Italo kommt: Sehnsucht nach Pünktlichkeit und Ledersesseln
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Die Deutsche Bahn hat vieles versucht, um diesen Gast nicht auf ihr Terrain zu lassen: Gewerkschaften und Fahrgastverbände und die Bahn selber hatten gewarnt, dass ein weiterer Wettbewerber auf dem ohnehin schon an vielen Stellen überlasteten Schienennetz dazu führen könnte, dass Fern- und Regionalverkehr in der Fläche reduziert werden.
Dazu muss man wissen: Der bundeseigene Konzern kontrolliert bisher rund 95 Prozent des Fernverkehrs in Deutschland. Einziger größerer Wettbewerber ist bislang der Münchener Reiseanbieter Flix.
Mit 300 Sachen in Ledersesseln durch Deutschland
Das wird sich jetzt ändern. Aber wie! Nicht mit Pauken und Trompeten, sondern mit schwarzen Ledersesseln und mit Starlink-W-Lan-Netz.
Gerade hat die Bundesnetzagentur den Einstieg des italienischen Zugunternehmens in das deutsche Fernverkehrsnetz genehmigt. Das bedeutet: Die schnellen Italiener (geplante Höchstgeschwindigkeit der Italo-Züge in Deutschland: 300 Stundenkilometer) hat daraufhin einen Vertrag in Höhe von drei Milliarden Euro für die Lieferung von 26 Hochgeschwindigkeitszügen mit Siemens Mobility unterzeichnet, wie das Unternehmen mitteilte. Der Vertrag enthält die Option auf 14 weitere Züge. Außerdem wurde mit Siemens ein Instandhaltungsvertrag mit einer 30-jährige Laufzeit abgeschlossen. Die Wartung erfolgt in dem Werk in Dortmund.

Schwarze Ledersessel für Highspeed
Die Italiener rauschen ran! Kein Wunder: Der oberste Chef heißt Luca di Montezemolo und ist berühmt geworden als Ferrari-Boss. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte er: „Wir glauben, dass der deutsche Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Schiene um bis zu 40 Prozent wachsen kann – entsprechend dem, was der Wettbewerb in Italien bewirkt hat.“
Passagiernachfrage ist in Italien um 100 Prozent gestiegen
Seit das Privatunternehmen Italo 2012 in den italienischen Markt eingetreten ist, hat sich die Taktfrequenz auf den Hauptstrecken verdreifacht, und die Passagiernachfrage ist um mehr als 100 Prozent gestiegen. Der Italo-CEO Gianbattista La Rocca (alleine die Namen der Verantwortlichen klingen nach Excellenz auf der Schiene – Luca di Montezemolo und Gianbattista La Rocca - bei uns erinnert man sich an die Bahnchefs Hartmut Mehdorn und Rüdiger Grube) verspricht: „Wir wollen den Fahrgästen in Deutschland eine größere Auswahl, häufigere Verbindungen, Pünktlichkeit, faire Preise und einen hochwertigen Service bieten.“

Die Italo-Züge haben ein tiefes Rot.
Italo will 2028 auf zwei Hauptkorridoren in Deutschland verkehren: München-Köln-Dortmund und München-Berlin-Hamburg. „Damit werden 18 Städte auf einem 1.300 Kilometer langen Streckennetz mit insgesamt 50 täglichen Verbindungen angebunden“, teilte das Unternehmen mit.
Jetzt steigen wir mal ein in diese Wunderzüge (in Italien fahren sie ja schon): Vier Klassen gibt es in den glitzernden dunkelblauen Italo-Zügen: Die vierte Klasse soll deutlich günstiger sein als das, was man bei der Deutschen Bahn für die 2. Klasse zahlt. Ex-Ferrari-Chef Luca di Montezemolo: „In unserer luxuriösen Club-Klasse werden Mahlzeiten am Platz gereicht. Diese Klasse nennen wir Club Executive. Sie ist eine Stufe über der traditionellen 1. Klasse, konzipiert für Geschäftsreisende und Urlaubsreisende, die einen ganz besonderen und komfortablen Service schätzen. Wir werden auch eine erste und eine zweite Klasse anbieten. Wir haben viel Wert auf Details gelegt – die Innenausstattung wird fantastischen sein. Das habe ich in meinen Ferrari-Jahren gelernt. Jedes Detail wurde bewusst ausgewählt – die Farben, die Qualität des Leders, die Anordnung des Getränkehalters, der Ladestationen, der Handyhalterungen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Das Design wird den italienischen Stil spiegeln.“
Mein gesunder Menschenverstand ruft: „Kommen Sie schnell, Herr Ferrari-Ex-Chef. Wir brauchen Sie. Wenn es so wird, wie Sie es versprechen, kann ich es gar nicht erwarten, Ihre Züge mit dem schwarzen Leder kennenzulernen. Und mit mir Millionen andere Eisenbahnfreunde auch.
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