An den Universitäten stirbt die Freiheit
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An der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wollten Studentengruppen gestern verhindern, dass die Professorin für Entwicklungspsychologie, Ute Johanna Bayen, über die „Entwicklung von Trans-Identität“ spricht.
Sie trommelten eine Demonstration zusammen und forderten nicht nur ein Redeverbot, sondern auch, dass die Dozentin das Universitätsgelände nicht mehr betreten dürfe. Die Studentengruppen, zu denen der „Sozialistisch-Demokratische Studiverbund Düsseldorf, die „Juso-Hochschulgruppe“, „Campusgrün HHU Düsseldorf“, der „Ring Christlich-Demokratischer Studenten“ (RCDS) und der „Allgemeine Studierendenausschuss“ gehört, begründeten den geforderten Rauswurf mit der Behauptung, die Argumente der Professorin seien „menschenfeindlich“ und „wissenschaftlich falsch“. Der Vortrag habe deshalb „nichts an einer Universität zu suchen“.
Professor Bayen wies die Vorwürfe zurück. „In meiner Arbeit an der Universität diskriminiere ich selbstverständlich keine einzelnen Menschen oder Menschengruppen. Auch in meinem persönlichen Leben sind Menschen jeder Identität willkommen“, erklärte sie gegenüber der Rheinischen Post. Ihre Vorlesung vermittle Studenten „einen Überblick über den aktuellen Stand der psychologischen Forschung“ und berücksichtige „bestehende Forschungslücken, wissenschaftliche Kontroversen, sowie unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten empirischer Befunde“.

Haus der Universität, eine Einrichtung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Wissenschaft nicht verstanden
Die Studenten haben entweder den Wissenschaftsbetrieb nicht verstanden oder sie wollen ihn nicht verstehen. Wer eine wissenschaftlich unhaltbare Vorlesung vermutet, kann kritische Fragen stellen, Gegenthesen formulieren usw. oder er bleibt der Veranstaltung fern. In der Wissenschaft geht es um Erkenntnisgewinn – nicht darum festzulegen, was gesagt oder gedacht werden darf.
Bitter, dass man Studenten das überhaupt erklären muss.
Neu allerdings ist es nicht. Totalitäre Ideologien fanden ihre Anhänger und Treiber schon oft an den Universitäten. Die 68er-Studenten wollten abweichende Meinungen unterdrücken, die sozialistischen Studenten der DDR jagten 1949 Andersdenkende aus den Universitäten, die nationalsozialistischen Studenten taten es 1933 und verbrannten auch noch die Bücher der Geächteten.
Auch die Studenten von Düsseldorf sind von einer totalitären Ideologie erfasst. In der Frage der Trans-Identität reden wir über ein wissenschaftlich, medizinisch und gesellschaftlich umstrittenes Feld. Den Studenten geht es um die alleinige moralische und politische Deutungshoheit. Mit welcher Selbstverständlichkeit sie den Anspruch erheben, über die einzig zulässige wissenschaftliche Wahrheit in einem derart sensiblen Feld zu verfügen, ist größenwahnsinnig. Mehr noch: Es ist gruselig. Man stelle sich vor, was diese jungen Leute täten, wenn sie es könnten. Das Ende der Meinungsfreiheit ist der Anfang jeder Diktatur.
Der Vortrag der Prof Bayen wurde gestern von der Universitätsleitung ausdrücklich durchgesetzt. Wenigstens dort erinnerte man sich noch an das Grundgesetzt, Artikel 5, Absatz 3: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“
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