-Spitze sollte sein: zufriedene Kunden, pünktliche Züge. Nichts davon haben die Chefs erreicht. Im Gegenteil: Das Ziel, dauerhaft pünktlich zu sein, wurde auf das Jahr 2070 geschoben. Kein Scherz. 2070! Spannend, oder? Sie können sich eingestehen, ihren Job erst in knapp 50 Jahren vernünftig auf die Kette zu bekommen. Aber streichen jetzt schon mal die Kohle ein. Und das Schlimmste ist: sie meinen das auch noch ernst.
Mehr NIUS:
Jan Josef Liefers als Versöhner: Macht diesen Mann zum Bundespräsidenten!
Die neue Esskultur der Deutschen Bahn: Currywurst ohne Pommes, kein Speiseeis
Die Linke beweist auf ihrem Parteitag: Die SED ist nie untergegangen
Gelddruck-Maschine für die FIFA: Hört auf, von Trinkpausen zu sprechen!
Peinliche Polit-Propaganda – für wie bescheuert halten die uns eigentlich?!
Berliner Kino gedenkt der „Deutschen Schuld” mit „Gratis: Pelmeni und Vodka”
Beim Freigang stand das Fluchtmotorrad schon bereit: Warum der Fall des Frauenmörders Benjamin Fricke so unfassbar ist!
Kaufen, kaufen, kaufen – es gibt nichts Schöneres
Mehr NIUS:
Gelddruck-Maschine für die FIFA: Hört auf, von Trinkpausen zu sprechen!
Peinliche Polit-Propaganda – für wie bescheuert halten die uns eigentlich?!
Berliner Kino gedenkt der „Deutschen Schuld” mit „Gratis: Pelmeni und Vodka”
Beim Freigang stand das Fluchtmotorrad schon bereit: Warum der Fall des Frauenmörders Benjamin Fricke so unfassbar ist!
Kaufen, kaufen, kaufen – es gibt nichts Schöneres
Wegducken gilt nicht mehr: Die CDU muss vor der Wahl sagen, ob sie mit den Linken regieren würde
Die letzten Helden tragen Trikots
Gedenken an den 17. Juni: Die Einheit wurde uns nicht geschenkt
Willi Haentjes
Artikel teilen
Kommentare