Danke, Claus Weselsky! Beim Streik wissen wir wenigstens zuverlässig, dass die Bahn NICHT kommt …
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Man soll ja nicht alles schlecht reden, deswegen heute mal eine gute Nachricht: Bei der Bahn wird gestreikt!
Das heißt: Endlich wissen Pendler schon frühzeitig, welcher Zug ausfällt – und ärgern sich nicht am Gleis über … die Liste meiner eigenen Erfahrung ist lang, dafür unvollständig: verspätetes Personal aus einer vorherigen Fahrt, witterungsbedingte technische Störungen, ein defektes Stellwerk, Personen im Gleis, Bauarbeiten, fehlende Fahrplan-Unterlagen oder irgendeinen anderen Grund aus dem Verspätungs-Baukasten.
Ich glaube ja, die Zugbegleiter hätten weniger Stress, wenn sie durchsagen würden, warum ein Zug mal pünktlich ist – und nicht, was der Grund für Ausfall oder Verspätung ist. Aber egal. Heute und morgen wird gestreikt und das bedeutet: Maximale Sicherheit für Bahn-Reisen, nur jeder 5. ICE und IC fährt, dafür dann aber auch wirklich. Juhu!
Ein knallharter Gewerkschafter, aber mit Humor
Grund für den Streik: Claus Weselsky, Chef der Lokführergewerkschaft GDL. Weselsky ist nicht nur knallharter Gewerkschafter, er hat auch Humor. Im Vorfeld des Arbeitskampfes sagte er, dass die Bahn wegen der Streiks kein zuverlässiges Verkehrsmittel mehr sei. Brüller, Herr Weselsky!
Aber im Ernst jetzt: Wissen Sie, was spannend an den Streiks bei der Bahn ist?
Er legt jedes Mal den Finger in eine Wunde, die Öko-Politikern von rechts wie links (aber vor allem links) gleichermaßen weh tut. Die Bahn ist im Konzept der Energiewende das zentrale umweltschonende Fortbewegungsmittel: Schluss mit bösen Verbrenner-Motoren und Inlandsflügen, alle rein in die Schienen-Sammeltaxis. Aber wenn bei der Bahn gestreikt wird, wird auch dem letzten Menschen klar: Das wird nix.

35 Stunden streikt die Bahn – Symbolisch für die gefordete 35-Stunden-Woche
Die Deutsche Bahn kann kein zentraler Baustein in welchem Konzept auch immer sein. Wenn die Lokführer um Claus Weselsky die Arbeit niederlegen, dann sagen sie laut: Warum kassieren unsere Manager ab, während wir leer ausgehen? Bahn-Chef Lutz (Vorname: bei Amtsantritt abgegeben) hat es mit seinem Vorstand geschafft, ein kaputtes System in die komplette Dysfunktionalität zu führen. Bei fürstlicher Entlohnung und Bonus-Zahlungen für erreichte Ziele wie: „Frauen in Führung und Mitarbeitenden-Zufriedenheit“. Die Kunden-Zufriedenheit oder die Pünktlichkeit – ach komm, nicht so wild.
Wenn Weselsky und seine Lokführer streiken, stehen nicht Ricarda Lang und Luisa Neubauer in der ersten Reihe, wie neulich beim Verdi- und FFF-Get-Together für die Mobilitätswende.
Ein Pferd wird kein Zebra
Die Bahn malt ihre Züge wahlweise grün- oder regenbogenfarben an und zeigt in Werbekampagnen glückliche Mitarbeiter. Aber du kannst ein Pferd noch so hartnäckig schwarz-weiß anmalen: Es wird kein Zebra. Und die Bahn produziert Frust in alle Richtungen. Kennen Sie glückliche Bahn-Mitarbeiter? Ich nicht. Klar, manche haben bei der Arbeit gute Laune. Wahrscheinlich, weil bald Feierabend ist. Aber die Bahn schafft es, jeden, der mit ihr in Kontakt gerät, zu einem unglücklichen Menschen zu machen.
Insofern kann ich den GDL-Streik schon verstehen: Wenn schon bei der Arbeit nur bepöbelt werden, während die Chefs abkassieren und keine Besserung in Sicht ist – dann zu besseren Arbeitsbedingungen.
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